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Volle Stadien trotz Corona? : Die krassen Gegensätze in Europas Fußball

Fans im Stadion können auch für Probleme abseits der Pandemie sorgen: Liverpool-Profi Mohamed Salah erlebte das hautnah. Bild: EPA

Zehntausende dicht gedrängt und ohne Masken auf den Rängen. Gar keine Zuschauer und totale Beschränkung. Der europäische Fußball und weitere Sportarten reagieren dieser Tage sehr unterschiedlich auf die Pandemie.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Weiter volle Stadien in der englischen Premier League, null Zuschauer in den Niederlanden und in Österreich: Entsprechend der derzeitigen Inzidenz-Zahlen in der Corona-Pandemie gibt es in Europas Fußball-Ligen riesige Unterschiede im Umgang mit den Zuschauer-Beschränkungen. FAZ.NET fasst die jeweilige Situation zusammen:

          England: Hier darf weiter vor vollen Zuschauerrängen gespielt werden. Nach den Regeln der Premier League müssen Stadionbesucher aber einen Impf- oder Genesenenstatus nachweisen oder einen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die Entscheidung darüber, wer ins Stadion darf und wer nicht, liegt letztlich bei den Klubs selbst.

          Auch für die noch im Dezember beginnende Darts-Weltmeisterschaft in London darf die volle Anzahl von Tickets verkauft werden. Nachdem das Turnier 2020 ohne Publikum stattfinden musste, dürfen damit bis zu 3000 Zuschauer im Alexandra Palace feiern. Dass sich die Fans bei ausgiebigem Bierkonsum Gedanken über Masken oder Sicherheitsabstand machen, scheint unwahrscheinlich.

          Italien: Die Stadien dürfen nach Angaben des Fußballverbands FIGC bislang zu 75 Prozent gefüllt sein. Am 6. Dezember treten jedoch weitere Regelungen in Kraft, die die Regierung von Mario Draghi schon Ende November beschlossen hatte. Ab dann gilt für die Fans die 2-G-Regel, es darf nur noch rein, wer nachweislich geimpft oder genesen ist. Bezüglich einer Impfpflicht für die Fußball-Profis gab es bislang keine weiteren Vorstöße. Das sei „ein sehr sensibles Thema“, sagte ein FIGC-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

          Verbandspräsident Gabriele Gravina hatte zuvor eine Impfpflicht ins Spiel gebracht. Nach einer Sitzung des Verbandsvorstandes sagte er, diese Option sei im Kampf gegen Corona möglich. Etwa vier bis fünf Prozent der Profis hätten noch keinen gültigen Impfnachweis – auch, weil sie ein nicht in der EU anerkanntes Vakzin erhalten hatten.

          Masken? Sehen hier in Liverpool längst nicht alle als notwendig an.
          Masken? Sehen hier in Liverpool längst nicht alle als notwendig an. : Bild: EPA

          Spanien: Trotz steigender Corona-Zahlen gibt es keine spezifischen Einschränkungen für Sportveranstaltungen. Geisterspiele im Fußball sind nicht geplant. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei knapp 120. Der Corona-Pass (3-G-Regel) wird jedoch für den Besuch von Restaurants, Nachtlokalen und größeren Veranstaltungen in Innenräumen in immer mehr Regionen des Landes Pflicht. Dies dürfte auch den Hallensport betreffen. Sieben von 17 Gemeinschaften, die in etwa deutschen Bundesländern entsprechen, haben dies bereits beschlossen, nur drei eine solche Maßnahme vorerst ausgeschlossen. Angesichts einer Impfquote von fast 80 Prozent dürfte eine Pflicht zur Vorlage eines Corona-Passes aber keine dramatischen Folgen haben.

          Frankreich: Die Ligue 1 blickt mit Sorge auf die steigenden Infektionszahlen. Seit Freitag greift in den Stadien wieder eine Maskenpflicht, eine Diskussion über reduzierte Zuschauerzahlen aber gibt es noch nicht. Wie die Regierung kürzlich erklärte, solle die Bevölkerung vor einer Verbreitung des Virus geschützt werden, Training und Wettkämpfe im Sport aber sollten aufrechterhalten werden. Eine Maskenpflicht gilt auch für Sportlerinnen und Sportler in den Arenen, sobald sie den Sport nicht ausüben.

          Schweiz: Bei großen Sportveranstaltungen gilt die 3-G-Regel. Die Regierung hat aber eine Verschärfung vorgeschlagen, die schon nächste Woche in Kraft treten könnte: Dann müssten in Innenräumen wie Eishockeyhallen Masken getragen werden. In Fußballstadien gilt die 3-G-Regel ab 1000 Zuschauern. Diese Grenze soll auf 300 gesenkt werden. Diese Entscheidung soll Freitag fallen.

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