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David Alaba : Österreich fest im Griff

Ein lustiger Kerl: David Alaba Bild: dpa

Bayern-Profi David Alaba ist der neue Heilsbringer. In der WM-Qualifikation soll er am Freitag (20.45 Uhr) helfen, dass Schweden besiegt wird - damit ihn danach auch wirklich jeder Österreicher kennt.

          Für seinen Jubel nach dem Gewinn der Champions League hatte David Alaba eine neue Nation erfunden. Ihre Flagge, die er auf dem Rasen von Wembley trug, vereinte die Farben der Philippinen, Nigerias und Österreichs - die Heimatländer seiner Mutter, seines Vaters und sein eigenes.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Alle drei Länder spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben“, sagte Alaba. In allen drei Ländern wurde er gefeiert, nirgendwo aber so wie in Österreich, wo der gebürtige Wiener zum derzeit populärsten Mann des Landes aufgestiegen ist - als erster Österreicher, der ein Champions-League-Finale gewann, und das mit erst 20 Jahren.

          Die Landsleute empfingen ihn mit Heilserwartungen. Alaba, der die Chance auf die erste österreichische WM-Teilnahme seit 1998 im März mit seinem 2:2 in der Nachspielzeit in Irland rettete, soll das Austria-Team an diesem Freitag in Wien zum Sieg über Schweden führen und die Tür zu den Play-off-Spielen der Gruppenzweiten offen halten.

          Er sei „in die Sphären der Allzeitgrößen im österreichischen Fußball aufgestiegen“, jubelte das Boulevardblatt Kurier. Alaba habe „Österreich fest im Griff“, schrieb „Die Presse“ und lästerte: „Die Republik läuft kollektiv zu Bayern München über und ignoriert damit die in der Verfassung verankerte Feindseligkeit gegenüber diesem Verein.“

          Starke linke Seite: Mit Franck Ribéry (rechts) gewann Alaba auch den DFB-Pokal

          Alabas Erscheinen löste im Team-Lager das leidige Dauerthema um den bei Werder Bremen suspendierten, im Nationalteam aber gebrauchten Marko Arnautovic ab - der eine Art Gegenentwurf zu Alaba ist, Maulheld statt Nationalheld. Ein ganz so kreuzbraver Stubenhocker ist auch der fromme, schweigsame Alaba nicht, dafür sorgt schon sein Münchner Partner bei der Spiel- und Freizeitgestaltung, Franck Ribéry.

          Aber wenn einmal ein Verdacht aufkommt, wie durch einen Anrufer, der Präsident Uli Hoeneß von Eskapaden im Münchner Nachtleben berichtete, dann weiß Alaba wenigstens einen guten Spruch, wie Hoeneß auf der letzten Jahreshauptversammlung den johlenden Mitgliedern erzählte. „Herr Präsident, darüber muss ich nachdenken“, habe Alaba auf den Vorwurf in feinstem Wienerisch geantwortet. Und dann, ein paar Tage später, seine Erklärung nachgereicht: Da müsse der Ribéry „mit an andern Schwoarzen“ unterwegs gewesen sein.

          Arsenal, der Lieblingsverein seiner Jugend

          Er wirkt schüchtern und schelmisch zugleich, eine entwaffnende Kombination. „Er war von Anfang an bei allen Trainern und Mitspielern beliebt, weil er eine gute Mischung hat - auf der einen Seite den nötigen Ernst, auf der anderen Seite einen guten Schmäh“, sagte Werner Kern, der Alaba 2008 als Nachwuchs-Chef der Bayern von Austria Wien losgeeist hatte. Heute sei Alaba „der beste Linksverteidiger der Welt“.

          Er will das aber nicht bleiben. Anfang 2012 löste er das Bayern-Problem auf der linken Abwehrseite nach Philipp Lahms Rochade nach rechts. Doch im Nationalteam spielt er im zentralen Mittelfeld. Es sei „kein Geheimnis“, sagt er, dass er sich in dieser Rolle irgendwann auch bei den Bayern sehe. Hier setzt offenbar der FC Arsenal an, der Lieblingsverein seiner Jugend, der Alaba laut Medienberichten Avancen macht mit der Aussicht, in London auf seiner Lieblingsposition zu spielen. Doch werden die Bayern einen Teufel tun, ein Kronjuwel zu verkaufen.

          Krönung in London: Alaba und der Pokal der Champions League

          Vater George kam 1984 als Student nach Wien, blieb dort als Diskjockey und Musiker und wurde nach der Einbürgerung als erster Schwarzer ins österreichische Bundesheer einberufen. Heute betreut er die Karrieren von Sohn David und Tochter Rosemarie, die bei der Castingshow „Popstars Mission Österreich“ den Platz in einer Pop-Band gewonnen hat. Der Sohn unterstützt die Familie finanziell, so dass Mutter Gina die Arbeit als Krankenschwester aufgeben konnte. „Er hat ein großes Herz“, sagte sie.

          Geld spielt beileibe nicht die Hauptrolle für Alaba. Als derzeit populärste Werbefigur in Österreich könnte er Millionen verdienen. Doch verzichtet er etwa als Werbeträger für fußballförmige Tiefkühlbrötchen auf Geld - und lässt sich in Brötchen bezahlen. Jedes Kind in Österreich kennt Alaba - inzwischen wohl auch der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der vor einem Jahr im Trainingslager des Nationalteams den dunkelhäutigen Spieler mit „How do you do?“ ansprach. Alaba antwortete: „Danke, gut. Sie können ruhig Deutsch mit mir reden, ich bin Österreicher.“

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