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Dritte Quarantäne im Fußball : Harte Nuss für Holstein Kiel

  • -Aktualisiert am

Abstand halten, abwarten: In Kiel dauert es, bis wieder gespielt wird. Bild: dpa

Es ist das am schwersten von Corona betroffene Team im deutschen Profifußball: Holstein Kiel musste schon zum dritten Mal in Quarantäne. Die Saison will der Zweitligaklub trotzdem zu Ende spielen.

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          Ein Saisonende ohne Relegation? Das klingt für den SV Sandhausen reizvoller als für Holstein Kiel. Jedenfalls hatte der Sandhäuser Präsident Jürgen Machmeier mit Blick auf aktuelle und kommende Terminengpässe für kreative Lösungen im Endspurt der Zweiten Bundesliga geworben; man möge bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) doch mal drüber nachdenken, ob die Saisonverlängerung in dieser heiklen Lage nicht ausgesetzt werden könnte, sprich: Der Drittletzte des Unterhauses bleibt drinnen.

          2. Bundesliga

          Das Team von Sandhausen, aktuell in Quarantäne, steht auf Platz 17. Der Restart der Sandhäuser sollte am 21. April sein – gegen Holstein Kiel. Doch an diesem Donnerstag wurde klar, dass sie dann noch nicht wieder um Punkte kämpfen dürfen: das Spiel wurde von der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) abgesetzt, weil die häusliche Isolation der Sandhäuser bis zum 20. April gilt, und einen Tag nach Rückkehr aus der Quarantäne nicht gespielt werden kann. Mittlerweile wurde das Spiel für Dienstag, 4. Mai (18:30 Uhr) neu angesetzt.

          Die Kieler sind das am schwersten von Corona betroffene Team im deutschen Profifußball. Nach dem positiven Test des Torwarts Ioannis Gelios vor einer Woche und einem zweiten, nicht Benannten vom vergangenen Samstag sind Kader und Stab komplett in häusliche Isolation geschickt worden. Alle, die bei der Auswärtspartie in Heidenheim vor neun Tagen dabei waren, harren nun der Dinge.

          In den eigenen vier Wänden

          Am Mittwoch vermeldete die KSV Holstein einen dritten Fall. In Kiel mischen sich Frust und Ratlosigkeit. Neun Spiele bis zum Saisonende am 23. Mai stehen an, darunter das Pokal-Halbfinale bei Borussia Dortmund am 1. Mai. „Es ist eine harte Nuss für uns alle“, sagte Trainer Ole Werner im NDR, „wir sind zum dritten Mal in einem Jahr in Isolation. Einige Spieler werden vier der letzten sechs Wochen in den eigenen vier Wänden verbringen. Das ist losgelöst von sportlichen Zielen eine bittere Pille für alle.“

          Trotz allen Gegenwinds ist bei der KSV Holstein keiner gegen die Relegation – natürlich nicht, die Kieler sind Tabellenvierter, waren bis nach dem 1:1 beim Hamburger SV Anfang März klarer Aufstiegsaspirant. Dann folgte die Corona-bedingte Pause. Niederlagen in Bochum und Heidenheim schlossen sich an. Werner sagt: „Ich rede nicht von großen Aufstiegsträumen. Für uns geht es jetzt darum, von schweren Verletzungen verschont zu bleiben und uns im Laufe der Spiele zu steigern.“

          Notfall-Tausch gefällt DFL nicht

          Trotz aller Schwierigkeiten und des nicht geringen Risikos für die Spieler sind die Kieler gewillt, die Saison zu Ende zu bringen. Die Ungleichbehandlung im Wettbewerb hat niemand bei der KSV in den Vordergrund gestellt – zumindest nicht öffentlich. Natürlich hat man sich intern die Frage gestellt, was bei elf Corona-Fällen seit März 2020 denn nur schiefgelaufen ist. Ohne Antwort. Klar scheint, dass die Infektionen im privaten Rahmen entstanden sind. Und trotzdem ist es so, dass die Konkurrenz nun nach Kiel schaut und sich fragt, warum die Norddeutschen so oft betroffen waren. Keine angenehme Rolle für den Klub, der in vielen Bereichen als Vorzeigeverein gilt.

          Neben Sandhausen und Kiel ist der Karlsruher SC betroffen. Die häusliche Isolation beim KSC endet am 20. April – dann sollte eigentlich das Spiel beim Hamburger SV stattfinden. Doch auch diese Partie wurde von der DFL ab- und nun neu angesetzt für den 29. April. Auch der Tabellendritte aus Fürth ist im Rückstand, weil das Spiel in Sandhausen vergangenes Wochenende abgesagt wurde. Es soll nun am 28. April durchgeführt werden. Beim Spitzenreiter aus Bochum würde das gewiss niemand laut sagen. Aber der VfL darf sich mit Blick auf den Spielplan freuen: keine Corona-bedingten Ausfälle in Sicht, bislang.

          Weil der Ligaverband die Saison weder abbrechen noch wegen der anstehenden Europameisterschaft und damit verbundener Abstellfristen von Nationalspielern verlängern will, könnte am 1. Mai gespielt werden. Am „Tag der Arbeit“ sollen wegen Demonstrationen eigentlich keine Profispiele stattfinden, um Polizeikräfte zu schonen. Auch bleiben Quarantäne-Trainingslager der Profiklubs für die letzten beiden Spieltage eine Möglichkeit – aufgestockt um Nachholspiele. Die Idee eines Notfall-Tauschs findet bei der DFL keinen Gefallen: So hätte der HSV sein Heimspiel am Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg vorziehen können, weil beide mangels Gegner pausieren müssen. Auch beim „Club“ stieß das auf Ablehnung.

          Eine ganz grundsätzliche Frage wird die DFL im Nachgang klären müssen: Warum folgte auf Corona-Fälle beim FC Bayern und dem VfL Wolfsburg die Einzelquarantäne der betroffenen Spieler, während in Kiel das ganze Team nach Hause geschickt wurde? Liegt das nur an strengen oder sanften Gesundheitsämtern? Gleichbehandlung sieht jedenfalls anders aus.

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