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Großer Streit um Fußball : Ein tiefer Riss geht durch Italien

Noch sind einige Fragen ungeklärt: Turin-Profi Cristiano Ronaldo weiß auch noch nicht, wie es in der Serie A weitergeht. Bild: Reuters

In Italien fällt die Entscheidung, ob die höchste Fußball-Spielklasse Serie A mit all ihren Stars fortgesetzt wird. Doch drei zentrale Fragen sind noch nicht beantwortet. Und die Liga ist gespalten – der Ärger mancherorts enorm.

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          Für den italienischen Profifußball ist die Woche der Wahrheit gekommen. An diesem Dienstag hält die Ligavereinigung „Lega Serie A“ mit Sitz in Mailand – vergleichbar der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt am Main – das entscheidende Treffen der Klubpräsidenten der Erstligaklubs ab. Per Videokonferenz, versteht sich. Am Mittwoch folgt dann die Videokonferenz der Spitzenvertreter des italienischen Fußballs mit den zuständigen Ministerien in Rom. Dann soll entschieden werden, wie es für die Liga weitergeht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am 12. März war der Wettbewerb nach dem unvollständigen 26. von insgesamt 38 Spieltagen wegen der Coronavirus-Epidemie ausgesetzt worden. Was bei den beiden virtuellen Treffen herauskommen könnte, wagte am Montag niemand vorauszusagen: Wird die Saison 2019/2020 abgebrochen oder zu Ende gespielt? Und wenn der Spielbetrieb wiederaufgenommen werden sollte, in welcher Form könnte das geschehen? Als Geisterspiele hinter verschlossenen Türen wohl in jedem Fall. Aber ab wann? Und wo? Und in welchen Stadien?

          Wiederholt sich der Streit?

          Beim italienischen Fußballverband FIGC unter Führung von Präsident Gabriele Gravina sowie beim Profiklub-Verband wird seit Wochen fieberhaft an Protokollen und Modellen für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs gearbeitet. Einziger Fixpunkt im Kalender ist der 3. Mai. Bis dahin gilt die von der Regierung unter Ministerpräsident Giuseppe Conte verhängte strenge Ausgangssperre. Dass schon davor Trainingseinheiten unter besonderen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen – wie derzeit schon von Bundesligaklubs praktiziert – zugelassen werden, gilt als eher unwahrscheinlich. Denn manches spricht dafür, dass sich bei der Debatte um den Profifußball der allgemeine politische Streit wiederholt: Die Wirtschaft drängt auf eine baldige „Wiedereröffnung“ des Landes, die von Conte geführte Linkskoalition in Rom bremst.

          Im Fokus: Gabriele Gravina, Präsident der FIGC
          Im Fokus: Gabriele Gravina, Präsident der FIGC : Bild: EPA

          Die finanziellen Sorgen der Klubs sind jedenfalls längst existentiell. Die Profis und das Trainerteam von AS Rom verzichten nun sogar freiwillig vier Monate auf jegliches Gehalt, um so die Sorgen ihres Arbeitgebers zu lindern. Zudem bezahlen sie die Differenz der eigentlich gekürzten Bezüge der anderen Klub-Angestellten. Für den Fall, dass die Saison fortgesetzt und abgeschlossen wird, sei außerdem eine Art Prämiensystem abhängig vom Erreichen sportlicher Ziele vereinbart worden, teilte der Klub mit.

          Zuerst müssten allerdings ohnehin die Klubs der Serie A Konsens erreichen. Davon war am Montag noch nichts zu erkennen. Nach der letzten Zählung sprachen sich zwölf der zwanzig Vereine für eine Fortsetzung der Saison aus, notfalls mit Spielen bis in den Juli und August oder gar den Herbst hinein; sieben waren dagegen, Sampdoria Genua blieb unentschieden. Unter den Befürwortern gab es Schwergewichte wie Rekordmeister Juventus Turin, die beiden Hauptstadtklubs Lazio und AS Rom, dazu Neapel und Florenz. Aber auch unter den Neinsagern waren wichtige Traditionsvereine, allen voran die beiden Mailänder Klubs, außerdem der FC Turin und der CFC Genua.

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