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Nach Triumph bei Copa América : Brasiliens Trainer kritisiert wütenden Messi scharf

  • Aktualisiert am

Jubel über den Sieg bei der Südamerika-Meisterschaft: Brasiliens Trainer Tite (oben) wird von seinen Spielern auf Händen getragen. Bild: AP

„Er sollte mehr Respekt haben“: Der brasilianische Fußball-Nationalcoach Tite freut sich mit seiner Mannschaft über den Gewinn der Südamerika-Meisterschaft – und hat eine klare Meinung zum Verhalten des argentinischen Stars.

          Brasiliens Fußball-Nationaltrainer Tite hat Argentiniens Superstar Lionel Messi nach dessen Angriffen auf die Organisatoren der Copa America kritisiert. „Er sollte mehr Respekt haben, und er muss es akzeptieren, wenn er verliert“, sagte der Coach am Sonntag (Ortszeit) nach dem 3:1-Triumph der Seleçao im Finale gegen Peru. Messi sollte „vorsichtiger“ bei der Wahl seiner Worte sein, forderte Tite.

          Argentiniens Kapitän war nach dem dritten Platz bei der Südamerika- Meisterschaft (2:1 im kleinen Finale gegen Chile) ausfallend geworden. „Wir sollten an dieser Korruption nicht teilnehmen. Wir haben die Nase voll (...) von der Korruption, den Schiedsrichtern und allem, was das Spektakel verdirbt“, sagte der 32-Jährige, der im Spiel um Platz drei in der 37. Minute vom Platz gestellt wurde.

          „Es gab einen Mangel an Respekt uns gegenüber bei dieser Copa América“, behauptete Messi, der auch die Medaillenzeremonie boykottierte. „Korruption und die Schiedsrichter lassen die Fans nicht den Fußball genießen. Das ruiniert den Fußball“, meinte der aufgebrachte Messi. Bereits nach der 0:2-Halbfinalniederlage gegen Gastgeber Brasilien hatte sich der Star des FC Barcelona über Ungerechtigkeiten beschwert: "Ich zahle vielleicht den Preis für meine Kritik.“

          Ein Grund für Messis Ärger: Der argentinische Star (rechts) sieht im Spiel um Platz drei gegen Chile die Rote Karte.

          Im Spiel um den Titel war Brasiliens Superstar Neymar derweil abermals zum Zuschauen gezwungen. Zwar bejubelte auch der 27-Jährige Brasiliens lang ersehnten Triumph im Finale der Copa América – die größte Erkenntnis des Abends im legendären Maracanã wird dem einstigen Weltfußballer-Kandidaten aber kaum gefallen haben: Es geht auch ohne ihn.

          „Neymar ist außergewöhnlich“, sagte Tite weiter nach dem 3:1 (2:1) gegen den überraschenden Final-Gegner Peru. Aber „mit unserem Teamwork sind wir stark geblieben“. Und dieses gehört nicht unbedingt zu den Stärken des derzeit verletzten Neymar, gegen den kurz vor dem Start der Südamerikameisterschaft schwerwiegende Vergewaltigungsvorwürfe aufgekommen waren.

          Brasilien auch ohne Neymar souverän

          Das Fehlen des Stürmerstars von Paris Saint-Germain, der angeblich von seinem früheren Klub FC Barcelona umworben wird, machte sich im Finale kaum bemerkbar. Ersatzmann Everton (15.) hatte Brasilien in Führung gebracht, Gabriel Jesus (45.+2), der in der 70. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog, und Richarlison (90./Foulelfmeter nach Videobeweis) legten nach. Der zwischenzeitliche Ausgleich und einzige Turnier-Gegentreffer Brasiliens durch Perus früheren Bundesligaprofi Paolo Guerrero (44./Handelfmeter nach Videobeweis) war wertlos.

          „Heute bin ich wirklich zum Nationaltrainer geworden“, sagte Tite und sprach angesichts der 70.000 feiernden Fans ehrfürchtig über die „Symbolik dieses Tempels, des größten Tempels des Fußballs. Es ist unvorstellbar, ich kann dieses Glück nicht in Worte fassen“. Auf den neunten Copa-Triumph hatte die Seleção, die im Vorjahr bei der WM in Russland im Viertelfinale ausgeschieden war, zwölf Jahre warten müssen.

          Staatspräsident Jair Bolsonaro, der auf der Tribüne nur ein paar Plätze neben Neymar mitgefiebert hatte, kam nach dem Abpfiff wie selbstverständlich auf den Rasen und feierte mit. Auf dem Siegerfoto ließ sich der Rechtspopulist breit grinsend und den großen Silberpokal fest umklammernd inmitten der Spieler ablichten. „Gute Nacht allerseits“, schrieb er bei Twitter unter die Aufnahme.

          Vor der Partie hatte der Politiker wie schon während des Halfinales gegen Argentinien („Das galt den Argentiniern, nicht mir“) lautstarke Buhrufe von den Zuschauern zu hören bekommen. Die Nachrichtenagentur AP berichtet von der Begegnung auf dem Rasen mit Tite, dass der Nationaltrainer eine Umarmung von Bolsonaro durch Händeschütteln vermeiden konnte.

          Die peruanischen Verlierer trösteten sich damit, lange gut mitgehalten zu haben. „Das Wichtigste ist, dass wir uns mit der Zeit weiterentwickelt haben“, sagte Nationaltrainer Ricardo Gareca. „Wir hatten einen sehr effektiven Gegner. Ich glaube, wir haben uns gut geschlagen, trotz der Niederlage. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

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