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Fußballstar in Saudi-Arabien : Die Scheich-Marionette Cristiano Ronaldo

  • -Aktualisiert am

Soll künftig in Saudi-Arabien spielen: Cristiano Ronaldo Bild: AP

Mit seinem Wechsel nach Saudi-Arabien hat Cristiano Ronaldo auch Anstand, Würde und Respekt in Zahlung gegeben. Einer der einst besten Spieler der Welt ist nur noch ein Fußball-Influencer. Eine Glosse.

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          Beckenbauer und Pelé haben ihre Rentenkasse einst in New York aufgebessert. Beide konnten die Dollar gebrauchen, die der Fußballklub Cosmos den gealterten Superstars für ein bisschen Glanz in seiner Hütte überwies. Gerd Müller schoss in Florida seine letzten Tore. Auch er hatte das Geld nötig, und was sprach schon gegen ein bisschen Sunshine State im fortgeschrittenen Alter. War ihnen allen gegönnt.

          Jetzt Cristiano Ronaldo. CR7. Fünfmal Weltfußballer. 819 Tore in 1144 Partien. Einer der besten Spieler, die jemals gegen den Ball traten. Aber auch der größte Gockel des modernen Fußballs. Ein Protz der Muskeln und des billigen Reichtums. Ein Spieler, dessen Fitness, Sprungkraft und Treffsicherheit man bis heute bestaunen muss.

          Ronaldo und der Sechser im Fußball-Lotto

          Diesen CR7 hat nun kein großer Verein mehr haben wollen, weil seine Leistungen mit 37 Jahren nicht mehr genügen und Aufplustern nicht mehr reicht. Die Jungen sind längst besser, auch wenn der alte Mann noch immer glaubt, der Größte zu sein, der Schönste, der Schnellste. Alles Vergangenheit. Doch wo soll der Pfau nun seine Räder schlagen? Cosmos New York, dieses Fußball-Rentnerparadies, gibt es nicht mehr. Aber es hätte sich sicher was gefunden für CR7 in der Major League Soccer, beim Kollegen Beckham vielleicht, dem einst ähnlich schillernden Fußball-Beau aus dem Vereinigten Königreich, der jetzt Inter Miami als Investor anführt.

          CR7 aber geht nach Saudi-Arabien. Zum Erstligaklub Al-Nassr. Finanziell hat er damit das große Los gezogen, den Sechser mit Zusatzzahlung im Fußball-Lotto. Glückwunsch, kann man da nur sagen. Moralisch aber ist das eine Bankrotterklärung. CR7 kassiert 400 Millionen Dollar für zweieinhalb Jahre, wie es heißt, plus 100 Millionen auf die Hand. Danach winkt ein Botschaftervertrag für die Saudis.

          CR7 wird dann zum Influencer, der helfen soll, die Welt davon zu überzeugen, dass die Saudis, dieser sympathische kleine Staat am Golf, der im vergangenen Jahr an einem einzigen Tag 81 Menschen hinrichten ließ und in jedem weltweiten Demokratieindex auf einem Platz ganz hinten liegt, genau der richtige Ort ist, um dort die Fußball-WM 2030 auszutragen. CR7 als Glanzspüler in einem groß angelegten Sportswashing.

          Nun werden Sie vielleicht sagen, CR7 als Scheich-Marionette, das ist nicht wirklich schön, aber man darf das nicht aufrechnen gegen CR7s fußballerische Leistungen. Ich bin da anderer Meinung. CR7, wie alle Profifußballer per se schon immer ein Kaufobjekt, hat sich nun ein für alle Mal selbst verkauft. Für viele Hundert Millionen Dollar. Was von ihm in Erinnerung bleiben wird, ist eine Menge Geld und ein einst großer Spieler. Den Rest – Anstand, Würde, Respekt – hat er beim Scheich in Zahlung gegeben.

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