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Denken wir an Sport (1) : Die Gesichter der Verlierer

Würdevoll in der Niederlage: Jürgen Klopp und sein Spieler Blaise Nkufo (links) nach dem missglückten Aufstiegsversuch 2002. Bild: Picture-Alliance

Beim Sport stehen oft die Sieger im Mittelpunkt. Mich aber interessieren die Verlierer. Wie gehen sie mit der Niederlage um? Auf der großen Bühne des Fußballs bewundere ich daher Jürgen Klopp in seinen frühen Trainerjahren.

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          Denken wir an Sport ... an was denken wir dann? Und was macht das mit uns? Sieben Sportredakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählen in einer Serie jeden Tag ihre ganz persönliche Geschichte.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn ich Sport verfolge, interessieren mich nach dem letzten Ballwechsel, dem Zieleinlauf oder dem Abpfiff fast immer die Verlierer mehr als die Gewinner. Mich stört, wenn Fernsehkameras ausschließlich den Siegerjubel zeigen, aber nicht das Leiden des Unterlegenen. Diese Reaktionen will ich sehen. Erträgt sie die Niederlage in Würde? Erweist er sich als schlechter Verlierer? Niederlagen sind für mich das, was Sport ausmacht. Das Scheitern am großen Ziel.

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          Persönlich bin ich betroffen, da ich zweimal im Endspiel der deutschen Tipp-Kick-Meisterschaft daran gescheitert bin, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen: Deutscher Meister. Wie würde das klingen!? Auf beiden Wegen ins Finale, zwei Tage lang durch 35 einzelne Spiele hindurch, hatte ich Normann Koch höchstpersönlich aus dem Weg geräumt, den großartigsten Tipp-Kicker in der Geschichte dieser vom Kinderspiel zum Wettbewerb weiterentwickelten Tischfußball-Variante. Und dann am Ende die Finals jeweils knapp verloren.

          Für mich habe ich beide Niederlagen trotzdem als sehr schöne Momente abgespeichert. Ich habe genossen, dass am Ende viele der gut 200 Teilnehmer das Endspiel verfolgten und die Triumphe meiner Bezwinger, aber auch meine Leistung würdigten.

          Der Verlierer Klopp

          Auf der großen Bühne bewunderte ich auch deshalb Jürgen Klopp in seinen frühen Trainerjahren. Er scheiterte 2002 und 2003 zweimal in Serie mit Mainz 05 an seinem großen Traum, dem Bundesliga-Aufstieg. Es ging einmal um einen Punkt, beim zweiten Mal um ein einziges Tor, das fehlte. Klopp lamentierte nicht, er versprach bei spontanen „Nichtaufstiegsfeiern“ auf dem Mainzer Theaterplatz, dass man es eben ein weiteres Mal versuchen werde.

          „Wir stehen wieder auf. Wir werden nicht an diesem Spiel zerbrechen, diesen Gefallen werden wir niemandem tun“, sagte der heute so vom Erfolg verwöhnte Klopp nach dem zweiten Drama 2003. Er rief dem „Fußballgott“ zu, dass man es dann eben ein drittes, ein viertes oder auch ein zehntes Mal versuchen werde, wenn dieser das fordere.

          Ein Jahr später hatte die Sisyphos-Qual ein Ende. Klopp und seine Mainzer stiegen erstmals in die Bundesliga auf. Auch der Erfolg hatte emotionale, erinnerungswürdige Augenblicke, besonders wertvoll war er aber durch die Vorgeschichte der Niederlagen. Solche Momente gibt es derzeit nicht. Die Corona-Krise hat dem Sport die Seele geraubt. Was an spärlichem Rest bleibt, ist fast nur noch der einsame Dauerlauf oder die Radtour durch leere Straßen. Aber es gibt keine Sieger mehr – nur noch Verlierer.

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