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Copa América : Chile krönt sich zum neuen König Südamerikas

  • -Aktualisiert am

Der Chilene Alexis Sanchez feiert den Turniersieg. Bild: dpa

Im eigenen Land gewinn Chile erstmals die Copa América. Finalgegner Argentinien verliert im Elfmeterschießen die Nerven. Lionel Messi verpasst damit eine weitere Chance auf einen Titel.

          Seinen besten Moment dieses Turniers hatte sich Alexis Sanchez für den Schlusspunkt aufbewahrt: Schlitzohrig und fast unverschämt schlenzte der Stürmer des FC Arsenal den vierten chilenischen Elfmeter in Panenka-Manier in die Mitte des argentinischen Gehäuses. Da hatte sich Sergio Romero schon längst in eine Ecke seines Tores verabschiedet und mit ihm auch der Traum vom ersten Titel der „Albiceleste“ seit 1993. Weil für Chile zuvor Fernandez, Vidal sowie Aranguiz trafen, während die Argentinier Ever Banega und Gonzalo Higuain vom Punkt scheiterten, hieß der Sieger Chile.

          Für die Gastgeber war es der Startschuss für eine gewaltige Party, die nach dem dramatischen 4:1 (0:0, 0:0) im Elfmeterschießen selbst im kleinsten Andendorf startete. Chile gewann die Copa América 2015 im eigenen Land, für Argentinien blieb wie so oft nur die Rolle des Gratulanten. „Ich finde keine Erklärung, vielleicht bin ich schuld, das ist eine Folter“, sagte ein am Boden zerstörter Javier Mascherano, noch der beste Argentinier an diesem Tag.

          Lionel Messi sah indes nach seinem verwandelten Elfmeter der weiteren Lotterie fassungslos und mit Tränen in den Augen zu, wie ihm eine weitere Chance auf einen Titel durch die Hände glitt. Bei der WM 2018 in Russland, der nächsten Chance, werden er und all die anderen aktuellen Leistungsträger bereits die magische Grenze von 30 Jahren überschritten haben. Vielleicht aber versucht es Messi auch im nächsten Jahr bei der Sonder-Jahrhundertausgabe der Copa América mit 16 Mannschaften in den Vereinigten Staaten noch einmal. Chiles argentinischer Trainer Jorge Sampaoli jubelte dagegen: „Das ist unbezahlbar, unvergesslich und dauert hoffentlich noch lange an.“

          Diaz mit überragendem Auftritt

          Sampaoli, seit drei Jahren höchst erfolgreich für die Geschicke von „La Roja“ verantwortlich, hatte seiner Mannschaft ein interessantes taktisches Rüstzeug verpasst. Er ließ den Hamburger Bundesliga-Profi Marcelo Diaz eine Art Libero zwischen Abwehr und Mittelfeld spielen. Diaz lieferte eine überragende Partie ab. Für Freunde spieltaktischen Verhaltens war sein Auftritt eine Augenweide, denn er fungierte nicht nur als wichtiger Ballverteiler, sondern auch als Prellbock, wenn die argentinische Offensivmaschine um Messi, Angel di Maria und Sergio Agüero ins Laufen kam. „Das ist ist die beste Generation Chiles aller Zeiten", jubelte Diaz.

          Lionel Messi und Argentinien holen auch bei der Copa den Titel nicht Bilderstrecke

          Dass Argentiniens Angriff funktionierte, passierte allerdings eher selten, denn di Maria, der Schlüsselspieler von Trainer Tata Martino, der die Lücken für Messis Sprints reißen sollte, musste bereits Mitte der ersten Hälfte verletzt raus. Messi tat sich anschließend schwer, fand eigentlich nie zu seinem Spiel. Wo immer er auch hinlief, fast immer war Diaz oder ein anderer Chilene schon da.

          Mascherano nah der Verzweiflung

          Der mehrfache Weltfußballer hat offenbar ein mentales Problem mit Finalspielen seiner Nationalmannschaft. Bereits 2007 im venezolanischen Maracaibo, 2014 im WM-Finale gegen Deutschland und nun in Santiago blieb Messi weit hinter dem, was er an guten Tagen abzurufen weiß. Nur ein einziges Mal gelang es Messi wirklich gefährlich zu enteilen, doch Higuain konnte die Chance nicht nutzen.

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