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Finale der Copa Libertadores : Ein Herz für Flamengo

  • -Aktualisiert am

David Luiz ist Verteidiger bei Flamengo und damit nicht der einzige Rückkehrer aus Europa. Bild: Reuters

Brasiliens populärster Fußballklub will zum dritten Male die wichtigste südamerikanische Klubtrophäe gewinnen. Das Spiel generiert höhere Einschaltquoten als ein Auftritt der Nationalmannschaft.

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          Bisweilen, so zeigen es Videos in den sozialen Netzwerken, klettern die Fans von Flamengo aus Rio de Janeiro auch mal auf den Mannschaftsbus, um ihren Lieblingen ganz nahe zu sein. Dann reißt jemand die Dachluke auf und spricht, auf dem Bus liegend, zu den Spielern. Die Szene ist seit einiger Zeit ein kleiner Internethit, zeigt aber, wozu die Fans des wohl populärsten Klubs Brasiliens fähig sind. Auch für Nicht-Fußballfans ist eine Partie von Flamengo eigentlich nicht zu verpassen, bei einem Torerfolg jubelt in der Regel die ganze Nachbarschaft so laut, dass es sich anhört, als sei man im Stadion.

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          Am Samstag (21.00 Uhr MEZ) werden alle in Richtung uruguayische Hauptstadt Montevideo blicken. Dort steigt das Finale der Copa Libertadores zwischen Palmeiras aus Sao Paulo und eben Flamengo, zufällig auch die Titelträger der vergangenen beiden Jahre. Nach dem Finalsieg von Palmeiras im Maracana über den FC Santos im vergangenen Jahr ist es das zweite rein brasilianische Finale in Serie. Ein Jahr zuvor hatte Flamengo das erste Finalspiel in Lima gegen River Plate gewonnen.

          Für beide Klubs geht es nun darum, in den exklusiven Adel der brasilianischen Klubs aufzusteigen, die die wichtigste südamerikanische Klubtrophäe zum dritten Mal gewonnen haben, also ein „Tricampeonato“ zu sein. Zu diesem erlesenen Zirkel gehören bislang nur der FC Sao Paulo, Gremio Porto Alegre und der Pele-Klub FC Santos.

          Viele Rückkehrer aus Europa

          Das Finale, seit zwei Jahren nicht mehr im Modus mit Hin- und Rückspiel ausgetragen, wird am Samstag höhere Einschaltquoten haben als die Spiele der Nationalmannschaft. Denn in erster Linie definieren sich die Fans in Brasilien als Anhänger ihrer Vereine statt der Selecao. Die ungeheure Popularität Flamengos speist sich dabei vor allem aus der Historie. Brasiliens mächtiger Fernsehsender Globo übertrug lange Jahre stets die Spiele von Flamengo landesweit und sorgte damit für eine riesige Fangemeinde auch fernab von Rio de Janeiro.

          Damals war Zico der große Star des brasilianischen Fußballs und von Flamengo. Sportlich geht Flamengo als Favorit in die Partie. In der laufenden brasilianischen Meisterschaft wird das Team von Trainer Renato Gaucho den Acht-Punkte-Abstand zum Tabellenführer Atletico Mineiro bei noch vier ausstehenden Spielen zwar kaum noch aufholen können. Palmeiras ist auf Rang drei bereits abgeschlagen. Renato Gaucho gilt bei den brasilianischen Fans als ein Spezialist für die Copa Libertadores.

          Bei Gremio Porto Alegre genießt er Kultstatus, weil er 1983 erst die Copa und dann auch noch das Weltpokalfinale gegen den Hamburger SV, den damaligen Europapokalsieger der Landesmeister, gewann. In Tokio traf Gaucho gegen die Hanseaten doppelt und entschied das Finale mit seinem zweiten Treffer in der Nachspielzeit. Als Trainer gewann er mit Gremio 2017 nochmals die Copa Libertadores.

          Die Anhänger von Flamengo Rio de Janeiro.
          Die Anhänger von Flamengo Rio de Janeiro. : Bild: Reuters

          Seit Mitte Juli ist er nun für den von Alphatieren und schwierigen Charakteren strotzenden Kader von Flamengo verantwortlich. Dazu zählen die Europa-Rückkehrer David Luiz, Filipe Luis, Torjäger Gabriel „Gabigol“ Barbosa oder der ehemalige Bremer Bundesligaprofi Diego. Der könnte im Alter von inzwischen 36 Jahren nach dem UEFA-Pokalsieg mit Atlético Madrid (2012) und dem Copa Libertadores-Titel mit Flamengo (2019) den insgesamt dritten kontinentalen Titel einfahren. Mit dem FC Porto wurde er bereits 2004 Weltpokalsieger, im Falle eines Finalerfolges am Samstag winkt dann die Klub-WM. Inzwischen hat er sein Leben in einem Buch niedergeschrieben.

          Renato Gaucho hat sich aber vor wenigen Tagen den Zorn der emotionalen Fans zugezogen. Beim 2:2 bei dessen ehemaligen Klub Gremio, was die Meisterschaftsträume von Flamengo endgültig beendete, sprach der Flamengo-Coach während des Spiels bei einem Einwurf mit vorgehaltener Hand mit einem der Gremio-Spieler. Ein inakzeptabler Skandal finden die brasilianischen Medien. Einige Flamengo-Fans wittern ihr Trainer habe seinem abstiegsbedrohtem Stammklub einen Punkt zugeschanzt und dafür die Meisterschaft geopfert. Da hilft zur schnellen Wiedergutmachung nur ein Triumph in Montevideo.

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