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Kommentar : Falsche Erwartung

  • -Aktualisiert am

Immerhin 27.000 Besucher haben sich gefunden, die für ein Spiel Geld ausgeben, bei dem allein die Höhe des deutschen Sieges noch nicht feststehen. Bild: dpa

Bislang sind nur 27.000 Karten für das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen San Marino verkauft. Läuft da also was falsch im deutschen Fußball?

          Eine abendliche Temperatur um die 20 Grad Celsius, kein Regen in Sicht – das klingt doch eigentlich vielversprechend für das WM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft an diesem Samstag gegen San Marino. Das denken sich offenbar auch viele potentielle Stadionbesucher in Nürnberg und Umgebung – und bleiben lieber zu Hause. Vielleicht reicht der Fernsehanschluss ja bis in den Garten, dann kann man noch einen Grill dazustellen. Nur 27.000 Karten bei verfügbaren 44.000 Plätzen im Nürnberger Stadion sind verkauft, und schon beginnen die Klagen, dass die Fans wegbleiben. Läuft da also was falsch im deutschen Fußball?

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          Wahrscheinlich ist die Erwartungshaltung schon grundlegend verkehrt: Nur 27.000 Karten, das klingt sehr negativ. Bei Eintrittspreisen zwischen 18 und 80 Euro müsste es vielmehr heißen: Immerhin 27.000 Besucher haben sich gefunden, die für ein Spiel Geld ausgeben, bei dem allein die Höhe des deutschen Sieges und die Anzahl der Spieler, die ihr Debüt im Nationaltrikot geben werden, noch nicht feststehen. Und das trotz einer Live-Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen. Das sollen andere Sportarten dem Fußball erst mal nachmachen.

          Der Deutsche Fußball-Bund hätte auch mal andere Wege gehen können. Etwa eine frühere Anstoßzeit ansetzen, damit man vor Mitternacht wieder zu Hause sein könnte. So wäre Familien mit kleineren Kindern in Verbindung mit einem noch günstigeren Familienticket schon geholfen. Wer demnächst mit einer dreistelligen Millionensumme bauen will, sollte sich das leisten können, trotz der drei Euro, die der Sporthilfe pro Ticket zugutekommen.

          Der ein oder andere hätte entdecken können, wie schön es beim Fußball sein kann, so ganz ohne Ausschreitungen von Verstörten, die vermummt randalieren wollen und dem Gegner allerlei unflätiges Zeug entgegenrufen. Das ist gegen San Marino nicht zu erwarten, also hätte der DFB auch ganze Schulklassen gefahrlos einladen können.

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          Haben sie aber alles nicht gemacht, und deshalb kann das mäßige Interesse auch niemanden verwundern. „Das Grundproblem ist keineswegs eine überzogene Kommerzialisierung“, hat DFB-Präsident Reinhard Grindel im Interview der F.A.Z. zuletzt gesagt. Aber was sonst? Die Aufblähung aller Wettbewerbe führt vermehrt zu Spielen, die niemanden sonderlich interessieren.

          Den Fernseher kann man ja vielleicht mal anmachen, dann plätschert das Spiel eben so nebenbei dahin – aber ins Stadion gehen? Der DFB wird sich etwas einfallen lassen müssen, und vielleicht reicht es nicht einmal, künftig – wie von Grindel angekündigt – dorthin zu gehen, wo der große Fußball sonst nie hinkommt. Gerade dort gibt es viele schöne Gärten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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