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Champions-League-Finale : Darum hat Real noch gewonnen

Wie einst Mario Balotelli: Cristiano Ronaldo feiert den Titel auf seine Art Bild: AP

In der 93. Minute rettet der neue Torjäger Sergio Ramos sein Team gegen Atlético in die Verlängerung. Dennoch gewann Real verdient „La Décima“. Die Statistiken sind eindeutig. Das Finale in der FAZ.NET-Analyse.

          Erstmals seit 2002 holte Real Madrid wieder die Trophäe in der Champions League. Durch den 4:1-Sieg nach Verlängerung über Stadtrivale Atlético Madrid gewannen die „Königlichen“ die Trophäe zum zehnten Mal. Dabei führte der Außenseiter nach Diego Godins Tor bis in die Nachspielzeit. Doch Sergio Ramos erzwang mit seinem Treffer die Verlängerung. FAZ.NET analysiert das Endspiel mit Hilfe des Sportdaten-Anbieters Opta und erklärt, warum Real doch noch der verdiente Sieger wurde.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          In vielen relevanten Statistiken war Real Madrid überlegen: Der Sieger (20 Mal) schoss fast doppelt so oft wie Atlético (11) auf das gegnerische Tor – alleine Ronaldo zog neun Mal ab. Zudem stach die Passquote von Real (83,9 Prozent) ins Auge. Atlético kam nur auf 66,9 Prozent. Vor allem bei Kontern verloren sie den Ball zu schnell. Auch die Mehrzahl der Zweikämpfe (51,2 Prozent) gewann Real – und das gegen eine Atlético-Mannschaft, die von ihrer Physis lebt. 47 Flanken segelten in den Strafraum des Außenseiters. Die letzte der regulären Spielzeit führte zum 1:1 durch Ramos per Kopf. Es war nicht das einzige Kopfballduell, das Real gewann. Auch hier liegt der Sieger, der sich in Person von Gareth Bale auch beim 2:1 in der Luft durchsetzte, mit 53,1 Prozent gewonnener Duelle vorne.

          Wie viel Druck Real Madrid in der Schlussviertelstunde der regulären Spielzeit machte, zeigt die Ballverteilung (auswählbar über das Menüt rechts oben). Atlético war in der eigenen Hälfte eingeschnürt und sorgte kaum für Entlastung.

          Das 1:1 wurde zwar über die rechte Seite nach Ecke von Luka Modric eingeleitet, die Entscheidung fiel aber über Reals starke linke Seite mit Cristiano Ronaldo und Angel di Maria, die großen Anteil an den drei Treffern in der Verlängerung hatten.

          Die Entstehung der einzelnen Tore zeigt: Real gewinnt „La Decima“ mit links.

          Auch ein Champions-League-Finale entwickelt sich nicht immer wie auf dem Reißbrett. So hatten die beiden Trainer Carlo Ancelotti (Real) und Diego Simeone (Atlético) ihre Aufstellung geplant.

          In der realtaktischen Analyse wird deutlich, wo sich ihre Spieler tatsächlich während der gesamten Spielzeit aufhielten. Dort ist deutlich zu erkennen, dass Atlético sehr auf Kompaktheit bedacht war und kein Spieler sich zu weit vom Zentrum entfernte. Bei Real verrichtete Stürmer Karim Benzema (Nummer 9) außergewöhnlich viel Defensivarbeit. Auch Sami Khedira, der als vierter deutscher Spieler nach Rudi Völler (Marseille 1993), Bodo Illgner (Real Madrid 1998) und Dietmar Hamann (Liverpool 2005) mit einem ausländischen Verein die Königsklasse gewann, spielte deutlich defensiver.

          Mann des Abends war für die „Königlichen” Sergio Ramos. Mit seinem einzigen Torabschluss, der zum 1:1 in der 93. Minute führte, rettete er sein Team in die Verlängerung. Der Innenverteidiger ist nicht als Torjäger bekannt. In 41 Pflichtspielen für Real und Spanien blieb er torlos. In den letzten sieben Partien aber erzielte er plötzlich sechs Tore, darunter einen Doppelpack im Halbfinale der Champions League beim FC Bayern. In der „Heatmap“ ist sein Offensivdrang zu erkennen. Ramos hatte zudem 136 Ballkontakte (Bestwert) und eine starke Zweikampfquote von 64,3 Prozent.

          Mit dem Elfmetertor zum 4:1 krönte Cristiano Ronaldo eine überragende Saison. Er ist der erste Spieler, der für zwei verschiedene Vereine in einem Champions-League-Finale traf. Zuvor war er für Manchester United im Endspiel gegen Chelsea 2008 erfolgreich. Zugleich bedeutet sein 17. Tor im Wettbewerb die Einstellung eines Rekords. Nur Radamel Falcao traf in der Europa League 2010/2011 genauso häufig.

          Auf Atlético-Seite sollte Diego Costa der entscheidende Faktor werden – doch daraus wurde nichts. Unter der Woche hatte er sich wegen seiner Oberschenkel-Probleme zu einer Wunderheilerin begeben; in Lissabon hielt er gerade einmal neun Minuten durch und musste dann ausgewechselt werden. Nie zuvor musste ein Spieler in einem Endspiel so früh vom Platz. Robert Pires vom FC Arsenal wurde 2006 gegen Barcelona nach zwanzig Minuten vom Rasen genommen – allerdings aus taktischen Gründen. Torwart Jens Lehmann hatte Rot gesehen. Costas Daten von 2014 jedenfalls sagen alles aus – das war nichts.

          Es ging im Stadtduell zwischen Real und Atlético Madrid in Lissabon übrigens ordentlich zur Sache. Schiedsrichter Björn Kuipers zeigte zwölf Gelbe Karten – das ist nicht nur für ein Endspiel Rekord. In keiner anderen Partie der Champions-League-Geschichte gab es mehr Verwarnungen.

          Hier finden Sie übersichtlich nochmal alle Daten zu jedem Spieler aus dem Finale.

          Wenn man „La Decima“ gewinnt, kann man sich schon einmal entblößen: Ronaldo Bilderstrecke

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