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Das Trikot und der Lohn : 15 Cent für vier Sterne

  • -Aktualisiert am

Made in China: Vier Sterne, „Weltmeister-Badge“, 84,95 Euro Bild: dpa

Entwicklungsminister Müller kritisiert das Geschäft mit dem DFB-Trikot. Der Vorwurf sei falsch, sagt Adidas. Für Claudia Roth sind die Fertigungsumstände „unerträglich“.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat eine Reaktion zu dem Vorwurf des Entwicklungsministers Gerd Müller (CSU) abgelehnt, das neue Weltmeistertrikot mit den vier WM-Sternen der Nationalmannschaft vom Sponsor Adidas werde in Billiglohnländern wie Bangladesch unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert. Der DFB verwies am Mittwoch auf Anfrage auf den Ausrüster Adidas und dessen Stellungnahme. Der Sportartikelhersteller wehrte sich gegen die Äußerungen des Regierungsmitglieds, die Müller bei einem Termin in Berlin formuliert hatte: „Wir sind äußerst verwundert über die in der F.A.Z. veröffentlichten Aussagen von Herrn Minister Müller und weisen seine faktisch falschen Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück“, teilte Adidas dieser Zeitung mit.

          Leider hätte sich der Minister vor seinen Aussagen nicht detailliert genug über die Beschaffungsaktivitäten des Unternehmens informiert und auch keinen der Zulieferbetriebe selbst besucht. „Wir hätten ihm sonst gerne erklärt, dass wir die deutschen Nationaltrikots aus China beziehen, nicht aus Bangladesch. Im Übrigen haben wir die Liste aller WM-Zulieferer bereits 2013 auf unserer Website veröffentlicht, Bangladesch taucht darauf genauso wenig auf wie die von Herrn Minister Müller erwähnten afrikanischen Länder“, fügte ein Adidas-Sprecher hinzu.

          Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: Bangladesch als Synonym für Billiglohnländer
          Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: Bangladesch als Synonym für Billiglohnländer : Bild: dpa

          Müller hatte darauf hingewiesen, dass das neue DFB-Weltmeistertrikot fast 85 Euro koste, wovon eine Näherin in Bangladesch aber nur 15 Cent bekäme. Der CSU-Politiker hatte bei einer Veranstaltung am Dienstag in der Industrie- und Handelskammer Berlin die Ausbeutung von Arbeitern in Asien und Afrika durch Konzerne aus Europa und Nordamerika kritisiert. Auf Anfrage am Mittwoch beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hieß es, dass Müller sich verstärkt für eine Verständigung der deutschen Textilindustrie einsetze, um für einheitliche soziale und ökologische Mindeststandards bei der Produktion in den verschiedenen Ländern zu sorgen. Dafür werde gerade am „Runden Tisch Textil“ gearbeitet, an dem auch die Firma Adidas sitze. Die Nennung von Bangladesch im Zusammenhang mit Adidas sei nur ein Synonym gewesen für die Situation in Billiglohnländern. Die Sprecherin des BMZ fügte hinzu, dass der Minister keinesfalls zum Boykott von Produkten wie dem WM-Trikot aufrufen wolle, sondern mit allen Beteiligten praktische Lösungen auch zur besseren Information des Verbrauchers anstrebe.

          Die Trikots der DFB-Auswahl setzen sich in diesem Jahr ausgezeichnet ab. Ausrüster Adidas meldete schon mehr als zwei Millionen verkaufte Hemden - und nach dem WM-Triumph in Brasilien wird die neue Linie mit den vier Sternen auf der Brust wohl ebenfalls ein Verkaufsschlager werden. Doch unabhängig von dem aktuellen Streit kritisieren Organisationen, die sich seit Jahren intensiv mit den Bedingungen für Arbeiter in den Billiglohnländern beschäftigen, weiterhin die mangelnde Verantwortungsbereitschaft der dort produzierenden Konzerne. „Die Umsatzzahlen der Unternehmen erreichen immer neue Höhen, während die Reallohnentwicklung der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Fabriken nach unten geht. Wir fordern, dass von Firmen wie Adidas oder auch Puma und deren Zulieferern endlich Gehälter gezahlt werden, damit die Arbeiter ein Leben in Würde führen können“, sagte Sandra Dusch von der Christlichen Initiative Romero. Auch gesetzliche Mindestlöhne würden für ein würdiges Leben oft nicht reichen.

          Die Macht des einen neuen Sterns: Siegertrikot als Verkaufsschlager
          Die Macht des einen neuen Sterns: Siegertrikot als Verkaufsschlager : Bild: dpa

          An diesem Donnerstag jährt sich zum zweiten Mal der verheerende Brand in dem pakistanischen Textilunternehmen Ali Enterprises in Karachi, bei dem 289 Arbeiter starben. Zu den Auftraggebern zählten auch deutsche Unternehmen. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth von den Grünen, die sich seit Jahren beim DFB engagiert und dort der Kulturstiftung angehört, sagte der F.A.Z. am Mittwoch: „Minister Müller hat vollkommen recht, wenn er auf die Verbrauchermacht hinweist und dabei auch die verantwortlichen Unternehmen in die Pflicht nimmt. Ich finde den Gedanken unerträglich, unter welchen Umständen etwa unsere Weltmeistertrikots hergestellt werden. Jetzt sollte er aber auch das Kind beim Namen nennen und den Verbrauchern klar sagen, welche Unternehmen es zu boykottieren gilt.“ Der DFB müsse als größter nationaler Sportverband der Welt seine starke Position nutzen und gegenüber Adidas darauf bestehen, nur noch Trikots zu verwenden, bei denen über die gesamte Lieferkette menschenrechtliche, soziale und ökologische Standards garantiert würden. „Es kann nicht sein, dass in Asien, Afrika und anderswo Menschen zu Hungerlöhnen unter schlimmsten Bedingungen schuften und wir so tun, als ginge uns das alles nichts an“, sagte Frau Roth.

          Adidas verweist darauf, dass bei den Zulieferern in den Ländern darauf geachtet werde, dass Lohnerhöhungen umgesetzt und Arbeitsplatzstandards eingehalten würden. Das Unternehmen nannte in diesem Zusammenhang unabhängige Organisationen wie den Dow Jones Sustainability Index, der Adidas seit Jahren als führendes Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen in der Beschaffungskette auszeichne. In China sei die Firma vom Institute of Public and Environmental Affairs, einem Partner von Greenpeace, als eines der vier umweltfreundlichsten Unternehmen der Branche ausgezeichnet worden. „Wir laden den Minister gerne zu einem persönlichen Gespräch nach Herzogenaurach ein, so dass er sich ein fundiertes Bild unserer Beschaffungsaktivitäten machen kann“, teilte Adidas mit. Ein Termin soll schon längst abgesprochen sein, heißt es beim BMZ.

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