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Chile bei der Copa : Von wegen zu alt, zu faul und zu betrunken

  • -Aktualisiert am

Wieder im martialischen und hochmotivierten Look mit Iro: Chiles Arturo Vidal will angreifen. Bild: EPA

Chile ist bei der Copa América hochmotiviert. Das hat mit einem Vorwurf der Frau des mittlerweile aussortierten Torhüters Bravo und dem sogenannten „Pakt von Lima“ zu tun.

          Die heikelste Mission führte Chiles Trainer Reinaldo Rueda vor ein paar Wochen nach Augsburg. Dort suchte der Kolumbianer das Gespräch mit Charles Aránguiz, einem der anerkannten Meinungsführer der chilenischen Fußball-Nationalmannschaft. Der in Brasilien bislang überzeugend aufspielende Aránguiz war im Schwäbischen mit Bayer Leverkusen zu Gast gewesen. Das Gespräch in Augsburg war Teil einer Europa-Reise, auf der sich der kolumbianische Trainer Chiles ein Meinungsbild über eine brisante Personalie verschaffte, die wie ein Schatten auf der Nationalmannschaft lag.

          Am Ende kam Rueda zu einer folgenschweren Entscheidung: Für Torhüter Claudio Bravo war kein Platz mehr in der Mannschaft des Copa-América-Siegers von 2015 und 2016. Bravo, vor allem bei den Siegen im Elfmeterschießen einer der Schlüsselspieler bei diesen Turniererfolgen, war bei seinen Kollegen in Ungnade gefallen. Bravos Ehefrau Carla Pardo hatte nach der gescheiterten Qualifikation zur WM 2018 in Russland schwere Vorwürfe gegen dessen Teamkameraden erhoben. Die ganze Welt wisse, dass es Spieler gegeben habe, die gefeiert hätten und zu betrunken gewesen seien, um zu trainieren. Gemeint war Arturo Vidal, der damals noch beim FC Bayern unter Vertrag stand. Seitdem war das Tischtuch zerschnitten zwischen Vidal und Bravo, dem einige im Kader Verrat vorwarfen. Bravos Nachfolger als Kapitän, Gary Medel, räumte vor der Copa ein, dass es die Probleme gab: „Beide Seiten haben Fehler gemacht.“

          Ein „Argentinier“ ist Bravos Nachfolger

          Trainer Rueda lotete aus, ob es nach einer längeren Verletzungspause für Bravo wieder einen Platz in der „La Roja“ geben könnte. Doch sollen sich mindestens zwei der Stammspieler gegen dessen Rückkehr ausgesprochen haben. Inzwischen steht Gabriel Arias zwischen den Pfosten. Eigentlich ist Arias Argentinier, aber er ist als Chilene nationalisiert. Die chilenischen Fans ließen ihn ihre Abneigung spüren, in den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik und Spott. Die Fußstapfen des immer noch populären Bravo seien viel zu groß. Eine Prise Ausländerfeindlichkeit steckte auch in der Abneigung. Nach dem gewonnenen Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Kolumbien wehrte sich der Torhüter mit einem Post in den sozialen Netzwerken. „Die Unterschiede bereichern uns, der Respekt vereint uns.“ Er habe unter den üblen Anfeindungen gelitten, räumte Arias ein. Sein Post war ein Hilferuf. Und prompt gab es endlich die erhoffte verbale Unterstützung der Fans.

          Daumen hoch: Bei der Copa América können Arturo Vidal und seine Mannschaft gegen Peru den Finaleinzug perfekt machen.

          Diese Gemengelage rund um Bravo erklärt, warum die chilenische Nationalmannschaft bei dieser Copa América bis in die Haarspitzen motiviert scheint. Es gilt einerseits, die peinliche Scharte der verpassten WM-Qualifikation auszuwetzen. Noch mehr aber will die in ihrer Ehre gekränkte Generation Vidal dem Kritiker Bravo beweisen, dass sie noch nicht zu alt, zu betrunken und zu faul zum Gewinnen ist. Im Halbfinale trifft „La Roja“ nun an diesem Mittwoch in Rio de Janeiro auf das Überraschungsteam aus Peru (2.30 Uhr live auf DAZN).

          Ohne seinen Intimfeind Bravo lebt Vidal nun so richtig auf. „Wir wollen mit dem Titelhattrick Geschichte schreiben. Das ist unser Traum. Deswegen wollen wir unser bestes Spiel bei dieser Copa jetzt gegen Peru zeigen“, kündigte Vidal an. Außerdem gibt es noch eine andere Rechnung zu begleichen. Das 1:1 zwischen Peru und Kolumbien, das als der „Pakt von Lima“ in die Geschichte einging, besiegelte am letzten Spieltag der südamerikanischen WM-Qualifikation das Aus der Chilenen. Für Trainer Rueda hat Vidal nur lobende Worte. „Er ist eine großartige Person. Ein großer Trainer, der die Qualität hat, eine so schwierige Gruppe wie unsere zu führen.“ Und der sich für Vidal und gegen Bravo entschied.

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