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Comeback : Jürgen Klinsmann alias Jay Goppingen

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Seit seinem Abschied aus dem Rampenlicht des Spitzenfußballs hat sich der Schwabe größte Mühe gegeben, ein Leben ohne Schlagzeilen und Autogramme zu führen.

          Seit seinem Abschied aus dem Rampenlicht des Spitzenfußballs hat sich Jürgen Klinsmann größte Mühe gegeben, ein Leben ohne Schlagzeilen und Autogramme zu führen. Was in Deutschland nicht möglich wäre, funktioniert in den Vereinigten Staaten problemlos. Klinsmann, der am kommenden Mittwoch 39 Jahre alt wird, lebt mit seiner kalifornischen Ehefrau und mit seinem Sohn in Newport Beach, einem idyllischen Städtchen am Pazifischen Ozean, in der Mitte zwischen Los Angeles und San Diego. Dort bewegt sich Klinsmann, der Weltmeister von 1990, praktisch unerkannt - Jürgen Who? Die neue Anonymität des Jürgen K. geht sogar so weit, daß er in diesem Jahr ein Comeback als Fußballer gegeben hat, ohne daß dies bis vor kurzem jemandem aufgefallen wäre. Klinsmann spielt für die Orange County Blue Star aus Newport Beach in der Premier Development League (PDL), hinter der Major League Soccer (MLS) und der A-League die drittstärkste Liga des Landes.

          Nun sollte niemand auf die Idee kommen, in den PDL-Statistiken nach Klinsmann zu suchen - offiziell gibt es keinen Jürgen Klinsmann in der PDL und damit auch kein Comeback des Deutschen. Blue-Star-Coach Nick Theslof spricht mit keinem Journalisten über seinen Star, die Mitspieler Klinsmanns sind vom Verein zum Schweigen verdonnert worden, und in der Ligazentrale gibt es nur einen offiziellen Kommentar zum Thema - no comment.

          Klinsmann selbst hüllt sich zu dieser Geschichte ebenfalls in Schweigen. Einzig auf der Website eines Gegners des Teams aus Newport Beach wurde der geheimnisvolle Blonde erwähnt. Das einzige Tor von Blue Star, hieß es im Spielbericht der Southern California Seahorses sei nach einem Paß des europäischen Stars "Jorgen Klinsmann" zustande gekommen. Gemeint war natürlich Jürgen Klinsmann, doch allzu streng sollte man mit dem Autor nicht umgehen - immerhin war er der einzige, der es wagte, den Namen Klinsmann im Zusammenhang mit der Premier Development League zu nennen. Bei allen anderen heißt Klinsmann nicht Klinsmann, sondern wird als Jay Goppingen geführt. Die "San Diego Union Tribune" fand jetzt heraus, daß es sich bei Jay Goppingen um Jürgen Klinsmann handelt. Die Geheimnistuer in Newport Beach hatten den genialen Einfall gehabt, Klinsmanns Geburtsort Göppingen leicht abzuwandeln und als Pseudonym zu nutzen. Klinsmann alias Goppingen war bei acht von achtzehn Spielen seines Teams dabei, schoß fünf Tore und hat drei Assists auf seinem Konto, womit er den Blue Stars zur Play-off-Teilnahme verhalf. In Spokane (US-Bundesstaat Washington) spielen sie an diesem Wochenende um den Einzug ins große Finale, wobei nicht unbedingt anzunehmen ist, daß Goppingen alias Klinsmann dort mitspielen wird. Erstens ist der schwäbische Familienmensch am liebsten zu Hause und hat nach zwanzig Jahren als Profi in Deutschland, Frankreich, Italien und England keinerlei Lust mehr auf Reisen zu Auswärtsspielen, und zweitens ist man in Newport Beach ziemlich verschnupft darüber, daß das kleine Geheimnis um Klinsmann-Goppingen jetzt keines mehr ist.

          Unklar ist, ob Klinsmann auch in Zukunft für Orange County Blue Star kicken wird, zumal sein Leben auch ohne Soccer-Spiele ausgefüllt ist. Klinsmann arbeitet für die Sportmarketingfirma Soccer Solutions, tritt als Werbeträger für mehrere deutsche Firmen auf und ist außerdem als Botschafter für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ein gefragter Mann. In den Vereinigten Staaten wird er sich auch dann weitgehend unerkannt bewegen können, wenn er in Zukunft unter seinem richtigen Namen Fußball spielen sollte. Mehr als 300 Fans sind bei den Spielen in der PDL nur selten zu finden, und die meisten von ihnen haben jemals weder von Jay Goppingen noch von Jürgen Klinsmann gehört.

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