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David Beckham : Abstieg einer Pop-Ikone

End it like Beckham: „Traurig und frustriert” Bild: REUTERS

In Madrid auf der Bank, in England ausgemustert: David Beckhams Rückzug hat begonnen - an allen Fronten. Die Fußballbranche ist längst auf der Suche nach einer neuen Nüchternheit, sie hat keinen Platz mehr für zweikampfscheue Luxus-Kicker.

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          Neun Millionen Euro, nicht schlecht für einen Teilzeitjob. Doch David Beckham leidet. Gegen Barca saß er auf der Bank, wie zuletzt fast immer. Nur gegen Ecija im Pokal kam er in die Startelf, was noch schlimmer war. Denn er mit der B-Elf gegen einen Drittligaklub, das ist wie Robbie Williams im Musikantenstadl. Dann kamen die Meldungen, Real Madrid wolle ihn 2007 ganz ausmustern. Noch demütigender der Tonfall des Dementis von Präsident Calderón: "Die Logik diktiert, daß wir zusammen weitermachen. Wir haben eine Ehe, die gut funktioniert." Es klang nach einem jener Fälle, in denen Scheidung nur eine Kostenfrage ist.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Wenn Beckham doch nur eine schlechte Phase hätte. Aber das ist schon eine Lebensphase. Im englischen Nationalteam als Kapitän abgelöst, dann gar nicht mehr nominiert; im Klub zum Bankdrücker degradiert. Selbst auf dem Feld, das er einsam beherrschte, dem der Selbstvermarktung, kommen die Einschläge näher. Der Sonnenbrillenhersteller "Police" kündigte dem kickenden Werbeträger. Die Zeitung "Guardian" sah "die Marke Beckham im Rückzug an allen Fronten".

          Kein Platz für zweikampfscheue Luxus-Kicker

          End it like Beckham: Schlußpfiff für den Glamour-Fußball. Moderne Klubs analysieren mit Datenbanken und Scoutingnetzen ihr Personal und Potential immer nüchterner und gründlicher. Heutigen Tempo- und Netzwerkfußball prägen Spieler, die sportlich multifunktional sind, privat aber einförmig. Und die seit Jahren ihre Frisur nicht geändert haben: wie Lampard, Gerrard, Henry, Pirlo, Deco. Motto: Substanz schlägt Verpackung. Beckham hat gelernt. Lange schon hat der Mann, der früher seinen Leibfriseur einfliegen ließ, den Schnitt nicht gewechselt: einen konventionellen, ungefärbten Kurzschopf.

          End it like Beckham: „Traurig und frustriert” Bilderstrecke

          Ob das noch hilft, nach seiner Fasson glücklich zu werden? Real hat unter Trainer Fabio Capello den großen Schnitt gemacht. Wo es früher um Schaueffekte ging, sorgt heute ein Sechser-Defensivblock für Sicherheit - kein Platz mehr für zweikampfscheue Luxus-Kicker. Es ist die Konsequenz aus dreijährigem Irrflug, in dem man die Elf komponierte wie ein Sechstkläßler sein Sammelalbum: Hauptsache Namen. Das neue Vorbild in Europa gibt Chelsea ab: ein Starensemble, in dem Teamgeist über alles geht; in dem Weltklassespieler sich klaglos darin fügen, glanzlos zu sein.

          „Süchtig“ nach dem Schmerz durch die Nadel

          Beckham aber klagt. Er ist 31, da wirkt jeder Tag auf der Bank wie ein verlorenes Stück Leben. "Traurig und frustriert", so schildert er sich. "Ich finde keine Erklärung." Das Leben des David ist in Unordnung geraten. Gerade ihm muß das eine Qual sein. In einer der für die Societykaste modischen Selbstbespiegelung beichtete er kurz vor der WM, unter einer Zwangsstörung zu leiden - einem psychischen Leiden, das sich in bizarren Ritualen äußert. Bei Beckham ist es das Zählen von Cola-Dosen, die stets in gerader Zahl im Kühlschrank stehen müssen; das rechtwinklige Ausrichten von Zeitschriften oder Möbeln, oft stundenlang. Alles muß in Reih und Glied und paarweise angeordnet sein, auch im Hotel, "ehe ich entspannen kann". Die wachsende Anzahl seiner Tattoos (derzeit zwölf) erklärte er damit, er sei "süchtig" nach dem Schmerz durch die Nadel.

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