https://www.faz.net/-gtl-8fga5

2:1 in Barcelona : Ronaldo entscheidet den Clásico

Ein Mann, ein Tor: Cristiano Ronaldo entscheidet den Clásico. Bild: Reuters

100.000 Fans in Barcelona applaudieren für Johan Cruyff und sehen erst einen mäßigen Clásico. Später wird es doch noch turbulent. Und der Star von Real Madrid hat seinen großen Auftritt.

          3 Min.

          Frankreichs Fußball-Nationaltrainer Didier Deschamps dürfte am Samstag vor dem Fernseher etwas wehmütig gewesen sein. Erst entschied Franck Ribéry das Spiel seiner Bayern in der Bundesliga gegen Frankfurt mit einem akrobatischen Seitfallzieher. Ein paar Stunden später traf Landsmann Karim Benzema auf nicht minder spektakuläre Weise für Real Madrid im Clásico beim FC Barcelona. Nach Stand der Dinge werden aber beide nicht in Deschamps' Kader für die Europameisterschaft in diesem Sommer im eigenen Land stehen.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ribéry trat schon im August 2014 nach der wegen einer Verletzung verpassten WM in Brasilien aus der Equipe tricolore zurück. Benzemas EM-Teilnahme ist unsicher. Nach der Verwicklung in eine Erpressungsaffäre gegen seinen Kollegen Mathieu Valbuena wollen viele in Frankreich, vor allem in der Politik, den derzeit besten Stürmer des Landes nicht mehr im Nationaltrikot sehen. Eine Entscheidung soll im April fallen. Wie wertvoll Benzema ist, zeigte er am Samstag im Clásico. Sein Ausgleich zum 1:1 leitete die Wende für Real in Barcelona ein, bevor Cristiano Ronaldo den 2:1-Auswärtssieg für die „Königlichen“ perfekt machte.

          Zu mehr als Platz zwei in der spanischen Liga wird es für Benzema und Real aber wohl trotzdem nicht reichen. Sieben Spieltage vor Saisonende liegen immer noch sieben Punkte zwischen den beiden Mannschaften. Auf Rang zwei steht zudem Reals Stadtkontrahent Atlético. Das Team von Diego Simeone kam am Samstag zu einem mühelosen 5:1-Sieg über Betis Sevilla mit dem früheren deutschen Nationalspieler Heiko Westermann. Atlético trennen aber auch noch sechs Punkte von Barca.

          Atléticos Sieg war die Ouvertüre für den Clásico in Barcelona, der die Erwartungen über weite Strecken allerdings nicht vollends erfüllte. Zwar gingen die Erzrivalen zu Beginn wie gewohnt hart zur Sache und schenkten sich in fairen, aber auch einigen unfairen Duellen nichts. Doch nach einigen Gelben Karten beruhigte sich die Partie wieder – zumindest bis zur 83. Minute, als Madrid-Kapitän Sergio Ramos nach einer Grätsche von hinten die Gelb-Rote Karte bekam. Und Ronaldo wenig später zum Unmut der heimischen Barca-Fans den Siegtreffer erzielte.

          Ungewohnte Eintracht herrschte nach vierzehn Minuten. Die knapp 100.000 Fans im Camp Nou erhoben sich von ihren Plätzen und applaudieren zu Ehren des verstorbenen Johan Cruyff. Die niederländische Fußball-Legende hatte wie kein anderer den FC Barcelona geprägt. Auch Real-Präsident Florentino Perez hatte Cruyff die letzte Ehre erwiesen, als er am vergangenen Wochenende bereits nach Barcelona reiste und Abschied nahm. „„Es ist sehr traurig. Cruyff war eine jener Personen, die uns eigentlich niemals verlassen dürften“, sagte Perez.

          Vor der Partie hatten die Fans eine Choreografie zu Ehren des verstorbenen Johan Cruyff vorbereitet. Bilderstrecke

          Real wollte unbedingt Revanche nehmen für die derbe 0:4-Niederlage gegen Barcelona im Hinspiel. Damals saß Zinedine Zidane noch nicht als Chef auf der Bank, nun setzte er in seinem ersten Clásico unter anderem auf Weltmeister Toni Kroos im defensiven Mittelfeld. Die besten Chancen hatten zunächst die Hausherren. Luis Suarez traf den Ball nicht, ein möglicher Strafstoß nach Foul an Lionel Messi wurde nicht gegeben. Ronaldos Freistoß auf der anderen Seite flog über das Tor, Benzemas Volleyschuss verpasste sein Ziel ebenfalls.

          Das 1:0 für Barcelona fiel dann auf ganz untypische Weise. Nach einer Ecke des früheren Schalkers Ivan Rakitic traf Gerard Pique wuchtig mit einem Kopfball, nachdem er Gegenspieler Pepe entwischt war (56. Minute). Solche Varianten gehören nicht unbedingt zum beliebten Repertoire der Ballkünstler Barcas. Doch nur sechs Minuten später war alles wieder ausgeglichen. Kroos' flache Hereingabe von rechts wurde so abgefälscht, dass Benzema zum Fallrückzieher ansetzen konnte – und unhaltbar traf (62.).

          Madrid wurde gegen Ende noch einmal stärker. Gareth Bale wuchtete einen Kopfball ins Tor, doch der Schiedsrichter hatte ein Foul erkannt – eine zu harte Entscheidung. Als dann Reals Ramos vom Platz flog, schien sich das Pendel wieder Richtung Barcelona auszuschlagen. Doch Ronaldos großer Auftritt sollte noch folgen. Eine Flanke nahm er technisch perfekt mit der Brust an und traf mit rechts aus spitzem Winkel durch die Beine von Torwart Claudio Bravo zum Sieg (85.). Es war bereits sein 16. Clásico-Tor, das wenig später die erste Heimniederlage für Barcelona seit mehr als einem Jahr bedeutet. Insgesamt hatten die Katalanen zuletzt stolze 39 Partien in Folge nicht verloren.

          Lange aufhalten mit ihrem Duell können sich die Erzrivalen allerdings nicht. Real Madrid tritt am Mittwoch zum Hinspiel im Viertelfinale der Champions League beim VfL Wolfsburg an (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Ticker bei FAZ.NET), der am Freitag in der Bundesliga 0:3 in Leverkusen verlor. Auch Barcelona ist in der Königsklasse vertreten. Bereits am Dienstag (20.45 Uhr) müssen die Katalanen vorlegen – dann im spanischen Duell mit Atlético Madrid. Messi und Co. dürften nach der Pleite gegen Real allerdings leicht angeschlagen in das unangenehme Duell gehen.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Weitere Themen

          Harlem Globetrotters zeigen online, wie es geht Video-Seite öffnen

          Basketball-Tricks : Harlem Globetrotters zeigen online, wie es geht

          Die Ballakrobaten aus den Vereinigten Staaten mussten ihre Welttournee wegen der Coronakrise beenden. Trainer Handles Franklin macht von zu Hause aus weiter und zeigt jungen Menschen, wie ihre Tricks funktionieren.

          Topmeldungen

          Anthony Fauci bei einer Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump

          Corona-Berater des Präsidenten : Fauci bekommt Personenschutz

          Anthony Fauci ist für viele Amerikaner das Gesicht der Corona-Krisenbewältigung. Einigen Rechten ist er verdächtig. Sie sehen in ihm einen Vertreter des „tiefen Staats“, der Donald Trump schaden wolle – und sie bedrohen ihn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.