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Copa América : Jung, erfolgshungrig – und ein bisschen vorlaut

  • -Aktualisiert am

Die neue Generation ist da: Neymar fällt nicht nur durch seine Frisur auf Bild: dapd

Die Zeit von Kaka, Ronaldo und Ronaldinho ist abgelaufen. Die neuen Stars heißen Neymar, Pato oder Ganso. Brasiliens neue Generation startet am Sonntag in die Copa América . Vor der Heim-WM 2014 sind die Erwartungen hoch.

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          Der Weg zum Titel ist kalt und winterlich. Brasiliens neue Hoffnungsträger trainieren dick vermummt und fest eingepackt. Es ist kalt in Argentinien. Und es soll noch kälter werden. Die Meteorologen sagen für den Copa-Auftakt eine polare Kaltfront voraus, es soll das kälteste Winter-Wochenende in Argentinien seit vielen Jahren mit Temperaturen unter Null werden.

          Auf diese äußeren Widrigkeiten ist die junge brasilianische Fußball-Nationalmannschaft bestens vorbereitet. Ob sie auch für das Stahlbad der nächsten drei Jahre gerüstet sind, müssen Neymar und Kollegen allerdings erst noch beweisen. Es ist das Turnier Nummer eins nach dem bitteren Viertelfinalaus bei der WM in Südafrika. Und ist zugleich – mit Ausnahme des Konföderationenpokals 2013 – die einzige Gelegenheit für die neuformierte Mannschaft, sich im Wettbewerb für die Weltmeisterschaft 2014 im eigenen Land einzuspielen. Denn als Gastgeber ist Brasilien für die Titelkämpfe automatisch qualifiziert. Ihr bleibt der quälend lange Qualifikationsmarathon der sogenannten südamerikanischen „Eliminatoria“ erspart. Mit ihr allerdings auch die Möglichkeit, sich in den üblicherweise 18 Qualifikationsspielen zu bewähren und zu finden.

          Brasiliens neuer Generation fehlt es nicht an Selbstbewusstsein: Alexandre Pato ist so ein Vertreter. Der Stürmer des AC Mailand gibt der brasilianischen Presse, was sie hören will. „Argentinien ist ein Titelkandidat, aber wir kommen vorbereitet“, sagt der 21 Jahre alte Torjäger. Pato wird als neue Nummer 9 eine historische Verantwortung übernehmen: „Diese Rückennummer zu tragen ist eine Ehre für mich, weil Spieler wie Ronaldo sie bereits getragen haben. Aber jetzt ist sie meine und ich bin darauf vorbereitet“, sagt der italienische Meister im brasilianischen Quartier Campana.

          „Hoffen wir, dass ihm nicht das Gleiche passiert wie Messi“

          Pato ist nur einer von vielen jungen Nationalspielern, die die Garde der großen Namen endlich ablösen soll. Die Zeit von Kaka, Ronaldo und Ronaldinho ist abgelaufen. Die neuen Stars heißen Neymar, Pato oder Ganso. Immerhin sieben Spieler im brasilianischen Mittelfeld und Angriff sind nicht älter als 24 Jahre. Allein im Tor und in der Defensive hat sich der Jugendstil von Neu-Trainer Luis Antonio Venker Menezes noch nicht durchgesetzt. Hier setzt die „Seleccao“ weiter auf bewährte Kräfte wie Torhüter Julio Cesar und den früheren Bayern-Profi Lucio.

          Die Fans in der Heimat erwarten von ihrer Nationalmannschaft nichts anderes als den Gewinn der 43. Auflage der Copa America. So wie es bereits 2004 in Peru und 2007 in Venezuela gelang. Damals setzten sich die Brasilianer jeweils gegen Argentinien im Finale durch. Das soll nun ausgerechnet im Land des Erzrivalen wieder gelingen. Die Blicke sind dabei fast ausschließlich auf Jungstar Neymar gerichtet. Der ist nach dem Gewinn der wichtigsten südamerikanischen Klubtrophäe, der Copa Libertadores, mit breiter Brust nach Argentinien gekommen. Der 21 Jahre alte Stürmer vom Pélé-Klub FC Santos ist das personifizierte neue Brasilien. Jung, erfolgshungrig und auch ein klein wenig vorlaut – wie ein ebenso lautes wie überflüssiges verbales Gemetzel mit der argentinischen Fußball-Legende Diego Maradona in den vergangenen Tagen bewies.

          Die alten Fußballhelden wie Maradona und Pele sind es, die Neymar durch ihre Aufmerksamkeit erst so richtig adeln: „Jetzt werden wir sehen, ob Neymar in der brasilianischen Nationalmannschaft im gleichen Rhythmus und den gleichen Abläufen spielen kann, die er beim FC Santos gewohnt ist. Hoffen wir, dass ihm nicht das Gleiche passiert wie Messi, der in Barcelona gut spielt aber in der Nationalmannschaft nicht“, stichelt Pélé in Richtung Argentinien und setzt den Stellvertreterkrieg der alten Herren fort.

          „Wir können an einem guten Tag jeden Gegner schlagen“

          All das ist spätestens an diesem Sonntag vergessen. Dann beginnt für Brasilien in La Plata bei der Copa America die Reifeprüfung mit dem Spiel gegen Venezuela. Auf dem Papier eine klare Angelegenheit, gehört Venezuela doch in der langen Geschichte des Turniers zu den erfolglosesten südamerikanischen Nationen.

          Doch Kapitän Juan Arango von Borussia Mönchengladbach macht seinen Kollegen Mut: „Wir können an einem guten Tag jeden Gegner schlagen, warum sollten wir also nicht versuchen, das Beste herauszuholen.“ Neben Arango gehören auch der Hamburger Tomas Rincon und der Wolfsburger Yohandry Orozco zur voraussichtlichen Startformation der Venezolaner. Vor allem auf den Hamburger Rincon wird dabei die schwere Aufgabe zu kommen, den ballgewandten Neymar zu stoppen. Für das Juwel von Santos wiederum sollte die Bekanntschaft mit dem Bundesliga-Profi nur eine kleine Episode auf dem Weg zum Nationalhelden werden. Venezuela, das ist nach brasilianischem Selbstverständnis kein Stolperstein, sondern nur eine kleine Etappe.

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