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Das Duell : Der Münchner Mehr-Wert

Angetrieben von der Rivalität? Bayern München und Borussia Dortmund setzen so viel Geld wie noch nie um. Bild: dpa

Das Champions-League-Finale beflügelt die Phantasie: Der FC Bayern und Borussia Dortmund setzen so viel Geld um wie nie zuvor. Das Wachstum als Weltmarke des Fußballs wird weitergehen.

          Nicht nur hierzulande spielen die Fans verrückt. Die Rivalität zwischen den Anhängern des FC Bayern und von Borussia Dortmund wird vor dem Champions-League-Finale auch in China leidenschaftlich ausgetragen. Dort ist derzeit das Phänomen einer jungen Fußball-Avantgarde zu beobachten, die engagiert den BVB unterstützt und sich mit der deutlichen Überzahl von Bayern-Anhängern in den Internetforen eine Schlacht liefert. „Das ist sehr extrem, auch eine Art Aufbegehren gegen das Fan-Establishment“, sagt Li Zhang. Der Journalist schreibt für die größte chinesische Sportzeitung „Titan Sports“ und ist ein Kenner des deutschen Fußballs. Berichtet er über den FC Bayern, wird ihm von gegnerischen Fans in der Heimat schon mal unterstellt, in böser Absicht die Dortmunder klein zu halten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gefühle der Fans in Peking, Schanghai oder Guangzhou zeigen, welche globale Kraft von dem deutschen Duell ausgeht. Die Fußballoffensive aus dem Süden und Westen der Republik ist dabei gerade eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Aber welcher Klub ist besser? Wer kann das größte Kapital aus dem Jahrhundertspiel schöpfen? „Darum geht es nicht“, sagt Carsten Cramer, Marketingdirektor beim BVB. „Wir orientieren uns nicht an den Bayern, sondern an uns selbst.“

          In München investiert man kräftig ins Personal: Javi Martinez (l.) kam für 40 Millionen Euro, Mario Götze kommt für 37 Millionen Euro.

          Wer in diesen Tagen mit Cramer spricht, erhält einen Eindruck, was der Boom im Alltag der Borussia ausgelöst hat. Da sind nicht nur die halbe Million Anfragen aus der Anhängerschaft für Endspieltickets in Wembley. Weil der BVB beim Versand der fast 1000 Merchandising-Artikel an seine Grenzen stößt und nicht absehen kann, wie sehr die Nachfrage weiter nach oben schießt, wird der Verein diesen Bereich an den Logistikdienstleister Rhenus ausgliedern. „Der sportliche Erfolg macht attraktiv und weckt das Interesse. Er beflügelt das Geschäft. Wir haben Steigerungsraten, die für uns vor zwei Jahren noch unfassbar waren. Ich weiß gar nicht, wohin das noch gehen soll. Die Entwicklung ist ja fast beängstigend“, sagt Cramer. Allein im Merchandising erwartet der Klub in dieser Saison Erlöse von 30 Millionen Euro, ein Wachstum zum Vorjahr von fast 30 Prozent. Bis zu 330 000 Trikots könnten bis Saisonende verkauft werden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat schon verkündet, dass der börsennotierte Klub erstmals einen Gesamtumsatz von 250 Millionen Euro erreichen wird. Der Kick, die Typen, die Emotionen - für den BVB ist es ein Fußballmärchen.

          An Rekorde ist Bayern München gewöhnt. Aber auch die Verantwortlichen des langjährigen Branchenführers werden von dem riesigen Interesse der Fans überrascht. Meister- und Final-Kollektionen werden ihnen aus den Händen gerissen. Der Absatz wird gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent steigen. „Die Nachfrage hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Es ist unglaublich“, sagt Marketingvorstand Andreas Jung. Bis zum Ende der Saison werden wohl mehr als 600 000 Trikots über die Tresen gehen. Der Klub ist ein ökonomisches Bollwerk und spielt in einer eigenen Liga. Unerreichbar für die Dortmunder. Die Münchner holen in etwa doppelt so viel heraus wie der BVB. Ihr Umsatz wird dieses Spieljahr erstmals über 400 Millionen Euro springen, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ankündigte. Die Einnahmen im Merchandising aus dem gesamten vergangenen Geschäftsjahr hat der Klub in dieser Saison schon zur Halbzeit übertroffen, mit 57,8 Millionen Euro. Beim Sponsoring erhalten die Münchner allein vom Hauptpartner Telekom durch zusätzliche Erfolgsprämien fast 30 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die Hälfte aller Sponsoreneinnahmen der Dortmunder.

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