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Baldiger WM-Ausrichter? : China setzt auf deutsches Fußball-Knowhow

  • -Aktualisiert am

Bester Laune: Der chinesische Bildungspolitiker Hao Ping und DFB-Präsident Reinhard Grindel Bild: dpa

Chinas Staatspräsident Xi Jinping will unbedingt eine Fußball-WM ausrichten. Damit das gelingt schließt seine Regierung ein Abkommen mit der deutschen. Aber warum kommt es ausgerechnet im Kölner Geißbockheim zum offiziellen Treffen?

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          Liu Yandong ist eine freundliche ältere Dame. Die stellvertretende Ministerpräsidentin der Volksrepublik China betritt am Samstag beinahe andächtig als Erste der vielköpfigen Funktionärsdelegation die nur für ihren Besuch im Kölner Geißbockheim hergerichtete, provisorische Ruhmeshalle des deutschen Fußballs. Auf weißen Säulen stehen dort der DFB-Pokal, die Meisterschale und in prächtigem 18-karätigen Gold auch der Fifa-WM-Pokal. Und weil Löwen in Köln keinen Sinn machen, bewachen wie in einem Tempel links und rechts zwei lebensgroße Maskottchen des FC, Geißböcke aus Gips und mit rot-weißem FC-Fanschal um den Hals, die Kostbarkeiten.

          Die hochrangige Delegation aus China war am Vortag in Berlin bei Bundeskanzlerin Merkel und hatte auf Regierungsebene eine Vereinbarung beider Länder zur Zusammenarbeit im Fußball unterzeichnet. Die Chinesen sagen, sie seien zum Lernen nach Deutschland gekommen. Frau Yandong hat überdies einen Auftrag von Staatspräsident Xi Jinping: „Der Präsident hat drei Ziele: erstens die Ausrichtung der Fußball-WM in China, zweitens, dass China irgendwann Weltmeister wird, und drittens die Wiederbelebung des Fußballs in China.“

          „Thema liegt beiden Ländern am Herzen“

          Dabei helfen soll die zunächst auf fünf Jahre ausgelegte Kooperation mit dem Weltmeister aus Deutschland. „Dass die Bundeskanzlerin im Juni in China mit Staatspräsident Xi Jinping über eine Kooperation in diesem Bereich sprach und wir heute schon hier sitzen, zeigt, dass dieses Thema beiden Ländern am Herzen liegt. Wir wollen hier und heute beginnen, die Partnerschaft mit Leben zu füllen“, sagt Reinhard Rauball, Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Vizepräsident im DFB-Präsidium.

          Das Restaurant Geißbockheim mutet an diesem Tag an wie ein internationales Tagungszentrum. An der Wand hängen Banner mit chinesischen Schriftzeichen, die Dimension des Sitzungstisches in der Mitte des Raumes erinnert an Nachrichtenbilder aus Brüssel oder New York. Neben dem FC Köln sind auch Vertreter des FC Bayern München, von Borussia Dortmund und Schalke 04 anwesend. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist da, für den DFB sitzt auch Generalsekretär Friedrich Curtius mit am Tisch. Er sagt: „Wir wollen unser Wissen teilen und haben dazu konkrete Maßnahmen vereinbart. Zum Beispiel in der Trainer- und Schiedsrichterausbildung und in Form von Austauschprogrammen talentierter Jugendlicher. Ich sehe auch ein großes Potential darin, China bei einer WM-Bewerbung zu unterstützen.“ Simultandolmetscherinnen übersetzen, Liu Yandong lächelt.

          Abkommen des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga mit dem chinesischen Bildungsministerium und dem chinesischen Fußballverband sollen im Reich der Mitte helfen, den ehrgeizigen Fünfjahresplan fußballerischer Aktivitäten voranzubringen. Frau Yandong sagt, die Kooperation sei ein Segen für die ganze Welt. „Schon der Adler im Wappen der deutschen Nationalmannschaft zeigt, wie mutig und zäh sie für den Sieg kämpfen“, meint die 70-Jährige aus dem Politbüro der Kommunistischen Partei anerkennend.

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          Rund 1,3 Milliarden Menschen leben in China. „300 Millionen Fußballer in China sehnen sich nach Ihrer Erfahrung, und alle lieben Ihre Stars“, sagt sie - und die deutschen Gastgeber hören es gerne. „Das ist natürlich eine Win-win-Situation“, fasst DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius später in kleinem Kreis zusammen und ergänzt: „China ist im Fußball ein schlafender Riese, die Potentiale sind noch nicht geweckt. Da ist noch mehr herauszukitzeln.“

          Es bleibt die Frage, weshalb die Chinesen ausgerechnet nach Köln gekommen sind. München wäre auch ein lohnendes Ziel gewesen, Dortmund oder vielleicht sogar Leipzig. Es sei jedoch der persönliche Wunsch von Liu Yandong gewesen, an den Rhein zu kommen, heißt es. Denn die freundliche ältere Dame aus Peking wollte auch unbedingt den Kölner Dom besichtigen.

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