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Protest in Iran : Das „blaue Mädchen“ ist tot

Keine Frauen erwünscht: Sahar Chodajari wollte nur Fußballspiele besuchen. Bild: AP

Der Protest gegen eine Gefängnisstrafe endet tödlich: Sahar Chodajari ist ihren Verbrennungen erlegen. Ihr Tod hat in Iran zu scharfem Protest gegen die Aussperrung von Frauen bei Fußballspielen geführt.

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          Sahar Chodajari, Anhängerin des Teheraner Fußballvereins Esteghlal, ist eine Woche, nach dem sie sich vor einem Gerichtsgebäude der iranischen Hauptstadt aus Protest gegen eine sechsmonatige Gefängnisstrafe angezündet hatte, ihren schweren Brandverletzungen erlegen. Ihr Tod hat in Iran zu scharfem Protest gegen die Aussperrung von Frauen bei Fußballspielen geführt.

          Sahar Chodajari war im März vor dem Teheraner Asadi-Stadion verhaftet worden, weil sie versucht hatte, bei einem Spiel von Esteghlal gegen den Klub Al Ain aus Abu Dhabi in der asiatischen Champions League am 12. März, ins Stadion zu gelangen. Nach Angaben ihrer Schwester gegenüber der iranischen Website rokna.net sei Sahar Chodarjari zunächst im berüchtigten Gefängnis von Qarchak festgehalten worden. Ihre Schwester habe an einer bipolaren Störung gelitten und sei seit zwei Jahren in Behandlung gewesen, im Gefängnis habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Zunächst sei Sahar Chodajari dann auf Kaution freigelassen worden. Vom Gericht wurde sie aber wegen Beamtenbeleidigung zu sechs Monaten Haft verurteilt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Aus Protest gegen die Verurteilung zündete sich die junge Frau an.

          Solidarität von Fußballgrößen

          In den sozialen Netzwerken hat der Tod unter dem Hashtag Dochtar Abi (Blaues Mädchen) zu tausendfachem Protest gegenüber den für das Stadionverbot verantwortlichen Polizei und der Justiz, dem nationalen Fußballverband und dem internationalen Verband Fifa geführt. Die Soziologin Parwaneh Salaschuri, die im iranischen Parlament dem Flügel der Reformer angehört, schrieb auf Twitter: „Sie war ein Mädchen Irans, wo Männer über Frauen entscheiden und ihnen die Grundrechte nehmen. Wir sind alle verantwortlich für die Inhaftierung und Verbrennung der Sahars in diesem Land.“ Esteghlal Teheran kondolierte der Familie Chodajaris. Der „traurige und tragische“ Tod habe im Verein und vor allem unter seinen Fans große Trauer verursacht. Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker schrieb: „Wie furchtbar traurig. Und wie furchtbar, dass eine Frau nicht ins Stadion darf.“

          Die schwedische Torfrau Hedvig Lindahl veröffentlichte auf Instagram ein Bild von einem gemeinsamen Essen der schwedischen Nationalmannschaft mit der iranischen Frauen-Fußballnationalmannschaft, das beim ersten Spiel der Iranerinnen in Europa aufgenommen worden war. Sie schrieb, sie teile das Bild „in liebevoller Erinnerung an das blaue Mädchen Sahar Chodajari, die ihre Lieblingsmannschaft spielen sehen wollte (…) Fifa, das ist nicht in Ordnung.“

          Die Fifa teilte auf Nachfrage mit, man bedauere die „Tragödie zutiefst“. Der Verband kondolierte der Familie und den Freunden Chodajaris und „wiederholte den Aufruf an die iranischen Behörden, Sicherheit und Freiheit aller Frauen zu schützen, die sich im legitimen Kampf für ein Ende des Stadionverbots engagieren“.

          Das iranische Sportministerium hatte im August angekündigt, das erste Heimspiel in der beginnenden Weltmeisterschaftsqualifikation für 2022 im Oktober gegen Kambodscha dürfe auch von Frauen besucht werden. Es gebe kein Stadionverbot, sagte der stellvertretende Sportminister Dschamschid Taghisadeh. Dato Windsor John, Generalsekretär des asiatischen Fußball-Verbandes AFC, dem Veranstalter der Champions League, sagte, die AFC arbeite mit der Fifa an einer „freundschaftlichen Lösung“: „Am Ende des Tages respektieren wir lokale Gesetze, aber wir wollen Fußball auch promoten.“ Vom Besuch der Spiele in der angelaufenen iranischen Fußball-Liga sind Frauen weiterhin ausgeschlossen.

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