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Fußball in der Corona-Krise : Wird der Europapokal zum Solidarfall?

Wohin damit? Uefa-Chef Ceferin und der Champions-League-Pokal Bild: firo Sportphoto

In Italien rückt der Abbruch näher, und in Fußball-Europa wächst die Unsicherheit: Wie geht es weiter mit den Ligen, Länderspielen und der Champions League? Die Uefa hat einen Plan – mit Lücken.

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          Ein Blick nach Fußball-Europa: In Italien war die Spielergewerkschaft an diesem Montag eigentlich mit den Verantwortlichen der Klubs der Serie A verabredet gewesen, um über den weiteren Saisonverlauf und Gehaltskürzungen zu sprechen. Doch nachdem sich die Gruppen untereinander abgestimmt hatten, wurde im Angesicht der existentiellen Krise, in der sich das Land befindet, sowie der ernüchternden Tatsache, dass in der Serie A noch zwölf Spieltage mit insgesamt 120 Spielen auf dem Programm stehen, das Treffen abgesagt. Es wurde auch kein neuer Termin vereinbart. Zu trostlos ist die Lage. Seitdem ist im italienischen Fußball sagbar, was ansonsten in Europas Profifußball noch unsagbar ist: dass man sich dem Problem eines Saisonabbruchs unter Berücksichtigung der sportlichen Ergebnisse und Verträge stellen müsse, wie es der Präsident der italienischen Spielergewerkschaft formulierte. Auch einige Klubbesitzer schauen dieser Tatsache ebenso klar ins Auge.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Blick der Europäischen Fußball-Union (Uefa) richtet sich in diesen Tagen nicht zuletzt auf Länder wie Italien und Spanien, die von der Pandemie besonders schlimm betroffen sind und deren Ligabetrieb mehr als nur auf der Kippe steht. Denn die Frage, wann der Ball wieder in den Uefa-Wettbewerben durch Europa rollt und wie die Champions und Europa League in dieser Saison vielleicht doch noch zu einem Ende gebracht werden können, hängt immer auch am Zustand der nationalen Ligen.

          Wenn die Serie A oder die spanische La Liga, in der noch elf Spieltage zu spielen sind, in die Knie gingen, hätte dies auch Auswirkungen auf den europäischen Fußball. Die nationalen Ligen sichern die Basisfinanzierung der Profiklubs. Dieser Tatsache hatte die Uefa schon im vergangenen Monat Rechnung getragen, als sie die Europameisterschaft um ein Jahr verschob, um den Ligen die dringend benötigte Zeit bis Ende Juni zu verschaffen, um ihre Spielzeiten vielleicht doch noch zu einem Ende zu bringen.

          Champions League und Europa League

          Ganz in diesem Sinne hat die Uefa auch am Mittwoch auf einer Videokonferenz mit den Generalsekretären ihrer 55 Mitgliedsverbände ihre nächsten Schritte abgestimmt. Die letzten Runden der Champions League und der Europa League sollen zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt fortgesetzt werden. Vermutlich erst im Hochsommer, also nach dem möglichen Ende der Ligabetriebe zum 30. Juni. Allerdings enden zu diesem Termin zahlreiche Profiverträge, wofür wiederum eine Lösung auch mit dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) gefunden werden müsste. Die für Anfang Juni ursprünglich mit Blick auf die EM geplanten Länderspieltermine wurde zudem wie erwartet in den Herbst verlegt.

          In der Champions League stehen noch vier Achtelfinal-Rückspiele an, unter anderem für den FC Bayern gegen Chelsea. Im Achtelfinale der Europa League, in dem Leverkusen, Frankfurt und Wolfsburg vertreten sind, müssten noch alle Rückspiele ausgetragen werden. Die Endspiele in Istanbul und Danzig hatte der Verband wie überhaupt die Fortsetzung seiner beiden Wettbewerbe schon im Vormonat auf unbestimmte Zeit verschoben.

          „Wir wissen noch nicht, wie eine weitere Entwicklung in England, Spanien, Frankreich, Italien aussehen wird. Da ist schon große Verunsicherung da. Die Uefa hat eine extrem schwierige Aufgabe“, sagt Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). „Die gesundheitliche Situation ist in den verschiedenen Ländern natürlich unterschiedlich. Deswegen kann der Status einzelner Länder unterschiedlich sein. Wir haben in Deutschland den Vorteil, dass wir eine bessere finanzielle Substanz haben, verglichen mit anderen Ligen in Europa. Aber natürlich haben wir die gleichen Fragen wie die anderen Ligen: Wer steigt auf und ab? Und wer kommt ins internationale Geschäft?“

          Als sicher gilt, dass im Fall von Saisonabbrüchen genau diese Regelungen gefunden werden müssen, damit in der kommenden Europapokalsaison, wann immer sie auch beginnen kann, alle teilnahmeberechtigten Nationen ihre Teams auch entsenden können. „Wir müssen wohl in der kommenden Saison eine gewisse Flexibilität an den Tag legen“, sagt Seifert, der sich im engen Austausch mit den Führungen der anderen europäischen Topligen befindet. „Da wird es in der nächsten Saison auch das eine oder andere Murren geben, aber da müssen wir eine gewisse Flexibilität an den Tag legen. Ob das dazu führt, dass man vielleicht das System etwas entschlackt, kann ich jetzt noch nicht sagen“, sagte Seifert am Dienstag auf der DFL-Pressekonferenz. „Erst die Saison 2021/22 wird wohl wieder den geregelten Spielplan haben.“

          Seifert sieht die Bundesliga in der Krise allerdings besser vorbereitet als manch andere Liga, man habe „eine wirtschaftlich ganz andere finanzielle Substanz. Da haben wir bessere Voraussetzungen als andere in Europa.“ Diesen Eindruck hat Seifert aus den Gesprächen mit den „Medienpartnern“ mitgenommen, die in Deutschland „auf einem anderen Niveau“ stattfänden. Tatsache sei aber auch: „Wir sprechen sehr viel über Solidarität in Deutschland. Es wird auch in Europa einer gewissen Solidarität bedürfen, dass wir uns gemeinsam darauf verständigen, uns aus der Patsche zu helfen.“

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