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Corona-Hilfe mit Fußball-Stars : Iron Maik macht Druck für die Kleinen

„Kinder müssen sich bewegen“: Maik Franz Bild: imago images/Christian Schroedter

Maik Franz galt einst als Raubein der Bundesliga. Nun animiert er etliche internationale Fußball-Stars wie Robert Lewandowski oder Mesut Özil zum Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft.

          3 Min.

          Berührungsangst ist seine Sache nicht. Das zupackende Naturell hat ihn im Laufe einer Karriere weit gebracht. Sich in Dinge einzumischen, von denen manche behaupteten, sie gingen ihn nichts an, gehört auch zu den Wesenszügen, die für den früheren Bundesliga-Profi Maik Franz charakteristisch sind. In den Stadien war er einer, der polarisierte.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Von den Fans der fünf Teams, deren Abwehrkraft er stärkte, wurde der heute 39-Jährige als „Iron Maik“ verehrt. Franz war ein agent provocateur wie aus dem Lehrbuch der Kampfführung: Er lotete die Grenzen aus, übertrat sie bisweilen – akzeptierte aber immer die sich daraus ergebenden Urteile der Sportgerichtsbarkeit, die sein Treiben sanktionierten. 98 Gelbe Karten, neun Platzverweise in 311 Spielen waren Ausdruck seiner schonungslosen Gangart.

          Was ihm in der obersten deutschen Fußballklasse jedoch auch die Kritiker hoch anrechneten, war sein Gespür für die gesellschaftspolitische Verantwortung, die sich für Franz aus seiner Prominenz ergab. „Fußballer“, sagt er, „sind nichts Besonderes, sie haben aber das Glück, vor vielen Leuten spielen zu dürfen. Und ich war immer der Meinung, dass man versuchen sollte, dieses Vertrauen der Menschen zurückzuzahlen.“

          Illustre Runde aus 88 Kickern

          Sieben Jahre nach der Bekanntgabe seiner Sportinvalidität macht Franz als Initiator eines Hilfsprojekts von sich reden, von dem die Jugendstiftung „Die Arche“ profitieren wird. „Corona hat mich noch einmal anders auf meine Familie schauen lassen und das Glück, das wir in unserem Leben hatten“, sagt Franz, der selbst Vater von zwei Jungs ist. „Schnell war klar, gemeinsam mit einem kleinen Netzwerk kann man Großes erreichen.“

          Unterstützt wird er vom who is who der Bundesliga und internationalen Stars. Zusammen mit seinem Kumpel Sami Allagui, zuletzt beim FC St. Pauli unter Vertrag, kam Franz rund um Weihnachten die Idee eines Online-Turniers. Im Kern geht es bei dem Wettbewerb um ein Spiel, bei dem sechs Freunde von ihnen eng eingebunden sind: Daniel Caligiuri (FC Augsburg), Gonzalo Castro (VfB Stuttgart), Patrick Ebert (Xanthi FC), Fabian Lustenberger (Young Boys Bern), Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) und Peter Niemeyer (früher Darmstadt 98, jetzt Sportdirektor bei Preußen Münster).

          Sie nominierten elf Spieler ihrer Wahl und treten nun mit ihnen zusammen beim Kampf um die meisten Klicks virtuell gegeneinander an: eine illustre Runde aus 88 Kickern, zu der Erling Haaland, Marco Reus (beide BVB), André Silva (Eintracht Frankfurt), Kevin de Bruyne (Manchester City), Mesut Özil (Fenerbahce Istanbul), Edin Dzeko (AS Rom), Robert Lewandowski, Manuel Neuer, David Alaba, Leroy Sané, Leon Goretzka (alle FC Bayern) und Matthias Ginter (Gladbach) zählen. Jeder hat ein Trikot mit Autogramm gespendet, das versteigert wird.

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          „Alle waren schnell dabei, als wir gefragt haben, und es sind auch einige darunter, die ich auf dem Platz hart bekämpft habe. Doch das alles ist egal, wenn es darum geht, etwas Gutes auf die Beine zu stellen“, sagt Franz, der auf einen Erlös im sechsstelligen Bereich hofft. Gerade der Fußball, der sich durch manchen Fehltritt mitunter als realitätsferne Blase entpuppe, habe „unglaubliches Potential, sozial zu wirken“, sagt er, das wolle er in der Branche „noch viel mehr bewusst“ machen.

          Dass sein Engagement bedürftigen Jungen und Mädchen zugutekommen soll, schließt an frühere Projekte in Frankfurt an, als er im Namen der Eintracht zu Spenden für die Kinderkrebskliniken aufrief, bei Anti-Gewalt-Trainings in Schulen auftrat und bei Charityläufen vorneweg rannte. Auch weil im pädagogischen Konzept der bundesweit tätigen „Arche“ der Sport einen hervorgehobenen Stellenwert besitzt, soll sie die finanzielle Hilfe erhalten: „Kinder müssen sich bewegen, sie definieren sich über das, was sie können, davon profitiert auch das Selbstbewusstsein“, sagt Franz.

          Corona und seine Folgen machen ihm mit Blick auf den Nachwuchs „große Sorgen“, weil viele Angebote seit Monaten ausfielen und mangels Bewegung eine massive Gewichtszunahme zu regis­trieren sei. In Deutschland leben aktuellen Untersuchungen zufolge rund 4,4 Millionen Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern „in schwierigen finanziellen Verhältnissen“, wie Franz sagt, Tendenz aufgrund der Pandemie steigend. Er erhofft sich daher auch ein Signal an die Politik: „Der Druck muss wachsen, dass die Kleinen in unserer Gesellschaft einen größeren Stellenwert bekommen.“

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