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100. Geburtstag des Torhüters : „Turek, du bist ein Fußballgott!“

Im WM-Finale 1954 rettete Torwart Toni Turek mit großartigen Paraden den Sieg über Ungarn. Bild: Imago

Toni Turek, der vor 100 Jahren geboren wurde, hatte das Glück, im rechten Moment am rechten Ort zu sein. So gewann er das bis heute großartigste Finale einer Fußball-WM. Doch dieses Glück hielt nicht lange.

          7 Min.

          Es ist viertel nach fünf an einem verregneten Sonntagnachmittag, als Deutschland seinen ersten Nachkriegs-Gott bekommt. Der will davon nichts wissen, kann sich aber nicht dagegen wehren. Was er da tut, schreit einfach danach, augenblicklich verklärt zu werden.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der 4. Juli 1954. 23 Minuten gespielt im bis heute großartigsten Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der hohe Favorit Ungarn drängt auf die abermalige Führung. Sandor Kocsis verlängert auf Nandor Hindegkuti, der schießt volley aus drei Metern. Es muss das 3:2 sein. Das muss jeder denken, der es sieht, auch 65 Jahre später noch, auf zittrig bewegten Schwarz-Weiß-Bildern. Alle bis auf einen, den einzigen, der es verhindern kann. Als er es tut, schreit Radioreporter Herbert Zimmermann fünfzig Millionen Landsleuten daheim in die Ohren: „Schuss! Abwehr von Turek! Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“ Und während Zimmermann wohl sofort ahnt, dass ihm diese Wortwahl Ärger einbringen wird, und beschwichtigend fortfährt: „Entschuldigen Sie die Begeisterung, die Fußball-Laien werden uns für verrückt erklären“ – währenddessen wendet sich der Vergötterte im deutschen Tor so kühl ab, als hätte er mit seinem blitzartig hochgerissenen linken Arm nur ein Taxi herbeigewinkt. Und nicht einen regenschweren Lederball, knallhart aus nächster Nähe geschossen, im Sprung mit der nackten Hand übers Tor gelenkt – eine der großen Paraden der Fußballgeschichte.

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