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Commerzbank-Arena : Kalte Dusche aus der Wasserbeule

  • -Aktualisiert am

„So gesehen hat unser Dach sehr gut funktioniert” Bild: dpa/dpaweb

Nach dem denkwürdigen Confederations Cup-Endspiel in Frankfurt hatten die für den Bau des Stadions Verantwortlichen Mühe, glaubhaft zu versichern, daß sie sich trotz des Wasserfalls vom Dach nicht wie begossene Pudel fühlten.

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          Das Confederations Cup-Endspiel vom Mittwoch abend wird wohl oder übel in die Fußball-Annalen eingehen. Vielleicht, weil die Brasilianer die Argentinier bei ihrem 4:1 Sieg in der Frankfurter Commerzbank-Arena an die Wand gespielt und die Zuschauer mit ihrer Spielkunst begeistert haben, ganz sicher aber, weil das neue, mehr als 20 Millionen Euro teure, verschließbare Stadiondach noch nicht ganz dicht war.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der kleine Wasserfall, der an der Eckfahne vor der Einfahrt Ost auf das Spielfeld prasselte, ergoß sich via Fernsehen in Millionen Wohnzimmer in aller Welt, und die für den Bau des Stadions Verantwortlichen hatten am Donnerstag Mühe, glaubhaft zu versichern, daß sie sich trotz des Wassereinbruchs nicht wie begossene Pudel fühlten.

          „Keineswegs defekt“

          Das Dach sei keineswegs defekt gewesen, erklärten der Architekt und der für das Stadion verantwortliche Bauleiter in einer Pressekonferenz. An der Eckfahne, wo das Wasser während des Finales aufs Spielfeld geströmt sei, habe sich eine "Wasserbeule" in der PVC-Abdeckung gebildet, weil diese dort nicht richtig gespannt gewesen sei. Als die aufgestaute Flüssigkeitsmenge für den vorhandenen Ablauf zu groß geworden sei, sei das Wasser über einen für solche Notfälle geschaffenen Sicherheits-Überlauf ins Stadion geströmt. "So gesehen hat unser Dach sehr gut funktioniert", sagte Bauleiter Istvan Tyukodi. Und bis zur Weltmeisterschaft werde sichergestellt, daß so etwas nicht noch einmal passiere.

          Von oben aus der „Wasserbeule” in der PVC-Abdeckung...

          31 Jahre nach der Wasserschlacht zwischen Deutschland und Polen nun also die Wasserbeule von Frankfurt. Mag sein, daß auch diesmal mit den Jahren aus einer Panne ein Imagegewinn wird. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 versagte die Drainage des Waldstadions, und der Rasen ähnelte einer Seenplatte. Peinlich, peinlich - und doch hatte Frankfurt ob dieses denkwürdigen Versagens drei Jahrzehnte lang eine hervorragende PR.

          „Bewährungsprobe bestanden“

          Sportdezernent Joachim Vandreike (SPD), der am Donnerstag nicht in Frankfurt war, stellte denn auch auf Anfrage klar, daß das Dach aus seiner Sicht seine Bewährungsprobe unter extremen Witterungsverhältnissen bestanden habe. "Ohne das Dach hätte es am Mittwoch abend überhaupt kein Spiel gegeben." In jedem anderen für die Weltmeisterschaft 2006 vorgesehenen Stadion - außer in der ebenfalls oben verschließbaren Arena auf Schalke - hätte die Begegnung bei derart starkem Dauerregen, Gewitter und Sturm unterbrochen oder gar abgesagt werden müssen, ergänzte Vandreikes Sprecher Ralph Klinkenborg in der Pressekonferenz. Von einer "Blamage" für Frankfurt und die Stadionbauer könne daher keine Rede sein. "Und die Sicherheit der Zuschauer oder der Spieler war zu keiner Zeit gefährdet."

          Klar ist indes auch Vandreike, daß in der erst zum Confederations Cup fertiggestellten, 188 Millionen Euro teuren Commerzbank-Arena bis zur Fußball-Weltmeisterschaft gerade in Sachen Bequemlichkeit für die Zuschauer noch einiges zu tun bleibt. Beispielsweise gilt es zu verhindern, daß die Gäste auf den oberen Rängen bei schlechtem Wetter weiterhin im Regen sitzen, weil für den Rauchabzug im Brandfall eine Lücke zwischen Stadiondach und Außenmauer offenbleiben muß.

          "Der Cup war eine tolle Veranstaltung für Frankfurt", bilanzierte der Sprecher von Sportdezernent Vandreike dennoch gestern - und das zu Recht. Denn tatsächlich war die "Mini-WM" eine hervorragende Werbung, sowohl für den Fußball als auch für die Mainmetropole. Daran kann auch das Wasser, das am Mittwoch abend in den Wein der Freude geströmt ist, grundsätzlich nichts ändern.

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