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Studie in der Pandemie : Corona hat gravierende Folgen für den Frauenfußball

Der Frauenfußball leidet enorm unter den Folgen der Corona-Krise. Bild: Picture-Alliance

Eine Studie zeigt, wie schlimm die Pandemie den Frauenfußball trifft. Gekürztes Gehalt, keine Unterkunft, keine gesundheitliche Betreuung: Die Probleme sind vielfältig. Ausdrücklich positiv hebt die Untersuchung vier Beispiele hervor.

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          Die Corona-Pandemie hat gravierende wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen auf den Frauenfußball. Das zeigt die zweite Untersuchung der Spielerinnengewerkschaft Fifpro in diesem Jahr. Demnach mussten Fußballspielerinnen in nahezu der Hälfte der untersuchten 62 Länder auf sechs Kontinenten teilweise oder ganz auf Lohn verzichten, in mehr als einem Viertel der Länder wurden nicht-monetäre Vergütungen wie Essen, Unterbringung und Krankenversicherung gekürzt oder gestrichen.

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          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Grundlage der Untersuchung ist die Beteiligung von 62 Spielerinnengewerkschaften, die Mitglied der Fifpro sind, damit sind 95 Prozent der Mitgliedsgewerkschaften abgedeckt. Nach eigenen Angaben vertritt die Fifpro zwischen 3000 und 4000 Spielerinnen weltweit. Die deutsche Vereinigung der Vertragsfußballspieler ist nicht Mitglied der Fifpro, die Lage der deutschen Fußballspielerinnen in der Corona-Krise ist damit nicht untersucht.

          „Die Ergebnisse zeigen das Ausmaß, in welchem Spielerinnen in weiten Teilen der Welt regelmäßig übersehen werden“, zitiert die Fifpro ihren Generalsekretär Jonas Baer-Hoffmann. „Wir brauchen konzertierte Anstrengungen, ansonsten besteht die reale Gefahr, dass der Fortschritt, was die Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, in Teilen der Fußballwelt um Jahre zurück geworfen wird.“

          40 Prozent der zwischen Juli und Oktober befragten Spielerinnengewerkschaften gaben an, dass ihre Mitgliederinnen keinerlei gesundheitliche Versorgung bekommen haben, in zwei Drittel der Länder habe es keine Behandlung von Verletzungen gegeben und 84 Prozent gaben an, es habe während der Pandemie keinerlei Unterstützung hinsichtlich der psychischen Gesundheit gegeben.

          Ausdrücklich positiv hebt die Studie vier Beispiele aus Europa sowie Nord- und Südamerika hervor: so habe politischer Druck der Spielerinnen auf die Regierung in den Niederlanden dazu geführt, dass die Frauenliga gemeinsam mit der Eredivisie der Männer den Spielbetrieb aufnehmen konnte. Positiv hervor gehoben werden auch die Verhandlungen der Spielerinnenvereinigung der nordamerikanischen Profiliga NWSL mit der Liga zu den Umständen des Corona-Turniers im Sommer. So haben die Spielerinnen erfolgreich Garantien bezüglich der Gehälter, der pandemiesicheren Unterbringung auch von Spielerinnen mit Kindern und Lebenspartnern und Versicherungsschutz für das gesamte laufende Kalenderjahr erstritten.

          Die Fifpro ruft Verbände und Gewerkschaften auf, bei der Restrukturierung die Spielerinnen einzubeziehen. „Spielerinnen müssen angehört werden und eine aktive Rolle bekommen, wenn es um unmittelbare Abhilfe und die Entwicklung von belastbaren Strategien geht, aber auch bei der Entwicklung von langfristigen Wiederaufbauplänen“, heißt es in der Studie.

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