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FFC Frankfurt : Wenn Frauenfußball zu Damenfußball wird

Schuhe und Gürtel könnten enger werden: Der FFC Frankfurt (im Bild Stürmerin Mandy Islacker) verliert seinen Hauptsponsor Bild: Picture-Alliance

Die Commerzbank beendet das Engagement als Hauptsponsor beim FFC Frankfurt - um sich beim Nationalteam stärker einzubringen. Die Entscheidung kommt zu einem schmerzhaften Moment für den Klub.

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          Welch schöne Worte Sponsoren und Profi-Sportvereine doch immer finden, wenn sie das vornehmlich pekuniäre Interesse in wohlklingendere Sätze zu kleiden versuchen. Dann ist vom Imagetransfer die Rede, von angeblich ähnlichen Philosophien und  – vornehmlich im Fußball - allzu gern vom Doppelpass zwischen den Partnern. Ein Fehlpass passt da eigentlich nichts ins Bild, gehört aber eben im Sport dazu. Gleich serienweise spielte nun Martin Zielke, Vorstandschef der Commerzbank, den Ball am vermeintlichen Mitspieler vorbei, als er am Montag die angebliche Freude über das neue, ausgeweitete Engagement seines Bankhauses als neuem Hauptsponsor der deutschen Frauenfußball-Nationalteam zum Ausdruck bringen sollte.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zunächst vergaß er schlicht und ergreifend, diese Neuigkeit im Zuge seines Schwärmens für die Männer-Nationalmannschaft, den positiven Effekt auf seine Bank und die Verlängerung des Vertrags mit dem Weltmeister bis 2018 zu erwähnen, sodass DFB-Präsident Reinhard Grindel im Zusammenspiel mit der eigens für die kräftig misslungene Veranstaltung eingeflogenen Moderatorin Esther Sedlaczek dies nachholen mussten. Zielke sprach zudem anschließend stets vom Damenfußball, was im Frauenfußball als despektierlich wahrgenommen wird.

          FFC bestätigt Rückzug

          Und so verrät über die neue Einstellung der Commerzbank zum Frauenfußball wohl mehr als das zusätzliche Geld für den DFB die Tatsache, dass das in Frankfurt ansässige, krisengeschüttelte Geldhaus künftig nicht mehr Hauptsponsor des FFC Frankfurt sein wird. Zielke sprach zwar davon, dass noch Gespräche ausstünden. Aber die bereits gedruckte Pressemitteilung erwähnte die Partnerschaft mit den Worten „rund zehn Jahren unterstützte sie den 1. FFC“ bereits in der Vergangenheitsform.

          FFC-Manager Siegfried Dietrich bestätigte denn auch auf Nachfrage, dass er für den Verein einen neuen Trikotsponsor suche, nachdem die Commerzbank auch dank des persönlichen Engagements und Interesses des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller seit 2005 größter Geldgeber gewesen sei. „Ich bin der Commerzbank außerordentlich dankbar für die jahrelange Zusammenarbeit. Die Partnerschaft wurde von der Commerzbank bis hin zu Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und dem ehemaligen Vorstandschef Martin Blessing mit sehr viel Herzblut gelebt. Das war für den Frauenfußball richtungsweisend“, sagte Dietrich. Die Commerzbank bleibe dem FFC aber immerhin als Sponsor der zweiten Reihe bis mindestens 2018 treu.

          Der Rückzug ist für den Klub ein schwerer Schlag in einer sportlich schwierigen Situation: Durch das Verpassen von DFB-Pokalfinale und Champions League sind dem Bundesliga-Dritten zuletzt wichtige Einnahmequellen verloren gegangen. Manager Dietrich hatte deshalb bereits angekündigt, dass der FFC vorerst nicht mehr um den Meistertitel werde mitspielen können.

          Allerdings betonte Dietrich nun auch, dass alle wesentlichen Partner dem Klub mindestens bis 2018 treu blieben, zum Teil auch mit verstärktem Engagement. Zudem sei er zuversichtlich das frei gewordene “Sahnestückchen“ des Trikotsponsors in den kommenden Wochen verkaufen zu können. „Wir werden deshalb auf jeden Fall konkurrenzfähig bleiben in der Bundesliga“, sagt Dietrich. Mit anderen Worten: Fußball wird es auch weiterhin geben am Brentanobad und nicht etwa Damenfußball.

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