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Copa Amércia : Warum Argentinien Südamerikas Fußball beherrscht

  • -Aktualisiert am

Superstar mit Ladehemmung: Lionel Messi (Nummer 10) traf bei der Copa erst ein Mal Bild: AFP

Nicht Brasilien, sondern Argentinien ist die Fußball-Hegemonialmacht Lateinamerikas. Nicht nur in den Nationalteams und Klubs des Kontinents haben Argentinier die Macht übernommen.

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          Sogar in César Luis Menotti haben sie einen richtigen Darsteller gefunden. Der langmähnige charismatische Weltmeistertrainer Argentiniens aus dem Jahr 1978 hat zwar nicht wirklich etwas mit der Karriere Lionel Messis zu tun, aber auch er hat seinen Platz in der Reality-Doku mit dem schlichten Namen Messi. In einem Restaurant sitzend, weissagt Menotti seinen staunenden Zuhörern bei einem exklusiven Abendessen, welch atemraubende Karriere diesem Jungstar bevorstehe.

          Die TV-Doku wird derzeit im in allen lateinamerikanischen Ländern ausgestrahlt und zeigt das Leben des Superstars werbewirksam zerlegt in einzelne Folgen. Auch Diego Maradona wird irgendwann zu Wort kommen, die drei wichtigsten „M“ des argentinischen Fußballs sind dann in einem Streifen vereint: Menotti, Maradona und Messi.

          Nicht nur diese kleine Episode zeigt, wie bestimmend die argentinische Fußball-Kultur derzeit in Lateinamerika ist. Nicht Brasilien, das sich ohnehin als ein eigener Kontinent versteht, sondern Argentinien ist die Fußball-Hegemonialmacht Lateinamerikas. Im Halbfinale der Copa América, die am Samstag mit dem Endspiel Argentinien gegen Gastgeber Chile (22.00 Uhr / MESZ) zu Ende geht, waren vier argentinische Trainer für die vier Mannschaften verantwortlich.

          Ramon Díaz (Paraguay) ist eine Klublegende von River Plate aus Buenos Aires, Ricardo Gareca (Peru) sorgte als Klubtrainer in Argentinien für Furore, Jorge Sampaoli (Chile) machte vor allem im südamerikanischen Ausland Trainerkarriere, und Argentiniens Tata Martino, der beim FC Barcelona scheiterte, hatte bereits mit Paraguay das Finale der Copa America 2011 erreicht. „Fútbol buen asado“ (Fußball gut durch) spotten einige Journalisten in Chile dann auch mit Blick auf die Grillnation Argentinien.

          Chile mit dem argentinischen Trainer Jorge Sampaoli wartet im Finale der Copa
          Chile mit dem argentinischen Trainer Jorge Sampaoli wartet im Finale der Copa : Bild: Reuters

          Die Macht Argentiniens wirkt bis in den letzten Winkel des südamerikanischen Fußballmarktes hinein. Im einheitlichen Sprachraum von Tijuana bis Feuerland sind kontinentale Sportsender gegenüber nationalen Programmen klar im Vorteil. Es gibt keine Sprachbarrieren, kein Kanal endet an der Landesgrenze - das eigenständige Brasilien einmal ausgenommen. Stattdessen wird aus Buenos Aires kräftig Fußballpolitik am Mikrofon betrieben. Die Kommentatoren von Fox Sports und ESPN sind in der Mehrzahl Argentinier, die wichtigsten Produktionsstätten stehen in Buenos Aires. Von hier aus wird der Superclásico zwischen River Plate und Boca Juniors so promotet wie in Europa das Duell zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona.

          Zwar hat sich auch in Europa der ein oder andere Journalist in Richtung Spielerberatung abgesetzt, doch in Buenos Aires unterscheiden viele Reporter schon gar nicht mehr zwischen Berichterstattung und Beratung. „Nebenbei“ fungiert so manch einflussreicher Sportreporter auch als Zwischenhändler bei Spielertransfers. Wer Einfluss auf dem ganzen Kontinent hat, also Zugriff auf den Markt von Mexiko bis Chile, der ist ein gefragter Gesprächspartner bei den Klubs und Spielerberatern. In Buenos Aires werden Noten gegeben, der Daumen über wackelnde Trainer gesenkt und auch so manche Polemik gestartet, die sogar den Markt in Venezuela oder Guatemala erschüttert.

          Und auf den Tribünen ist immer der ein oder andere Maradona dabei
          Und auf den Tribünen ist immer der ein oder andere Maradona dabei : Bild: Reuters

          Natürlich sind es auch argentinische Vermarktungsfirmen, die mit den TV-Rechten Geschäfte machten. Der TV-Sender und Rechtevermarkter „TyD“ ist kontinental im Einsatz. Jahrzehntelang konnte Argentiniens inzwischen verstorbener Fußballpate Don Julio Grondona dieses Netzwerk als Verbandschef steuern. Dass es auch drei argentinische Rechtemanager sind, die tief in den Korruptionsskandal rund um den südamerikanischen Fußballverband Conmebol und seinen nord- und mittelamerikanischen Gegenpart Concacaf verstrickt sind, überrascht deshalb nicht.

          Argentiniens langer Arm setzt sich bis ins Klubleben fort. Viele große Klubs werden von argentinischen Trainern betreut. Ricardo Lunari zum Beispiel betreut die Millonarios im kolumbianischen Bogotá, Nestor Craviotto den „Club The Strongest“ in La Paz. Kaum eine Liga in Südamerika, die nicht von Trainern aus dem Land des zweimaligen Weltmeisters geprägt oder gar dominiert wird. Die Trainer, gefördert von mächtigen Freunden in der TV-Basis in Buenos Aires, haben so wiederum Zugriff auf die wichtigsten Talente im spanischsprachigen Teil des Kontinents. Und so schließt sich der Kreis, und so breitet sich das argentinische Fußballnetzwerk immer mächtiger aus.

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