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Lazio-Star Ciro Immobile: Fit getestet für die wichtigen Serie-A-Spiele? Bild: EPA

Corona-Tests bei Lazio Rom : Mal positiv, mal negativ

Der Verdacht wiegt schwer. Lazio Rom soll Corona-Tests seiner Starspieler manipuliert haben. Dem Klub droht der Ausschluss aus der Serie A; den an der Fälschung Beteiligten eine Gefängnisstrafe.

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          Von einer Atempause vom Corona-Chaos der Serie A während der Länderspielpause kann keine Rede sein. Denn das Virus hat längst auch die Squadra Azzurra erreicht, die binnen einer Woche drei Spiele bestreitet: Nach dem Testspiel gegen Estland in Florenz vom Mittwochabend, bei dem der Freiburger Vincenzo Grifo Italiens Nationalteam mit seinen ersten beiden Länderspieltoren zum 4:0-Sieg führte, folgen die Spiele in der Nations League gegen Polen im norditalienischen Reggio Emilia vom Sonntag sowie am Mittwoch in Sarajevo gegen Bosnien-Hercegovina.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Neben dem positiv getesteten Nationaltrainer Roberto Mancini fehlten bei der Begegnung in Florenz auch zahlreiche Stammspieler – wegen positiver Sars-CoV-2-Tests bei ihnen selbst beziehungsweise bei Teamkollegen. Die Einladung ins Trainingslager nach Coverciano und zum Länderspiel hatten neben anderen absagen müssen: Bryan Cristante, Lorenzo Pellegrini, Leonardo Spinazzola und Gianluca Mancini vom AS Rom, weil Romas bosnischer Mittelstürmer Edin Dzeko positiv getestet worden war. Auch vom AC Florenz durften keine Spieler zu den Nationalteams stoßen, weil die Gesundheitsbehörde der Region Toskana verfügt hatte, dass nach dem positiven Test beim spanischen Fiorentina-Stürmer José Callejón der gesamte Kader die „Blase“ auf dem Trainingsgelände des Klubs nicht verlassen darf. Und schließlich fehlte in Florenz, als prominentester und zugleich ominösester Ausfall, Ciro Immobile, Kapitän von Lazio Rom und Halter des Goldenen Schuhs als bester Torschütze Europas der Spielzeit 2019/20.

          Verschiedene Testlabors, unterschiedliche Ergebnisse

          Die Causa Immobile könnte sich zu einer massiven Krise nicht nur für dessen Klub Lazio, sondern für die gesamte Serie A auswachsen. Am 27. Oktober waren Immobile sowie der brasilianische Mittelfeldspieler Lucas Leiva und der albanische Torhüter Thomas Strakosha positiv auf das Coronavirus getestet worden. Und zwar vom Labor Synlab in Florenz, das in Italien für die Europäische Fußball-Union (Uefa) und auch für die Squadra Azzurra sämtliche Virustests der Profis auswertet. Lazio musste deshalb auf Geheiß der Uefa ohne Immobile, Leiva und Strakosha nach Brügge reisen, wo den Römern im Gruppenspiel der Champions League ein mühevolles 1:1 gelang. Mit Blick auf das folgende Serie-A-Spiel gegen den FC Turin vom 1. November wurde, gemäß Hygieneprotokoll, am 30. und 31. Oktober abermals der gesamte Lazio-Kader getestet. Diesmal nahm die Auswertung der Abstriche das Labor Futura Diagnostica in Avellino bei Neapel vor. Ergebnis: alle Tests negativ, auch die der drei kurz zuvor positiv getesteten Spieler. Immobile, Leiva und Strakosha fuhren mit nach Turin, wo Lazio dank Treffern von Immobile und Joker Felipe Caicedo in der Nachspielzeit überaus glücklich 4:3 siegte.

          Am Tag nach dem Spiel in Turin erfolgte der nächste Test des Lazio-Kaders, diesmal wieder im Auftrag der Uefa bei Synlab in Florenz. Ergebnis: drei positive Tests, und zwar bei Immobile, Leiva, Strakosha. Nach Sankt Petersburg zum nächsten Champions-League-Spiel (wiederum ein mühsames 1:1, wie schon in Brügge) durften die drei am 4. November deshalb nicht mitfahren. Obwohl sie doch am 3. November negativ getestet worden waren, und zwar bei Futura Diagnostica in Avellino – dem Labor, dem man bei Lazio besonders vertraut. Weil man sich auf die dortigen Testergebnisse verlassen kann? Jedenfalls wollte Lazio, mit den negativen Tests aus Avellino in der Hand, am 8. November daheim gegen Meister Juventus mit Immobile, Leiva und eben Strakosha im Kader antreten. Doch inzwischen hatte man auch bei der Serie A Verdacht geschöpft, ordnete einen weiteren Eiltest der Abstriche an, und zwar beim Römer Labor Campus Biomedica. Ergebnis: Immobile, Leiva und Strakosha waren positiv, mussten gegen Juve aus dem Kader gestrichen werden. Lazio erreichte, dank eines Joker-Tors von Caicedo in der Nachspielzeit, ein schmeichelhaftes 1:1 gegen den Meister. Bei dem durfte übrigens Cristiano Ronaldo wieder mittun, nachdem er bei schwindender Geduld und wachsendem Frust nach gut zwei Wochen Corona-Quarantäne endlich negativ getestet worden war.

          Es droht der Serie-A-Ausschluss

          Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Causa Lazio. Auf dem Trainingsgelände des Klubs in Formello bei Rom wurden Testungsergebnisse und Gesundheitsakten der Spieler sowie Computer beschlagnahmt. Auch bei Futura Diagnostica in Avellino wurden die Fahnder vorstellig. Sie beschlagnahmten 95 Abstriche von Lazio-Spielern samt Testergebnissen. Gegen Laborchef Massimiliano Taccone wird wegen des Verdachts der Fälschung von Testergebnissen ermittelt. Der FC Turin forderte unterdessen, das Spiel gegen Lazio müsse am grünen Tisch mit 3:0 gewertet werden, weil offenbar infizierte und womöglich infektiöse Lazio-Spieler eingesetzt worden seien.

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          Am Mittwochmittag schossen schließlich Spekulationen und Falschmeldungen ins Kraut. Die Nachrichtenagentur Ansa meldete, der von Futura Diagnostica als negativ diagnostizierte jüngste Abstrich von Torhüter Strakosha sei von einem anderen, unabhängigen Labor in Avellino als positiv ausgewertet worden. Die Staatsanwaltschaft ließ dementieren: Ergebnisse würden frühestens am Donnerstag vorliegen. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass bei Futura Diagnostica Testergebnisse „geschönt“ wurden, könnten Lazio nicht nur ein Punktabzug und eine Geldstrafe drohen, sondern womöglich der Ausschluss aus der Spielzeit der Serie A. Von den strafrechtlichen Konsequenzen ganz zu schweigen: Das Delikt „fahrlässige Verbreitung einer Epidemie“ kann gemäß Strafgesetzbuch mit bis zu zwölf Jahren Gefängnis geahndet werden.

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