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Angst beim FC Liverpool : Klopp droht ein Fußball-Drama

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Der Titel wird in Liverpool ersehnt wie kaum etwas anderes: Trainer Jürgen Klopp könnte die englische Fußball-Meisterschaft verpassen. Bild: AFP

Der englische Fußball denkt angesichts der Corona-Krise über verschiedene Zukunftsszenarien nach. Eines davon könnte für den FC Liverpool und seinen deutschen Trainer zum Albtraum werden.

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          Für den South Shields FC und die Jersey Bulls, für Truro City und den Workington AFC war die ganze Arbeit umsonst. Die Klubs haben keine klangvollen Namen, kaum jemand interessiert sich für sie. Aber alle vier waren Tabellenführer in ihren jeweiligen Ligen im englischen Amateurfußball; sie standen kurz vor dem Aufstieg oder hatten ihn schon sicher, als Mitte März der Spielbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen worden ist. Ende der vergangenen Woche erklärte dann Englands Football Association (FA), dass die Saison in den siebten Ligen und tiefer mit sofortiger Wirkung beendet ist. Alle Ergebnisse der bisherigen Spieltage sind null und nichtig. Niemand steigt ab, niemand steigt auf. Der FA Council, eine Art Entscheidungsgremium, muss nur noch formell zustimmen.

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          In einer Mitteilung der FA heißt es: „Unser größtes Anliegen in dieser beispiellosen Zeit wird immer die Sicherheit und das Wohl der Klubs, Spieler, Angestellten, Offiziellen, Freiwilligen und Fans sein.“ Die Entscheidung, die Saison für ungültig zu erklären, sei auch mit Blick auf die Finanzen der Vereine getroffen worden, die sich jetzt nicht mehr um die weitere Abwicklung kümmern müssten. Es handele sich um die „gerechteste Methode“, um die Integrität der Ligen zu bewahren. Viele der betroffenen Klubs, vor allem die am oberen Ende der jeweiligen Tabellen, sehen das anders. Sie wollen nun klagen, manche fordern außerdem die Erstattung von bereits bezahlten Beträgen wie Geldstrafen oder Reisekosten.

          Die Klubs fühlen sich ungerecht behandelt. Truro-City-Trainer Paul Wotton sagte dem „BBC Radio Cornwall“, bei der FA habe man darauf gesetzt, dass es so weit weg von der Glitzerwelt der Premier League schon keinen Aufstand geben würde: „Im Endeffekt würde Liverpool die FA vor Gericht bringen, aber wir haben nicht das Geld, um das zu tun.“ Der FC Liverpool steht mit dem deutschen Trainer Jürgen Klopp in Englands oberster Spielklasse auf Platz eins der Tabelle und hat einen riesigen Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Die Fans der „Reds“ träumen von der ersten Meisterschaft seit 30 Jahren. Angesichts der Geschehnisse im Amateurfußball dürften es nun vermehrt Albträume sein.

          Verschiedene Szenarien denkbar

          Schwer vorstellbar, dass die Premier League und die Football League, unter deren Dach die Ligen zwei bis vier ausgetragen werden, dem nationalen Fußballverband folgen und die Saison ohne Ausgang beenden werden. Im Raum stehen verschiedene Szenarien. Die Saison könnte unter Ausschluss von Zuschauern zu Ende gespielt werden, sobald es für Profis und Mitarbeiter wieder sicher ist. Dazu berichtete der „Independent“ von einem Plan, alle Teams im Juni und Juli in London und in den Midlands nahe Birmingham zu kasernieren, um die Saison dort binnen kürzester Zeit zu Ende bringen zu können. Andere sprechen davon, die Saison rechnerisch zu beenden, indem man anhand des bisherigen Punkteschnitts der Mannschaften eine Abschlusstabelle ausrechnet. Inwieweit solche Lösungen den Klubs in den für ungültig erklärten Ligen zu vermitteln wären, ist eine Frage für sich. Die 20 Premier-League-Klubs werden am Freitag über das weitere Vorgehen beraten. Es gilt als wahrscheinlich, dass die geplante Fortsetzung des Spielbetriebs Ende April abermals verschoben wird.

          Aleksander Ceferin, Präsident des Europäischen Fußballverbandes (Uefa), sagte zuletzt, dass es schwierig werden könnte, die nationalen Ligen zu Ende zu spielen, wenn sie nicht bis spätestens Ende Juni auf irgendeine Weise fortgesetzt werden könnten. Man könne zwar auch dann noch die Saison zu Ende spielen, wenn normalerweise schon die nächste anfangen soll, aber ob das den Klubs angesichts ihrer randvollen Terminkalender recht wäre, ist fraglich. Zudem müssten Sponsoren mitmachen; ab Juli gelten bei vielen Klubs neue Verträge für Trikot- und sonstige Werbung, auch Spielerverträge enden gewöhnlich Ende Juni eines Jahres. Die Inhaber von Übertragungsrechten werden ebenfalls ein Wörtchen mitreden wollen.

          Harry Kane, Kapitän des Nationalteams und Stürmer von Tottenham Hotspur, sprach sich bei „Sky Sports“ dafür aus, die Saison ohne Ergebnis zu beenden. Irgendwann müsse es genug sein: „Bis in den Juli oder August zu spielen und die nächste Saison zu verschieben, darin sehe ich keinen großen Nutzen.“ Der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan, der beim Tabellenzweiten Manchester City spielt, denkt für den Fall einer Annullierung auch an den Rivalen aus Liverpool. Im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF gefragt, ob der FC Liverpool notfalls einfach zum Meister erklärt werden sollte sagte er: „Für mich wäre das okay.“

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