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David Villa : Ein Star im Schatten von Messi

David Villa, der stille Star: Manchmal überragt er auch Messi Bild: AFP

David Villa ist ein Star, und dennoch ein demütiger Arbeiter. Er preist Treue, Verbundenheit und hartes Training. Auch im spanischen Pokalfinale diesen Mittwoch mit dem FC Barcelona gegen Real Madrid wird er dem Weltfußballer Messi zuarbeiten.

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          Dass er mit 46 Treffern längst den Rekord von Raúl als erfolgreichster spanischer Torjäger der „Selección“ eingestellt hat, merkt man ihm nicht an. David Villa vom FC Barcelona ist ein Arbeiter, er weiß, wo er herkommt, preist Treue, Verbundenheit und hartes Training. Ein Star, den Zahlen nach; aber im Kern ein demütiger Spieler.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Für seinen Stil gilt dasselbe. Villas Arbeit drückt sich nicht nur in Toren aus, jeder weiß, dass er unermüdlich schuftet und nie aufgibt. Im Gegensatz zu Stürmern, die Aggressivität verströmen oder sich mit ihren Gegenspielern kabbeln, scheint Villa nur auf sein Spiel fixiert, und das heißt: aufs Tor. Seine Leistung hat der Mann aus dem nordspanischen Asturien mit außergewöhnlicher Kontinuität gesteigert. Erst in der Segunda División bei Sporting Gijón, dann zwei Jahre bei Real Saragossa, danach fünf Jahre beim FC Valencia als Sturmführer, dem das Konterspiel auf den Leib geschrieben schien. Bis David Villa mit achtundzwanzig Jahren und noch vor der Weltmeisterschaft in Südafrika, die Spanien erstmals auf den Thron brachte (und die Villa zusammen mit Thomas Müller als bester Torjäger abschloss), beim FC Barcelona des Pep Guardiola landete - in der Schule des Angriffsfußballs schlechthin. Vierzig Millionen Euro soll der Transfer gekostet haben.

          Selbst ein Star wie Thierry Henry sah blass aus

          Selbst für einen Angreifer seines Formats brachte der Wechsel Spielregeln mit sich, über die er sich wohl von Anfang an im Klaren war. Die erste von ihnen lautet, dass Barcelonas Offensive auf Lionel Messi zugeschnitten ist. In den fünf Jahren, in denen der Argentinier den Stil der Katalanen von Jahr zu Jahr stärker prägen konnte, haben sich seine Angriffskollegen von Konkurrenten in Zuarbeiter verwandelt, und wer sich damit nicht anfreunden mochte oder ein zu großes Ego zur Schau trug, konnte einpacken. Selbst ein Star wie Thierry Henry sah im Schatten von Messi blass aus. Der Letzte, der sich jenseits des unumschränkten Herrschers profilieren wollte, war der Sechzig-Millionen-Einkauf Ibrahimovic, und nachdem er es gewagt hatte, die Hegemonie des Weltfußballers des Jahres in Frage zu stellen, wurde Trainer Guardiola ihn schnell wieder los.

          Teamspieler durch und durch: David Villa

          Villa beging diesen Fehler nicht. Er arbeitete an sich, um das katalanische Spielsystem zu verinnerlichen, und akzeptierte, dass er insgesamt weniger Tore schießen würde als in seinen früheren Vereinen, obwohl er bei einer wahren Trefferfabrik angeheuert hatte. Denn die meisten Torerfolge bei Barça gehören nun einmal Messi. Der hat inzwischen nicht nur fast alle Saisonrekorde der Primera División gebrochen, er ist mit seinen dreiundzwanzig Jahren auch der erfolgreichste Torjäger, den der FC Barcelona jemals in seiner Geschichte hatte. Sinnlos, gegen so einen zu konkurrieren, mag sich Villa gesagt haben.

          Messis Tore gehen wirklich auf Villas Kosten

          Und so spielt er auf dem linken Flügel, beschäftigt die gegnerischen Verteidiger, läuft sich zehnmal frei, um einmal den Ball zu erhalten, und tut alles, um das zur Mitte und zu Messi tendierende Spiel so weit und lang zu machen, wie es eben geht. Besser als Villa, das wissen sie in Barcelona, könnte das niemand hinbekommen. Deshalb sind seine siebzehn Ligatore - allesamt aus Spielsituationen entstanden, nicht aus Elfmetern oder Freistößen - so aussagekräftig. Sie sind die Erinnerung daran, dass die Mannschaft nicht nur mit ihrem berühmten Billardstil, sondern auch steil und überfallartig zum Erfolg kommen kann, mit Villa als Vollstrecker.

          In den vergangenen Wochen sind er und Stürmerkollege Pedro in eine gewisse Flaute geraten; Messis Tore gehen wirklich auf ihre Kosten, und das Madrider Sportblatt „Marca“ zählt schon mit Häme Villas trefferlose Spieltage. Vor dem Finale des spanischen Pokals, der „Copa del Rey“, werden jedoch die Karten neu gemischt. Villa weiß gut, wie es sich anfühlt, gegen Real Madrid Tore zu schießen. Bei Barças legendärem 5:0-Heimerfolg vom 29. November 2010 gingen zwei Treffer auf sein Konto, während Messi ausnahmsweise nur als Vorbereiter glänzte. Villa hat gegen den spanischen Rekordmeister sogar schon einmal eine „Copa del Rey“ gewonnen, nämlich im März 2004, als Spieler von Real Saragossa und krasser Außenseiter. An diesem Mittwochabend (22.00 Uhr) kommt „el guaje“ (der Bursche), wie sie ihn seit Jugendtagen nennen, ins Mestalla-Stadion von Valencia zurück. Hier haben sie ihm zu Füßen gelegen, und das werden sie wieder tun, wenn er ins Netz trifft. Keinem auf dem Platz gönnen die Valencianer es mehr.

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