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Trainer Kasper Hjulmand : Der Kredit in Dänemark ist groß

  • -Aktualisiert am

Fünf Spiele, 15 Punkte: Für Torwart Kasper Schmeichel (links) und Trainer Kasper Hjulmand läuft es. Bild: Imago

Erst der Schreck um Christian Eriksen, dann der Einzug ins EM-Halbfinale: Nun meistert Trainer Kasper Hjulmand auch den Übergang in den Alltag – mit Menschlichkeit, Arbeitsteilung und guter Laune.

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          Vor zwei Wochen ging es bei einer Regierungskonferenz im dänischen Fredericia um das Thema Fachkräftemangel. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nahm teil – und lauschte neben Politikerinnen und Managern, wie ein Gast das Fehlen der Arbeitskräfte im kleinen Königreich beurteilte: Als Kasper Hjulmand das Podium betrat, brandete Applaus auf. Der 51 Jahre alte Trainer der Fußball-Nationalmannschaft ist seit den Ereignissen vom Sommer einer der prominentesten Dänen.

          Fußball-Länderspiele

          In Fredericia breitete er die Gründe des unerwarteten Erfolgs seines Teams bei der Europameisterschaft aus – Menschlichkeit, Arbeitsteilung und gute Laune sind zentrale Bestandteile. Gespannt schaut man in Dänemark auf die „lands-hold“: Wie gelingt der Übergang in den Alltag? Die Ausnahmesituation der EM mit dem Schrecken um Christian Eriksen und dem faszinierenden Erreichen des Halbfinals ist in der schnellen Schlagzahl des Fußballs schon Geschichte.

          Nach zuvor drei Siegen in der WM-Qualifikationsgruppe F machen Hjulmands Dänen da weiter, wo sie in London aufgehört haben. Am Mittwoch reichten die frühen Tore von Daniel Wass und Joakim Mæhle zum 2:0-Sieg über Schottland. Am Samstagabend wurde es kniffliger, was angesichts des Gegners überraschte: auf den Færøer ist das Spiel gegen Dänemark grundsätzlich eine große Sache, gehören die Schafsinseln mit ihren knapp 50.000 Einwohnern doch politisch zu Dänemark.

          „Darüber sollten wir uns freuen“

          4620 Zuschauer saßen im Nationalstadion Torsvøllur – und freuten sich, dass den Dänen trotz 80 Prozent Ballbesitz wenig einfiel. „Ich bin um zehn Jahre gealtert“, sagte Hjulmand. Nur die Hälfte der gegnerischen Mannschaft bestand aus Profis. Wenigstens war Jonas Wind vom FC Kopenhagen in der 84. Minute der 1:0-Siegtreffer per Kopf gelungen. Dänemark wendete die Blamage ab und steht nun mit 15 Punkten und 17:0 Toren aus fünf Spielen glänzend da. An diesem Dienstag (20.45 Uhr bei DAZN) in Kopenhagen gegen Israel könnte Hjulmands Elf mit einem Sieg den entscheidenden Schritt zur WM Ende kommenden Jahres in Qatar machen.

          Angesichts dieser Ausbeute hielt sich die Kritik in Grenzen. „Es war auf keinen Fall schön“, sagte Torwart Kasper Schmeichel, „aber wir haben ein Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation gewonnen, und darüber sollten wir uns freuen.“ Für den rumpeligen Auftritt in Torshavn gab es Gründe. Im Vergleich zum Schottland-Spiel hatte Hjulmand die Mannschaft auf neun Positionen verändert. Zwei Debütanten traten auf. Die Stammspieler Thomas Delaney und Simon Kjær spielten keine Sekunde.

          Zufrieden konnte Hjulmand mit dem zweiten Anzug gleichwohl nicht sein. Nach der Pause brachte er Mikkel Damsgård, Yussuf Poulsen und Joakim Mæhle, ohne dass es sehr viel besser wurde. Auf dem ungewohnten Kunstrasen entwickelte sich eine sehr zähe Partie. „Sie spielen das Spiel ihres Lebens, und wir sind nie richtig ins Tempo gekommen“, sagte Hjulmand. Tatsächlich erinnerte das Ganze an den mühevollen Sieg der Deutschen in St. Gallen gegen Liechtenstein.

          Nur ist das Verhältnis des dänischen Publikums zu ihrer Nationalelf ein anderes als das der deutschen Fans. Der Kredit ist nach der EM groß. Allerdings wird das Erwartungsmanagement zu einer der kompliziertesten Aufgaben Hjulmands. Er arbeitet daran, der Öffentlichkeit nahezubringen, dass seine Mannschaft nicht bei jedem Turnier ins Halbfinale vorstoßen wird.

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          Zu dieser unbequemen Wahrheit gehört auch, dass er nicht mit Christian Eriksen planen kann. „Wir stehen in engem Kontakt“, sagte Hjulmand, „er bestimmt das Tempo, in dem es weitergeht.“ Zuletzt hatte es geheißen, Eriksen werde von Ajax Amsterdam unter Vertrag genommen, nachdem er bei Inter Mailand nicht mehr auftreten wird, weil die italienische Liga Profis mit Defibrillator das Spielen untersagt. Bis auf Weiteres muss Hjulmand ohne seinen besten Spieler auskommen – trotzdem gehen die Dänen ihren beeindruckenden Weg weiter.

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