https://www.faz.net/-gtl-9xftv

Corona und Fußball : Die Tore schließen sich

  • -Aktualisiert am

Kein Ball rollt: Auch im Estadio Santiago Bernabeu in Madrid hat das Coronavirus den Fußball mattgesetzt. Bild: firo Sportphoto

Das Coronavirus zwingt den Fußball in die Knie: Real Madrid und Hannover 96 in Quarantäne, Champions-League-Matches verschoben, über die EM soll am Dienstag entschieden werden.

          4 Min.

          Der Profifußball in Deutschland und Europa steuert auf ein vorzeitiges Saisonende zu. In vielen Ligen des Kontinents und der Champions League verschärfte sich die Gefahr durch mit dem Coronavirus infizierte oder vorsorglich in Quarantäne geschickte Spieler erheblich und machte eine weitgehende Unterbrechung des Spielbetriebs nötig. So wurden die Rückspiele im Achtelfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Manchester City sowie zwischen Juventus Turin und Lyon am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben.

          Den Zweitliga-Fußballprofis von Hannover 96 geht es wie den Stars von Real Madrid: Wegen des Coronavirus stehen sie für 14 Tage unter häuslicher Quarantäne. Anders als die Spieler des spanischen Klubs haben sich in Hannover Fußballspieler mit dem Coronavirus infiziert: nach Timo Hübers, dessen Erkrankung am Mittwoch bekanntgeworden war, hat sich auch Jannes Horn angesteckt. Der Klub beantragte bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Absetzung der Partien gegen Dynamo Dresden am kommenden Sonntag und beim VfL Osnabrück am 21. März.

          Zuvor hatte das Gesundheitsamt der sächsischen Stadt Aue empfohlen, die für Samstag angesetzte Zweitliga-Partie gegen den SV Sandhausen abzusagen. Am vergangenen Wochenende hatten sich zwei Fans des Klubs beim Auswärtsspiel in Dresden mit dem Virus angesteckt. Vor diesem Hintergrund könne der Verein keine Verantwortung für Zuschauer, Gäste, Mitarbeiter und Mannschaft übernehmen, hieß es in einer Mitteilung des Vereins aus dem Erzgebirge. In Stuttgart infizierte sich ein Mitarbeiter der VfB Stuttgart Arena Betriebs GmbH mit dem Virus. Damit verschärft sich der Druck auf die DFL erheblich, die Fußball-Saison zu unterbrechen. Bisher hatte der Ligaverband darauf gesetzt, mit Spielen unter Zuschauerausschluss die Saison fortzuführen und gegebenenfalls zu beenden.

          Weiter so oder Abbruch der Saison? Der deutsche Fußball steht vor Entscheidungen.

          Das erste „Geisterspiel“, die nachgeholte Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln (2:1) am Mittwochabend, war von bescheidenem Erfolg – auch hinsichtlich des Gesundheitsschutzes. Rund um das Stadion hatten sich Fans versammelt und den Sinn der Maßnahme konterkariert. Am Donnerstag appellierten diverse Klubs an ihre Anhänger, von solchen Aktionen am kommenden Wochenende Abstand zu nehmen. Dann soll der gesamte Spieltag in der ersten Liga ohne Zuschauerbeteiligung stattfinden, darunter auch das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Der Rechteinhaber Sky kündigte an, die Spiele am Samstagnachmittag im Rahmen seiner TV-Konferenzschaltung frei empfangbar auszustrahlen.

          Für den kommenden Dienstag hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) alle 55 Mitgliedsverbände zu einer Video-Konferenzschaltung eingeladen. Dann soll über den Fortgang aller Wettbewerbe beraten werden, einschließlich der Europameisterschaft, die am 12. Juni in Rom beginnen soll. Eine schnellere Entscheidung scheint nicht möglich, obgleich die Uefa ihre Jugendwettbewerbe bis einschließlich 14. April verschoben hat. Für die Europameisterschaft stehen noch nicht alle Teilnehmer fest, die Verbände der Slowakei und Bosnien-Hercegovinas beantragten am Donnerstag die Verlegung der für Ende März angesetzten Play-offs. Wie die französische Zeitung „L’Equipe“ berichtet, wolle die Uefa am Dienstag die Verlegung der EM auf das kommende Jahr verkünden.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          TUI hatte in mehreren Schritten 61 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt, von denen 15 infolge von Flugverboten am Boden bleiben mussten.

          F.A.Z. exklusiv : TUI und Boeing einigen sich auf Schadenersatz

          Nicht nur die Corona-Pandemie macht TUI zu schaffen – auch das teure Debakel um die 737 Max lastete bis zuletzt auf dem Reisekonzern. Nun aber gibt es zumindest eine gute Nachricht in der Krise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.