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Copa America : Mit Ordnung und Disziplin ins Finale

  • -Aktualisiert am

Gekonnt: Luis Suarez umkurvt Perus Torwart Fernandez Bild: dpa

Uruguay unterstreicht mit dem 2:0-Sieg gegen Peru seine Vormachtstellung in Südamerika - dank Luis Suarez. Der Stürmer vom FC Liverpool schießt die Peruaner binnen fünf Minuten aus dem Turnier. In Montevideo wird getanzt.

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          Hupkonzerte in Buenos Aires, jubelnde Fans in Montevideo: Die Fußball-Nationalmannschaft Uruguays versetzt ihre Anhänger wie bei der WM im vergangenen Jahr in Südafrika, als die Mannschaft von Trainer Oscar Washington Tabarez bis ins Halbfinale marschierte, in einen Freudentaumel. Bei der Copa America ist nach dem verdienten 2:0-Erfolg im Halbfinale gegen ein überfordertes Team aus Peru nun sogar ein historischer Triumph möglich.

          Sollte Uruguay am Sonntag im Estadio Monumental von Buenos Aires das Finale gegen den Sieger der zweiten Vorschlussrundenbegegnung zwischen Venezuela und Brasilien-Bezwinger Paraguay gewinnen, wäre es Copa-Titel Nummer 15. Dann stände Uruguay allein an der Spitze der Trophäensammler des ältesten Nationenturniers der Welt. Bislang teilen sich Argentinien und Uruguay mit je 14 Titeln den Rekord.

          Bis tief in die Nacht feierten die mehr als 10.000 mitgereisten Fans aus Uruguay im Spielort La Plata und im nahegelegenen Buenos Aires den souveränen Erfolg ihrer „Celeste“. In Montevideo strömten die Menschen trotz des kalten uruguayischen Winters auf die Straßen, um ausgelassen die erste Finalteilnahme seit 1995 zu bejubeln. Vor allem Doppel-Torschütze Luis Suarez vom FC Liverpool genoss den Trubel in vollen Zügen.

          Mit Hand und Fuß: Luis Suarez schießt Uruguay ins Endspiel um die Copa

          Für den überforderten Verlierer Peru blieben nur tröstende Worte

          Der Stürmer hatte bei der WM in Südafrika mit einem Handspiel in der letzten Minute der Nachspielzeit seine Mannschaft im Viertelfinale gegen Ghana vor dem Aus bewahrt, musste aber anschließend das Halbfinale gegen die Niederlande (2:3) gesperrt von draußen beobachten. „Diesmal muss er nicht leiden“, schrieb die Tageszeitung „El Observador“ mit Blick auf das persönliche Opfer, dass Suarez damals brachte. „Ich bin sehr glücklich, dass ich meinen Teil zu diesem Erfolg beitragen konnte, aber unser Weg ist noch nicht zu Ende“, sagte Suarez.

          In der einseitigen Partie dominierte Uruguay das Spielgeschehen von Beginn an. „Wir haben die Ordnung und die Disziplin bewahrt“, stellte Coach Tabarez zufrieden fest. „Wenn wir hinten sicher stehen, dann haben wir vorne mit Luis Suarez und Diego Forlan die Qualität, stets für Torgefahr zu sorgen“, fasst der mittlerweile 64 Jahre alte Coach die Strategie des Weltmeisters von 1930 und 1950 zusammen.

          Diese Taktik könnte reichen, um die Vormachtstellung Uruguays in Südamerika zu festigen. Bei der WM 2010 stellte Uruguay als viertplaziertes Team bereits die beste Mannschaft des Subkontinents und mit Diego Forlan den besten Spieler des Turniers. Ganz nebenbei würde ein Triumph bei der Copa America auch für eine ordentliche Finanzspritze sorgen. Als Südamerika-Meister wäre Uruguay automatisch für den Konföderationen-Pokal 2013 in Brasilien qualifiziert. Dort gibt es beim Testlauf für die WM eine Millionen-Antrittsprämie.

          Kritik an den argentinischen Organisatoren

          Für den überforderten Verlierer Peru blieben nur tröstende Worte: „Wir haben uns mit Würde präsentiert“, sagte Trainer Sergio Markarián. Der Uruguayer sieht seine Mannschaft nach einem Jahrzehnt voller Skandale und Enttäuschungen auf einem guten Weg: „Wir haben hier bereits einen großen Schritt für eine erfolgreiche WM-Qualifikation gemacht.“ Mit der Rückkehr der verletzten Claudio Pizarro von Werder Bremen und Jefferson Farfan von Schalke 04 dürfte die Qualität der peruanischen Offensive deutlich steigen. Paolo Guerreo vom Hamburger SV, der einen tadellosen Auftritt bei der Copa America hinlegte, wird als Einzelkämpfer für jede Unterstützung dankbar sei. Einen kleinen Rückfall in alte skandalträchtige Zeiten gab es dann doch: Die Rote Karte gegen den bis dato starken Spielmacher Juan Vargas nach einem brutalen Ellbogencheck könnte Konsequenzen für die im Herbst beginnende südamerikanische WM-Qualifikation haben.

          Derweil wächst die Kritik an den argentinischen Organisatoren der Copa America. Der Rasen des modernen Estadio Unico in La Pata rund eine Autostunde von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, präsentierte sich in einem erbärmlichen Zustand. Wie schon im Viertelfinale zwischen Brasilien und Paraguay war ein gepflegtes Pass-Spiel nicht möglich. Zuvor hatte bereits die Zeitung „El Pais“ mit ihrer beißenden Kritik eine emotionale Debatte eröffnet. „Das ist eine Copa der dritten Welt“, wetterte das Blatt und griff damit die zahlreichen organisatorischen Pannen auf. Der argentinische Fußball-Verband hat einer möglichen gemeinsamen WM-Bewerbung mit Uruguay für die Titelkämpfe 2030 mit der schlecht vorbereiten Copa America 2011 keinen Gefallen getan.

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