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Streit im Fußball eskaliert : Eine Liga am Scheideweg

  • -Aktualisiert am

Die dritte Liga soll demnächst wieder angepfiffen werden – aber mancher sieht jetzt schon Rot. Bild: Imago

Gegen den Willen einiger Klubs soll auch die dritte Liga den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen. Der DFB warnt eindringlich vor wirtschaftlichen Folgen eines Saisonabbruchs. Ein Politiker erhebt schwere Vorwürfe.

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          Nach der ersten und der zweiten Bundesliga bereitet sich nun auch die dritte Fußballliga auf einen Neustart vor. Doch im Vergleich zu den beiden höchsten Spielklassen ist das Stimmungsbild, was die Rückkehr zum Spielbetrieb betrifft, extrem gespalten. Die Vereine der dritten Liga geben in der Öffentlichkeit ein uneinheitliches und zerstrittenes Bild ab. Das setzt auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Ligaträger unter Druck und könnte die strukturelle Weiterentwicklung der ohnehin wirtschaftlich fragilen Spielklasse zusätzlich belasten.

          „Wenn die Politik grünes Licht dafür gibt, werden wir den Spielbetrieb wiederaufnehmen“, sagt DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. Die Vorbereitungen gehen von einer Wiederaufnahme des Spielgeschehens ab dem 26./27. Mai aus. Die noch offenen elf Spieltage der Saison sollen nach den DFB-Plänen in fünf englischen Wochen absolviert werden. Um bestmöglichen Gesundheitsschutz zu gewährleisten, haben die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der DFB ein Hygienekonzept für die Spieltagsorganisation in den Profiligen ausgearbeitet. Die Pläne für die Rückkehr ohne Zuschauer ständen aber unter dem Vorbehalt der übergeordneten behördlichen Verfügungslagen, betont Frymuth.

          Vorwürfe von Ministerpräsident

          Beim DFB sind die Vorbehalte vieler Vereine sehr wohl angekommen. „Wir haben für diese Diskussion Verständnis“, sagt DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. „Wie jeder anderen Branche ist es dem Profifußball selbstverständlich daran gelegen, die Rahmenbedingungen für die Berufsausübung zu schaffen – im Kontext der gesundheitlichen und behördlichen Vorgaben.“ Dafür habe man gemeinsam mit der DFL konzeptionelle Arbeit geleistet, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Die sachliche Entscheidung obliege der Politik und den Behörden.

          Der Streit um die Fortsetzung der Saison bewegt die dritte Liga seit Wochen. In der Diskussion hat jüngst sogar die Landesregierung von Sachsen-Anhalt das Vorgehen des DFB kritisiert. Er habe es als „unerträglich empfunden“, dass in dieser Frage Druck auf Politik und Vereine ausgeübt werde, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag in Magdeburg. Die Landesregierung hält bislang daran fest, dass wegen der Corona-Pandemie bis zum 27. Mai kein Wettkampfsport und damit auch kein Training stattfinden kann.

          Friedrich Curtius (links) neben DFB-Präsident Fritz Keller
          Friedrich Curtius (links) neben DFB-Präsident Fritz Keller : Bild: Reuters

          Die Vorwürfe der Politik konterte wiederum der DFB. „Mit Verwunderung“ habe man die Aussagen Haseloffs zur Kenntnis genommen, ließ sich Curtius am Dienstagabend auf der Verbands-Homepage zitieren. Es werde ein „unzutreffendes Bild gezeichnet“. „Es sei nicht „mit Zulassungsentzug und Konsequenzen“ für Vereine gedroht worden. Die Mehrheit der Klubs bereite sich konzentriert auf die Saisonfortsetzung vor, nur bei jenen, die seit Wochen einen Abbruch fordern, träten Probleme auf. „Es muss auch die Frage erlaubt sein: Kann man nicht oder will man nicht?“, klagt Curtius.

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