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Jeder dritte hat Corona : Warum in Valencia so viele Profis infiziert sind

  • -Aktualisiert am

Vom Coronavirus gezeichnet: Valencia in Spanien kämpft wie viele weitere Städte gegen die Pandemie. Bild: AFP

Insbesondere den FC Valencia trifft das Virus mit Wucht. Der Grund für diese hohen Patientenzahlen ist bekannt. Und plötzlich streitet sich die spanische Fußball-Liga mit dem Verband.

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          Nur kurz dauerte die Pause im Machtkampf im spanischen Fußball zwischen der Liga und dem Verband. „Die Gesundheit der Spieler steht im Vordergrund“, predigt der Verbandsvorsitzende, Luis Rubiales, seit Tagen. „Wir können die Saison bis zum 30. Juni beenden“, sagt hingegen Ligachef Javier Tebas und spricht auch von einer Fortführung der Champions League – obwohl die Öffentlichkeit von immer mehr mit dem Coronavirus infizierten Profisportlern erfährt.

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          35 Prozent des Kaders seien infiziert, meldet der FC Valencia. Der Klub war Mitte Februar zum Achtelfinale der Champions League gegen Atalanta Bergamo nach Mailand gereist, verlor dort 1:4, am 10. März kamen die Italiener nach Valencia (1:4). Da sich ein spanischer Journalist in Italien angesteckt hatte, fand das Rückspiel ohne Zuschauer und Berichterstatter statt. Doch schon vor dieser Begegnung hatte Valencia bei Deportivo Alavés in Vitoria gespielt, einem der ersten Corona-Hotspots in Spanien. Auch dort sind inzwischen drei Profis positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Klub gehört dem Basketballverein Saski Baskonia. Von dort sind zwölf weitere Infizierte bekannt, Spieler wie Betreuer.

          Eine Angelegenheit der Ärzte?

          Dennoch hofft Ligachef Tebas, den Spielbetrieb möglichst bald wiederaufnehmen zu können. Eine Entscheidung solle möglichst noch kommende Woche fallen, er sei zuversichtlich, dass sowohl die nationalen als auch die europäischen Wettbewerbe zu Ende gespielt werden könnten, wiederholt er dieser Tage unbeirrt immer wieder. Die Gesundheit der Spieler sei eine Angelegenheit der Ärzte, er müsse sich um die wirtschaftlichen Probleme kümmern, erklärt Tebas dabei zu gesundheitlichen Risiken. Die beiden spanischen Profiligen hätten Übertragungsvereinbarungen mit mehr als 100 Sendeanstalten in der ganzen Welt. Bei einem vorzeitigen Saisonende und ohne TV-Signal würden den Klubs Einnahmen von fast 700 Millionen Euro entgehen. Tebas ignoriert scheinbar völlig die Umstände, unter denen derzeit die Menschen in Spanien leben. In den vergangenen drei Tagen hat sich die Zahl der positiv getesteten Menschen dort von unter 10.000 auf knapp 20.000 verdoppelt, knapp 1000 sind gestorben, und die Experten warnen eindringlich, das Schlimmste sei noch längst nicht erreicht.

          Auch Rubiales hat dem Ligachef Realitätsferne vorgeworfen. Tebas hatte für die Primera División sichergestellt, dass alle Spieler auf das Virus getestet werden können – obwohl in Spanien die Tests knapp sind und selbst Menschen mit klaren Symptomen keine Proben entnommen werden können. Mehrere Klubs haben sich der Aufforderung, ihre Spieler zu testen, verweigert und Tebas’ Geschenk dem öffentlichen Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt. „Manche Patienten kämpfen um ihr Leben und brauchen die Tests. Das ist eine antipatriotische Maßnahme“, schimpfte Rubiales über die Initiative der Liga.

          Der FC Valencia beim Spiel in Bergamo: 35 Prozent dieser Mannschaft haben sich mit dem Coronavirus infiziert.

          Schon vorher war es zu Streitigkeiten zwischen Verband und Liga gekommen. Tebas wollte zunächst in leeren Stadien weiterspielen lassen, während Rubiales, selbst ehemaliger Profi und Sprecher der Spielergewerkschaft, schon früh die Suspendierung des Ligabetriebs gefordert hatte. Er sorgt sich zudem darum, wie es mit den übrigen Spielklassen weitergehen könnte. „Im Armenhaus ist das Leid immer größer“, zitierte er ein spanisches Sprichwort.

          Ausgerechnet bei Real Madrid hat sich die Corona-Krise unterdessen zugespitzt. Anfang des Monats mussten die Basketballprofis des Vereins zum Teil gegen ihren erklärten Willen zu einer Begegnung der Euroleague nach Mailand reisen. Trey Thompkins, der Spieler, der die Bedrohung durch das Virus besonders ernst genommen hatte und außerhalb des Spielfelds nur mit Mundschutz und Handschuhen zu sehen war, infizierte sich. Vor der Reise fragte er noch: „Warum können wir nicht auf einem neutralen Feld spielen? Dieses Virus ist so ernsthaft, lasst es uns auch so behandeln.“ Das war am 1.März. Drei Wochen später muss nun in Spanien mit einer Geld- oder gar Gefängnisstrafe rechnen, wer sich auch nur zum Joggen auf die Straße traut.

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