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Copa América : Dunga braucht Diego nicht

  • -Aktualisiert am

Das Bild täuscht: Diego schiebt Frust Bild: AP

Die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft ist nach zuletzt schwachen Auftritten souverän ins Halbfinale der Copa América eingezogen. Doch einer kann sich nicht so richtig freuen: Der Bremer Spielmacher Diego schmort auf der Bank.

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          Brasilien hat bei der Copa America in Venezuela endlich ein erfolgreiches System gefunden, der mit vielen Vorschusslorbeeren angereiste Bremer Spielmacher Diego spielt darin offenbar keine Rolle mehr. Während der fünfmalige Fußball-Weltmeister am Samstag sein Viertelfinalspiel gegen Chile in Puerto de la Cruz gleich mit 6:1 gewann, entwickelt sich die Südamerika-Meisterschaft für den zum besten Bundesliga-Spieler der vergangenen Saison gewählten Diego immer mehr zu einem sportlichen Desaster.

          Das traurige Prozedere wiederholt sich mittlerweile alle drei Tage: Während sich Brasiliens Nationalmannschaft zur Hymne aufstellt, schleicht ein paar Meter weiter der eigentlich dafür vorgesehene Spielmacher in Richtung Bank. Dort kennt sich Diego inzwischen bestens aus: Nach dem enttäuschenden Auftaktspiel gegen Mexiko (0:2) gehört der in Deutschland gefeierte Spielmacher von Werder Bremen auf dem Platz der Ersatzleute zum Inventar.

          Baptista nutzt die Chance

          Nicht weit davon entfernt sitzt der Mann, der Diegos Situation noch einmal ändern könnte: Trainer Carlos Dunga. Der Kapitän der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1994 hatte vor Beginn der Copa mit Diego in der Stammformation geplant und ihm sogar das Trikot mit der symbolträchtigen Nummer 10 - bislang Ronaldinho vorbehalten und bald von Kaká getragen - verliehen.

          Während sich die Kollegen über sechs Treffer freuen...

          Gerade einmal 45 Minuten sah sich Dunga das bescheidene Auftreten des 22 Jahre alten Werder-Regisseurs gegen Mexiko an, seitdem ist Diego bestenfalls noch Ergänzungsspieler. Der von Dunga mittlerweile bevorzugte Julio Baptista nutzt dagegen seine Chance und trifft sogar wie beim überzeugenden 6:1 gegen die indisponierten Chilenen. Diego sah dem endlich einmal überzeugenden Auftritt des Fußball-Giganten, bei dem sich Robinho mit zwei weiteren Treffern und nun insgesamt sechs Turniertoren wohl schon vorzeitig zum Copa-Torschützen kürte, tatenlos zu. Und die Worte seines Trainers nach der Gala gegen Chile lassen für die letzte Copa-Woche wenig Gutes erahnen: „Je mehr wir spielen, desto mehr finden wir die Synchronität in unserem kollektiven Spiel, und damit verbessert sich auch jeder Spieler in seiner Position.“ Das klingt nicht unbedingt nach einer bevorstehenden Umstellung im kreativen Bereich.

          Frustrierte Rückkehr nach Bremen?

          Diego macht derweil gute Miene zum bösen Spiel: „Es ist klar, dass alle, die nicht spielen, traurig sind. Jetzt heißt es weiterarbeiten. Ich werde im Training versuchen, Dunga umzustimmen, damit ich wieder dabei bin.“ Der in Ribeirão Preto geborene Mittelfeldspieler ist das Opfer einer Systemumstellung Dungas, der nach dem Mexiko-Spiel die Reißleine zog: Seitdem spielt der Titelverteidiger nur noch mit einem offensiven Mann im Mittelfeld (Julio Baptista); Gilberto Silva, der Berliner Mineiro und Josue haben eher defensive Aufgaben zu erledigen.

          Diegos Degradierung in Venezuela kann sich derweil für die Bremer zu einem Problem entwickeln. Sollte Diego in der letzten Woche nicht doch noch irgendwie ins Team rutschen, wird Werder-Trainer Thomas Schaaf bald einen frustrierten und desillusioniertem Spielmacher an der Weser begrüßen. Derselbe Diego soll Werder ein paar Wochen nach der Copa bei zwei Qualifikationsspielen zurück in die Champions League führen.

          „Wenn die Chance kommt, bin ich vorbereitet“

          Und das mit dem Wissen, dass seine Chance auf eine tragende Rolle in der Nationalmannschaft erst einmal dahin ist, zumal für die anstehende südamerikanische WM-Qualifikation die beiden Copa-Urlauber Kaká und Ronaldinho gesetzt sind. Wer die Bedeutung der Selecão für jeden brasilianischen Fußball-Profi kennt, kann die tiefe Enttäuschung des ausgemusterten Diego erahnen.

          Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine überraschende Wendung vielleicht schon im Halbfinale gegen Uruguay (4:1 im Viertelfinale gegen Gastgeber Venezuela) in der Nacht zum Mittwoch in Maracaibo. Sollte Brasilien im südamerikanischen Klassiker gegen den Rekord-Copa-Gewinner vielleicht doch noch einmal in Not geraten, könnte sich Dunga an seine Nummer 10 erinnern. „Wenn die Chance kommt, bin ich vorbereitet“, verspricht Diego. Mehr kann er im Moment auch nicht tun.

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