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Confederations Cup : Südafrika verliert gegen Spanien - und jubelt

  • -Aktualisiert am

La Furia Roja - keiner lebt den Spitznamen der spanischen Elf besser als David Villa Bild: REUTERS

Der Gastgeber steht im Halbfinale des Confed-Cups: Trotz einer 0:2-Niederlage gegen Spanien kam Südafrika weiter, weil der Irak gegen Neuseeland das Tor nicht traf. Für den Europameister bedeutete der 15. Sieg in Folge einen neuen Weltrekord.

          Die Sieger waren längst vom Platz getrottet. Sie hatten ihre Pflicht erfüllt, gegen Südafrika durch Tore von David Villa (52. Minute) und Fernando Llorente (72.) 2:0 gewonnen und en passant einen neuen Weltrekord auf- sowie eine alte Weltbestleistung eingestellt: 15 Siege in Serie, das hat die spanische Fußball-Nationalmannschaft seit ihrem jüngsten vollen Erfolg in Bloemfontein exklusiv; 35 Spiele lang ungeschlagen zu sein, das hat zuvor nur Brasilien geschafft; zum 14. Mal in den vergangenen 16 Begegnungen ohne Gegentor geblieben zu sein, auch das war an diesem kühlen Juniabend im Free-State-Stadion eine spezielle Bestmarke.

          Doch sich selbst über Gebühr zu feiern, käme dem Europameister, der in Trainer Vicente del Bosque eine Art Familienoberhaupt gefunden hat, nie in den Sinn. Und so überließ er den Rasen der mit 38.000 Zuschauern gut gefüllten Arena den Verlierern, die in ihrer großen Ungewissheit Arm in Arm einen großen Kreis gebildet hatten. Wenig später war es dann endlich heraus: Da zur selben Zeit in Johannesburg der Irak nur ein 0:0 gegen die in der Gruppe A des Confederations Cups längst abgehängten Neuseeländer erreicht hatte, ist neben Spanien nun auch der Gastgeber dieses Turniers und der kommenden Weltmeisterschaft beim Halbfinale am Mittwoch und Donnerstag dabei. (sieh auch: FAZ.NET-Sonderseite Confederations Cup)

          Banges Hoffen auf Neuseelands Hilfe

          Auch Bafana Bafana freute sich über das für „die Jungs“ glückliche Ende dieses Abends angemessen: Jubelszenen blieben nach einer sportlich nur vor der Halbzeit ordentlichen Leistung aus. Erleichtert stellte sich das gesamte Aufgebot noch einmal am Mittelkreis auf und applaudierte seinem Publikum. Das zumindest war am Samstag in dem südafrikanischen Stadion mit der besten Atmosphäre schon auf Vorschuss WM-reif. So wie in Bloemfontein die Fans das heimische Traditionslied „Shosholoza“ voller Inbrunst sangen und dazu in den buntesten Kostümierungen mit selbstgebastelten Helmen und riesigen gelb-grünen Brillen ihre Mannschaft von vornherein bejubelten, wurde erstmals bei dieser WM-Generalprobe spürbar, wie afrikanisch-emotional die kommende WM von allen, die daran teilhaben, Besitz ergreifen könnte. Der riesige Abwehrrecke Matthew Booth glaubte für einen Moment, „schon den Anstoß der Weltmeisterschaft erlebt zu haben“.

          Südafrika hatte gegen Spanien keine Chance - dennoch geht es im Halbfinale weiter

          Und er durchlebte wie die Fans in der 51. Minute einen rauschhaften Augenblick, als Torhüter Khune einen Foulelfmeter von Villa fabelhaft parierte - und dann den Albtraum, als das Team Südafrika eine Minute später durch ein kunstvolles Tor desselben Spielers erstmals bezwungen wurde. Dass Booth schließlich bangen musste, ob es für die Südafrikaner wunschgemäß zum Halbfinale gereicht hatte, dämpfte die anfängliche Hochstimmung ein wenig. „Es ist nie schön“, sagte Booth, „sich auf ein anderes Team verlassen zu müssen. Doch das Semifinale geschafft zu haben, ist für uns alle eine große Erleichterung. Es war insgesamt ein bitter-süßer Abend.“

          Spanien ist Siegfavorit

          So hat denn das Team von Trainer Joel Santana wenigstens ein erstes Ziel auf dem Weg zur WM erreicht. „Ich glaube, wir haben das ganze Land stolz gemacht“, hob Mittelfeldspieler Teko Modise hervor. Dafür aber reichen die sportlichen Qualitäten seines Aufgebots derzeit noch nicht aus. Es ist beim Confed-Cup dabei geblieben, ohne größere Erwartungen für die Mega-Party 2010 geweckt zu haben.

          Die Spanier dagegen haben in Bloemfontein, wo sie am Mittwoch auch ihr Halbfinalspiel austragen, selbst mit einer von del Bosque auf verschiedenen Positionen veränderten Mannschaft ihren Elitestatus nachgewiesen. Xavi, zum „Man of the Match“ gewählt, sprach vom „schönen Spiel“ als Grundidee des spanischen Kollektivkunstwerks und der ständigen Selbstverpflichtung, „immer besser zu werden“. Der katalanische Musterpass-Schrittmacher im Mittelfeld pries am Samstag del Bosque, den Nachfolger des knurrigen Luis Aragones, als einen Trainer, „der einen richtig guten Job macht“. Der Coach hat die synchronisierte Klasse der Europameister noch mehr verfeinert und noch besser im Teamwork einer von sich überzeugten und in sich ruhenden Mannschaft verankert. „Wir haben jetzt 15 Siege nacheinander erreicht, das ist ein enormer Erfolg“, sagte del Bosque, der den Moment der Niederlage mit der „Furia Roja“ überhaupt noch nicht kennengelernt hat.

          Dass Spanien nun der erste Anwärter auf den Sieg im Confederations Cup am kommenden Sonntag ist, versteht sich. „Wir sind Freunde und haben ein phantastisches Team“, schwärmte Stürmer Fernando Torres, der wie sein Kollege Villa in diesem Turnier schon drei Treffer erzielt hat. „Rekorde“, sagte er, „sind schön, Trophäen noch schöner.“ Torres freute sich auch mit den besiegten und doch glücklichen Südafrikanern. Er ist einer der Botschafter des Internationalen Fußball-Verbandes für die WM 2010. Dort werden die Spanier auch bei den Bafana-Anhängern ganz hoch im Kurs stehen. „Ich fühle mich in diesem Land wie zu Hause“, hat der Madrilene mit dem jungenhaften Aussehen gesagt und sich damit noch mehr Freunde gemacht in einer Nation, die spätestens am Samstag gespürt hat, dass da ein ganz großes Ereignis auf sie zukommt. Bloemfontein war wie ein Wetterleuchten - und so traf es sich gut, dass an diesem festlichen Abend ein Jahr vor der WM niemand als Verlierer nach Hause gehen musste.

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