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David Beckham : Abstieg einer Pop-Ikone

Seiner Rolle als Fixgestalt im globalen Promi-Zirkus wird der Absturz als Kicker keinen Abbruch tun. Doch am Ball sucht er eine letzte Bühne. Seinem alten Trainer Alex Ferguson biederte er sich an, indem er dessen wütenden Schuhwurf an die Augenbraue des Stars 2003 nun als "Unfall" darstellte. Der plumpe Vorstoß, als verlorener Sohn nach Manchester zurückgerufen zu werden, blieb ohne Resonanz. So gilt Buchmachern als unwahrscheinlich, daß "Becks" 2007 wieder in England auftaucht. Eher wettet man, ihn in Amerika zu sehen, wo sein Können noch reichen wird. "Ein Wechsel nach Amerika wäre wohl eine Erleichterung für jeden", findet der "Guardian" und stellt sich dort für den Jungen aus dem Londoner East End "eine Art Weltfriedensbotschafterrolle" vor: "Beckham mit einem Anti-Landminen-Helm, oder beim Miteinander mit fotogenen afrikanischen Kindern".

Auslaufmodell des Zeitgeistes

Aber vielleicht bleibt er doch in Madrid, und all die Nasenstüber sind nur Verhandlungsmanöver des Klubs. Sportlich braucht Real Beckham nicht, wirtschaftlich aber kann man ihn noch gebrauchen: für Trikotverkäufe, für Präsenz in den neuen Fußballmärkten in Asien und Amerika, wo Real, seit Beckham kam, Manchester überholt hat. Sein Glanz mag mit den "Galaktischen" verglüht sein. Doch in entlegenen Teilen des Fußballuniversums kommen seine Lichtjahre entfernt abgesonderten Strahlen noch an. Deshalb kann Beckham sich noch rechnen - wenn er billiger wird. Sportdirektor Mijatovic stellte klar, daß er nur mit Einbußen bleiben könne. In der finanziell und funktionell reduzierten Rolle als Galionsfigur, die da und dort mit gezielten Einsätzen ihr Gesicht wahren darf, könnte seine Real-Zukunft liegen.

Ein Fall von Resteverwertung. Da bleibt nicht viel vom einstigen männlichen Rollenvorbild, das den Prototyp für die Medienerfindung des "Metrosexuellen" abgab und das die Autorin Julie Birchill so beschrieb: "In ihm scheinen wir alles zu sehen, was Männer sein könnten." Wie der Gatte steht auch die knochige Mrs. Beckham, Kleidergröße 32, mit ihren Maßen, ihrer Mode und ihrer Musik als Auslaufmodell des Zeitgeistes da. Im festen Glauben daran, daß alles aus ihrem öffentlich gestylten Leben Relevanz habe, trat Victoria Beckham mit Bekenntnissen in die Welt, die zuletzt nur noch Stirnrunzeln auslösten: daß der Stoff ihrer Haarverlängerungen von russischen Gefängnisinsassinnen stamme; daß sie mit ihrer Freundin Katie Holmes, künftige Frau des Filmstars Tom Cruise, ihr Interesse an der Scientology-Sekte diskutiert habe (deren Mitglied Cruise ist).

So führte auch dieser verheißungsvolle Draht nach Hollywood zu einer der Hiobsbotschaften, die derzeit nicht abreißen wollen im Leben der Beckhams. Zur Cruise-Hochzeit im November wird Mrs. Beckham allein reisen. Mr. Beckham bleibt zu Hause. Er muß gegen Santander spielen. Oder wenigstens auf der Bank sitzen.

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