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Steueraffäre in Spanien : Nach Ronaldo nun auch Mourinho

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Auch Trainer José Mourinho droht eine Strafe. Bild: EPA

Cristiano Ronaldo drohen sieben Jahre Haft in der Steueraffäre. Nun gerät auch Trainer José Mourinho ins Visier der Ermittler. Der Vorwurf ist der gleiche wie beim Superstar von Real Madrid.

          Weltfußballer Cristiano Ronaldo muss höchstpersönlich vor einem Richter erscheinen, und auch Starcoach José Mourinho ist ins Visier der spanischen Steuerermittler gerückt. Die für Wirtschaftsdelikte zuständige Staatsanwaltschaft in Madrid erstattete wenige Tage nach dem prominenten Fall Ronaldo am Dienstag auch Anzeige wegen Steuerhinterziehung gegen den 54 Jahre alten Portugiesen, der derzeit den britischen Rekordmeister Manchester United trainiert. Dabei gehe es um die Zeit, als Mourinho Real Madrid trainierte (2010-2013), teilte die Behörde mit. Zwischen 2011 und 2012 soll er demnach insgesamt 3,3 Millionen Euro an Steuergeldern hinterzogen haben.

          Speziell gehe es – ähnlich wie bei Ronaldo – um Einnahmen aus Bildrechten. Über Briefkastenfirmen in Irland und auf den Jungferninseln habe Mourinho die Gelder am Fiskus vorbeigeschleust, so der Vorwurf: „All diese Unternehmensstrukturen wurden vom Angeklagten mit dem Ziel benutzt, die Einnahmen aus seinen Bildrechten zu verschleiern“, heißt es in der Mitteilung. Mourinho äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Der Coach hat den gleichen Berater wie Ronaldo: Jorge Mendes. Mourinho hatte von 2008 bis 2010 Inter Mailand trainiert und mit dem Verein das große europäische Triple gewonnen. Nach seiner Zeit bei Rekordmeister Real Madrid wechselte er in die Premier League, wo er zunächst den FC Chelsea coachte. Seit vergangenem Jahr ist der Portugiese Trainer bei Manchester United.

          Ronaldo soll trotz seiner Steueraffäre und seiner mutmaßlichen Wechselabsichten auch in der kommenden Saison für den Champions-League-Sieger Real Madrid spielen. Das stellte Real-Präsident Florentino Perez in mehreren Interviews in Spanien klar. „Ronaldo ist Spieler von Real Madrid und wird das bleiben“, sagte er der spanischen Sportzeitung „Marca“ (Dienstag). Allerdings ist die Rückendeckung und Unterstützung für den Weltfußballer des Jahres längst nicht so groß, wie Ronaldo und sein Management dies Medienberichten zufolge immer wieder verlangen.

          Gegen den 32 Jahre alten Stürmerstar, der zurzeit mit der Nationalmannschaft Portugals am Confed Cup in Russland teilnimmt, wird in Spanien wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Nach einer Anzeige der Staatsanwaltschaft soll Ronaldo zwischen 2011 und 2014 gut 14,7 Millionen Euro hinterzogen haben.

          Er selbst und sein Management weisen die Vorwürfe zurück. Am Freitag erschienen in der „Marca“ und vor allem in der portugiesischen Sportzeitung „A Bola“ zudem Berichte, nach denen Ronaldo seine Wahlheimat Spanien und seinen Verein Real Madrid wegen der Ermittlungen verlassen wolle. Seitdem gibt es täglich Spekulationen über seinen Wechsel zu Paris St. Germain, Manchester United oder einem anderen finanzstarken Klub. Der FC Bayern München hat ein mögliches Interesse an dem teuersten Spieler der Welt bereits offiziell dementiert und „in das Reich der Fabel“ verwiesen.

          Zu den Steuervorwürfen gegen Ronaldo sagte Perez: „Ich muss ihn verteidigen, was auch immer es kostet: als Spieler und auch als Mensch.“ Jeder müsse „seine Steuer-Verpflichtungen erfüllen. Ich habe keine Zweifel, dass Cristiano in der Lage ist, sich zu verteidigen.“ Nach seinen Informationen hätten Ronaldo und sein Management in Spanien „die gleichen finanziellen Maßnahmen getroffen wie zu seiner Zeit in England. Und dort hatte er nie Probleme.“

          Wohin führt der Weg des Cristiano Ronaldo?

          Auffällig an den Interviews des Real-Präsidenten ist jedoch, dass dort von einer massiven Rückendeckung für Ronaldo nicht die Rede ist. „Marca“ selbst hatte nach dem Aufkommen der Wechselgerüchte noch geschrieben, dass Real Madrid alles unternehme, um Ronaldo „zu beruhigen“. Perez sagte dazu bloß: „In den nächsten Tagen werde ich mit ihm reden.“ Laut den Medienberichten der vergangenen Woche ist genau das Gefühl, von Real nicht ausreichend unterstützt zu werden, einer der Gründe, warum Ronaldo den Verein angeblich verlassen will.

          Auch gegenüber dem spanischen Radiosender „Onda Cero“ erklärte Perez geradezu lapidar: „Offensichtlich ist etwas passiert, was ihn gestört und seine Glaubwürdigkeit verletzt hat. Ich bin sicher, er wird uns das erzählen, und dann werden wir sehen.“ Aktuell jedoch befinde sich Ronaldo „in einem wichtigen Turnier, dem Confederations Cup“, sagte der Bauunternehmer. „Das ist noch nicht beendet, und ich möchte das portugiesische Team nicht stören“. In seinem zweiten Gruppenspiel trifft der Europameister mit seinem Kapitän Ronaldo am Mittwoch auf Gastgeber Russland.

          Ronaldo muss Medienberichten zufolge am 31. Juli vor einem Richter in Madrid zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Der Torjäger von Rekordmeister Real Madrid soll laut einer Anzeige der für Wirtschaftsdelikte zuständigen Staatsanwaltschaft zwischen 2011 und 2014 gut 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Selbst wenn der Portugiese mit seinem Nationalteam beim Confederations Cup in Russland das Finale erreichen sollte, das am 2. Juli ausgetragen wird, habe er somit noch mehr als vier Wochen Zeit zur Vorbereitung auf seine Aussage, berichtete die spanische Zeitung „El Confidencial“ am Dienstag.

          Sollte der Ermittlungsrichter nach der Anhörung die Eröffnung eines Strafverfahrens anordnen, droht dem 32-Jährigen eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren sowie eine Geldstrafe von 28 Millionen Euro. Über das Lissaboner Unternehmen Gestifute seines Managers Jorge Mendes hatte Ronaldo die Vorwürfe dementieren lassen. In der vergangenen Woche hatte die portugiesische Fachzeitung „A Bola“ berichtet, Ronaldo wolle seine spanische Wahlheimat aufgrund der drohenden Schwierigkeiten mit der Justiz verlassen.

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