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„Kuhhandel“ in Brasilien : Tausche: Fußballspiele gegen Beatmungsgeräte

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Fußball in der Pandemie: hier im berühmten Stadion Maracana in Rio de Janeiro während des Spiels zwischen Volta Redonda und Resende Bild: dpa

In Brasilien wütet die Pandemie besonders grausam. Sao Paulo stoppt deshalb den Ligabetrieb im Fußball. Die Top-Vereine wandern aus – dank eines Tauschhandels.

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          In Brasilien spielen sie gerade Bundesland-Meisterschaften, jeder auf seinem Terrain. Sao Paulo hat jedoch Fußballspiele wegen der verheerenden Probleme im Gesundheitssystem vorläufig gestoppt. Doch die Topklubs SC Corinthians und SE Palmeiras fanden im benachbarten Landesteil Rio de Janeiro Unterschlupf für ihre Duelle. Im Gegenzug erhält die dortige Gastgeberstadt Volta Redonda zehn Intensivbetten mit Beatmungsgeräten.

          Der Bürgermeister der Stadt bestätigte den „Kuhhandel“ mit dem Fußball-Landesverband von Sao Paulo. Die Gemeinde verzichtet im Gegenzug auf Stadionmiete für die Duelle zwischen Corinthians und Mirassol (1:0) am Dienstag sowie Palmeiras gegen Sao Bento einen Tag später. In Europa hatte sich zuletzt bei Spielen mit englischen Klubs die ungarische Hauptstadt Budapest als fragwürdigen „Rettungshafen“ für die Champions League mit den Bundesligisten Leipzig und Mönchengladbach erwiesen.

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          Volta Redonda legte jedoch für die Austragung der nationalen Pokalpartie von Corinthians am Freitag gegen Retro aus dem Nordost-Bundesland Pernambuco ein Veto ein. Für denselben Tag ordnete Bürgermeister Eduardo Paes gut 130 Kilometer ostwärts für die Landeshauptstadt Rio den Stop aller Sportevents an. Für die regionale Staatsmeisterschaft wäre Volta Redonda aber wieder eine Alternative.

          Fast 300.000 Corona-Tote in Brasilien

          Brasilien durchlebt derzeit die bisher schwersten Momente der Pandemie. Innerhalb eines Tages sind 3158 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, wie die Tageszeitung „Folha de São Paulo“ am Dienstagabend (Ortszeit) berichtete. Die Zahl der Corona-Toten stieg damit auf 298.843. Mehr als zwölf Millionen Menschen haben sich seit Beginn der Pandemie in Brasilien offiziell infiziert. Wissenschaftler machen die Ausbreitung der sehr viel ansteckenderen Virus-Mutation P1 für die stark gestiegenen Infektionszahlen verantwortlich.

          Damit ist Brasilien zum Epizentrum der Pandemie geworden. Das südamerikanische Land verzeichnet rund elf Prozent aller weltweiten Corona-Toten, während es nur 2,7 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht.

          Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro behauptete in einer TV-Ansprache, in keinem Moment habe seine Regierung versäumt, die notwendigen Maßnahmen für die Bekämpfung der Pandemie zu ergreifen. Er versprach, dass bis Ende des Jahres alle Brasilianer geimpft sein würden. Der ultrarechte Staatschef hat jedoch immer wieder die Corona-Krise verharmlost und sich gegen Maßnahmen wie Lockdown, das Tragen von Masken und soziale Distanz ausgesprochen.

          Erstmals trifft die Pandemie ganz Brasilien gleichermaßen. Landesweit steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps. Die Hälfte aller Bundesstaaten meldete eine Auslastung der Intensivbetten von mehr als 90 Prozent. Zudem fehlt es an Medikamenten, die für die Beatmung notwendig sind, und Sauerstoff wird knapp. Auch die Weltgesundheitsorganisation zeigte sich besorgt und forderte Brasilien auf, koordinierter gegen die Pandemie vorzugehen.

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