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Corona-Fälle beim Fußballklub : Spielen um jeden Preis

  • -Aktualisiert am

Im Risikogebiet: Flamengos Lincoln (links) Bild: AP

In Brasilien wütet die Corona-Pandemie. Auch beim Fußballverein Flamengo infizieren sich 18 Spieler. Dennoch soll der Ball weiterhin rollen.

          2 Min.

          Fast im Stundentakt lichten sich in Brasiliens populärstem Verein die Reihen. Stimmen die aktuellen Testergebnisse, dann fallen für das kommende Auswärtsspiel von Flamengo Rio de Janeiro in São Paulo 18 Spieler aus. Allesamt mit dem Coronavirus infiziert, unter ihnen so bekannte Namen wie der frühere Bundesligaspieler Diego oder Nationalspieler Filipe Luís. Auch das Verletzungspech hat den Meister und Copa-Libertadores-Sieger im Griff. Nicht infiziert, dafür aber verletzt ist unter anderem Torjäger Gabriel Barbosa.

          Nun stellt sich die Frage, kann Flamengo in São Paulo überhaupt antreten? Und war die Reise zum Copa-Libertadores-Spiel zum ecuadorianischen Klub Barcelona Guayaquil zu verantworten? Dahinter steckte eine Anordnung des Kontinentalverbandes Conmebol, der die Partie nicht ausfallen lassen wollte. Trotz hoher Ansteckungsgefahr in Ecuador. Wie auch im Bundesstaat Rio de Janeiro, der gerade erst die Zahl von 250.000 registrierten Infektionen übersprungen hat. In der Olympiastadt selbst fällt in Kürze die Grenze von 100.000 registrierten Infektionen.

          Spielen trotz Corona

          So kam es, wie es kommen musste: Angeführt vom ebenfalls infizierten spanischen Trainer Domenec Torrent, kehrte Flamengo aus dem ecuadorianischen Risikogebiet zurück. Die Zahl der positiv getesteten Personen war auf 27 gestiegen, Delegationsmitglieder inklusive. Guayaquil war vor einigen Monaten ein Hotspot der Covid-19-Erkrankungen mit vielen Toten. Die Tageszeitung „El Universo“ berichtete über widersprüchliche Versionen der Behörden in der Frage der Spielgenehmigung.

          Guayaquils Bürgermeisterin Cynthia Viteri soll demnach noch am Dienstag versucht haben, ein Stadionverbot auszusprechen. Viteri war vor einigen Wochen selbst an Covid-19 erkrankt. Doch Conmebol machte Druck, holte beim übergeordneten Gesundheitsministerium des Landes die Freigabe ein. Die gastgebende Mannschaft begab sich nach der Partie freiwillig in Quarantäne. Zumindest sportlich nahm die Partie für Flamengo ein gutes Ende – 2:1. Schon in einer Woche müssten laut Terminplan beide Mannschaften wieder ran. Flamengo im heimischen Rio de Janeiro und die ecuadorianische Mannschaft in Barranquilla in Kolumbien.

          Absage des Spiels abgelehnt

          Eine Absage des Spiels in der brasilianischen Serie A am Sonntag in São Paulo bei Palmeiras lehnte der brasilianische Verband CBF vorerst ab. Flamengo-Präsident Rodolfo Landim hatte sich zuletzt für eine vorzeitige Rückkehr des Fußballs am Zuckerhut ausgesprochen. Er folgte damit der Linie des rechtspopulistischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro, der einen insgesamt wirtschaftsfreundlichen Kurs propagiert, um einen ökonomischen Kollaps zu vermeiden. Und so kam es, dass Flamengo im Maracanã wieder Fußball spielte, als nebenan Ärzte noch im provisorischen Feldlazarett um das Leben von Covid-19-Patienten kämpften. In Kürze sollen auch wieder Zuschauer zugelassen werden, bei bis zu 30 Prozent Stadionauslastung.

          Das alles zeigt, wie dramatisch die Lage im südamerikanischen Fußball ist. Die Vereine sind angesichts der im Vergleich zu Europa niedrigen Zuschauereinnahmen noch mehr auf die TV-Gelder angewiesen. Und die wirklich knüppelharte Terminhatz steht noch bevor: Die 18 Spieltage umfassende WM-Qualifikationsrunde „Eliminatorias 2022“ muss quer durch alle Risikogebiete des Kontinents ausgetragen werden – in noch kürzerer Zeit als ohnehin schon. Im Oktober soll es losgehen.

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