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Fußball in Südamerika : Copa America wird zum Bundesliga-Problem

  • Aktualisiert am

Marcelo Diaz (rechts) vom HSV spielt die Copa America für Gastgeber Chile Bild: dpa

Die Copa America geht mit Beginn der Spiele des Viertelfinals in die heiße Phase. Ein Spieler spricht gar davon, dass es nun „um Leben und Tod“ gehe. Die Klubs aus der Bundesliga sind gar nicht erfreut.

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          Bis auf Daniel Gordon haben sie alle das Viertelfinale erreicht. Mit Jamaika scheiterte der Profi vom Fußball-Zweitligaverein Karlsruher SC bereits in der Vorrunde der Copa América. Doch die neun Copa-Akteure aus dem Bundesliga-Oberhaus spielen in Chile bisher äußerst erfolgreich.

          Während sich etwa die Peruaner Jefferson Farfán (FC Schalke 04) und Claudio Pizarro (Bayern München) nach noch „größeren Erfolgen“ bei der Copa sehnen, blicken ihre Klubs zähneknirschend auf das Turnier. Auch Raúl Bobadilla (FC Augsburg), Marcelo Díaz (Hamburger SV) und Co. werden durch die Copa große Teile der Vorbereitung auf die neue Spielzeit verpassen.

          „Das ist natürlich nicht schön für uns. Aber Jefferson wurde eingeladen und wir müssen uns dem beugen“, hatte Schalkes Manager Horst Heldt bereits vor dem Turnier der „Bild“ gesagt. Zum Viertelfinal-Einzug Perus äußerte sich Heldt nicht. Am Freitag treffen Farfán, Pizarro und Eintracht Frankfurts Carlos Zambrano auf Bolivien. Gewinnt Peru, ginge es am 29. Juni im Halbfinale weiter. Das Finale ist am 4. Juli (Ortszeit). Drei Tage vorher starten Bayern, Frankfurt und Schalke bereits mit dem Training.

          Das Schalker Trainingslager im österreichischen Velden (5. bis 15. Juli) würde Farfán sicher verpassen. Bei Pizarro ist dagegen nicht mal klar, ob er überhaupt an der Vorbereitung der Bayern teilnehmen wird. Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Zwar würde der 36 Jahre alte Stürmer gerne bleiben. Noch immer gibt es aber - zumindest öffentlich - kein entsprechendes Signal des Rekordmeisters.

          Augsburgs Raul Bobadilla (rechts) tritt für Paraguay bei der Copa an
          Augsburgs Raul Bobadilla (rechts) tritt für Paraguay bei der Copa an : Bild: Reuters

          Chiles Díaz wird dagegen sicher zum Hamburger SV zurückkehren. Am 30. Juni beginnt der HSV mit einem Leistungstest, anschließend folgen zwei Trainingslager. Hamburgs Sportdirektor Peter Knäbel schreibt den Relegationshelden für weite Teile der Vorbereitung ab. „Ich gehe davon aus, dass Chile als bärenstarker Gastgeber das Finale erreicht“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. „Marcelo würde dann erst nach unserem zweiten Trainingslager in die Vorbereitung einsteigen.“

          Díaz kündigte an, dass es bei der Copa ab jetzt „um Leben und Tod“ gehe und dass er im Viertelfinale gegen Uruguay am Mittwoch „sein Leben“ geben werde. Wie Chiles Abwehrchef Gonzalo Jara (Mainz 05) sollte auch Díaz anschließend rund drei Wochen Urlaub benötigen, um sich optimal zu erholen. Etwas weniger Pause dürfte Miiko Albornoz reichen, der für Chile bisher erst 87 Minuten zum Einsatz kam. Weil sein Verein Hannover 96 aber schon an diesem Mittwoch mit dem Training beginnt, wird auch der Linksverteidiger einiges verpassen.

          Claudio Pizarro (rechts) und Peru wollen es noch einmal wissen
          Claudio Pizarro (rechts) und Peru wollen es noch einmal wissen : Bild: AFP

          Ob Nelson Valdez zumindest am zweiten Trainingslager (18. bis 25. Juli) von Eintracht Frankfurt teilnehmen kann, entscheidet sich am Samstag (Ortszeit). Dann trifft Paraguay mit ihm und Bobadilla auf Brasilien. Bei der vergangenen Copa 2011 warfen die Paraguayer den Favoriten aus dem Turnier. Sollten sich die Brasilianer ohne Superstar Neymar durchsetzen, wäre das der Bundesliga relativ egal. Roberto Firmino zählt zwar zu den Hoffnungsträgern der Seleção. Der 23-Jährige wird 1899 Hoffenheim aber definitiv verlassen.

          In Chiles Hauptstadt ist derweil der Smognotstand aufgehoben, die Fans in Santiago fiebern dem Viertelfinale bei der Copa gegen Uruguay entgegen. „Wir haben das Thema im Fernsehen gesehen, aber wir sprechen nicht darüber“, sagte Uruguays Kapitän Diego Godin. „Wir widmen uns 100 Prozent dem Fußball.“

          Auch Schalkes Jefferson Farfan ist mittendrin, wie hier gegen Brasilien
          Auch Schalkes Jefferson Farfan ist mittendrin, wie hier gegen Brasilien : Bild: AFP

          Obwohl der Umweltnotstand aufgehoben wurde, durften in Chiles Hauptstadt auch am Dienstag rund 300.000 Fahrzeuge nicht fahren. Zudem werde den rund sieben Millionen Einwohnern weiter empfohlen, keine sportlichen Aktivitäten im Freien zu betreiben, teilten die Behörden mit. Wegen anhaltenden Smogs war am Montag zwischenzeitlich der Umweltnotstand in der Hauptstadt ausgerufen worden. Das Copa-América-Viertelfinale zwischen dem Gastgeber und Uruguay am Mittwoch scheint trotzdem nicht gefährdet. 

          Seit Tagen waren in Santiago hohe Schadstoffkonzentrationen in der Luft gemessen worden. Durch eine hohe Trockenheit im Juni wird die Lage zusätzlich verschärft. Santiago erstreckt sich über mehrere Hügel, in deren Tälern sich bei bestimmten Wetterlagen Smog festsetzen kann.

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