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Nachwuchsfußball : Den deutschen Junioren fehlt die Exzellenz

Niederlagen machen vielleicht stark: Die deutschen Nachwuchsfußballer leiden im Sommer Bild: AP

Bei allen Turnieren dabei, jedoch nie vorne: Die deutschen Nachwuchsteams erleiden im Fußballsommer bittere Niederlagen. Für die großen Erfolge fehlen die Ausnahmekönner.

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          Auch wenn das im Land der Fußball-Weltmeister in diesem Sommer ein bisschen untergegangen sein sollte: Alle Titel, die deutsche Fans in diesem Jahr feiern durften, stammen aus der Konserve. Es war natürlich nett, dass am Montag das wunderbare WM-Gefühl mit Mario Götzes Traumtor in Rio nochmals auflebte. Und sich in der Woche zuvor Nostalgiker an Franz Beckenbauers WM-Triumph in Rom vor einem Vierteljahrhundert mit seinen alten Recken erfreuen konnten. Aber jenseits der brasilianischen und italienischen Nächte von gestern und einst ist der deutsche Fußballsommer 2015 komplett ins Wasser gefallen.

          Nun ist auch noch die U19 als Gruppenletzter der Vorrunde bei der EM in Griechenland rausgeflogen. Der Gerexit im Fußball ist damit komplett. Frauen-WM: Titelträume im Halbfinale verflogen. U-21-EM: von Portugal im Halbfinale vermöbelt. U-20-WM: im Viertelfinale an Mali gescheitert. U-17-EM: den Franzosen im Finale 1:4 unterlegen. Von Champions League und Europa League muss man gar nicht reden.

          Tendenz zum Mittelmaß

          Ein Fußball-Weltuntergang ist das nicht. Und über die Chancen bei der EM in Frankreich 2016 oder zwei Jahre später bei der WM in Russland sagt dieser titellose Sommer auch nicht viel. Immerhin war der Nachwuchs bei allen Endturnieren dabei – was längst nicht alle Top-Nationen von sich behaupten können.

          In Griechenland scheiterte das Team von Bundestrainer Sorg denkbar knapp. Nach dem 2:2 im letzten Gruppenspiel gegen Russland waren alle vier Teams in der deutschen Gruppe punktgleich. Ein Törchen in der Schlussminute hätte den Gruppensieg und den Einzug ins Halbfinale bedeutet. Aber trotz unterschiedlicher Turnierverläufe lässt sich im deutschen Nachwuchs eine Tendenz erkennen: Die Teams erreichen zwar mittlerweile regelmäßig die Finalturniere (was weit schwieriger ist als bei der A-Nationalelf). Das ist ein Beleg für deutsche Stärke in der Breite. Aber dass Titel trotzdem seit Jahren auf sich warten lassen, ist ein Zeichen für fehlende Exzellenz und Individualität in der Spitze. Entscheidende Spiele gewinnen immer noch Spieler, nicht Systeme.

          Rückschlag: U19-Trainer Marcus Sorg
          Rückschlag: U19-Trainer Marcus Sorg : Bild: Picture-Alliance

          Ein starkes Fundament, aber kein krönender Abschluss: Das hat auch mit der hochgelobten, aber verbesserungsfähigen deutschen Nachwuchsarbeit zu tun. Jedes Jahr kommen viele gut ausgebildete Spieler aus ihr hervor, aber eben auch viele gleichförmige. Selbst die Leistungszentren funktionieren nach allzu einheitlichem Schema. Es macht in der Bewertung durch den DFB keinen Unterschied, ob ein Zentrum Nachwuchsspieler für den FC Bayern, Hoffenheim oder Freiburg entwickelt. Selbst wenn die Voraussetzungen völlig unterschiedlich sind, gelten stets dieselben Kriterien. Mehr Individualität wagen – das würde im deutschen Fußball allen guttun: den jungen Spielern, ihren Vereinen und am Ende auch den Nationalteams.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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