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Klopp unterliegt Tuchel : „Das ist ein schwerer Schlag“

Zuhause ist es nicht mehr am schönsten: Jürgen Klopp und der FC Liverpool verlieren schon wieder im eigenen Stadion. Bild: AFP

Thomas Tuchel gewinnt auch in Liverpool und baut seine starke Bilanz bei Chelsea aus. Für Jürgen Klopp spitzt sich die Krise immer mehr zu. Der Frust ist groß nach dem deutschen Trainer-Duell.

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          Auch den letzten Ansturm des Abends wehrten die Spieler des FC Chelsea souverän ab. Aufgekratzt vom 1:0-Sieg beim FC Liverpool in der englischen Premier League lief Trainer Thomas Tuchel nach Abpfiff auf den Rasen und klatschte jeden seiner Gewinner emotional ab. Solche Reaktionen nach einer Partie sind eigentlich eher die Sache von Jürgen Klopp. Doch der Liverpooler Coach zog im deutschen Duell der Trainer den Kürzeren und schlich enttäuscht über das Grün. Nach 68 ungeschlagenen Heimspielen in der Liga setzte es nun gar die fünfte Niederlage in Serie. Mason Mount erzielte mit einem feinen Schuss in der 42. Minute das goldene Chelsea-Tor.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Tuchel war ziemlich begeistert von seiner Mannschaft. „Wir haben mutig gespielt. Und wir haben nie die Einstellung, das Verlangen verloren. Es ist ein verdienter Sieg, eine sehr gute Teamleistung“, sagte der glückliche Trainer, der das Team erst Ende Januar übernommen hatte. Zehn Spiele sind seither absolviert, verloren hat Tuchel nicht eines. Sieben Siege und drei Unentschieden sind eine starke Bilanz. In der Champions League ist das Viertelfinale nach dem 1:0 im Hinspiel bei Atlético Madrid zum Greifen. Und in der Premier League hat sich Chelsea unter Tuchel vom zehnten auf den vierten Platz nach vorne gearbeitet.

          Das liegt auch an der neuen Ordnung der „Blues“. Vorgänger Frank Lampard war zwar bei den Fans äußerst beliebt aufgrund seines Legendenstatus, den er sich als Spieler erarbeitet hat, doch als Coach zeigte er einige Mängel. Der erfahrenere Tuchel hat es in kürzester Zeit geschafft, der Mannschaft die Struktur zu geben, die zum Erfolg führt. In Liverpool war sichtbar, warum es in den zehn Partien erst zwei Gegentore gab. Die „Reds“ hatten kaum Chancen. Und wenn doch einmal ein Ball in die Nähe des Tores kam, verteidigte Chelsea kompromisslos. Torwart Edouard Mendy musste kaum eingreifen.

          Timo Werner hat einiges Pech

          Manchester City an der Spitze dürfte enteilt sein, doch die Aussichten von Chelsea, doch noch in die Champions League zu kommen, haben sich in den vergangenen fünf Wochen stark gebessert. Nach dem Sieg im „Sechs-Punkte-Spiel“ (Tuchel), für den es selbstredend nur drei Punkte gab, war er angriffslustig: „Das Rennen läuft, es sind noch elf Spiele. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen. Wir können uns niemals ausruhen und nie feiern, dafür ist keine Zeit.“ Manchester United als Zweiter hat vier Punkte mehr, Leicester City drei. Der FC Everton liegt einen Punkt hinter Chelsea, West Ham United zwei; beide haben aber noch ein Nachholspiel. Liverpool ist nur Siebter, vier Punkte hinter Tuchels Elf.

          Während an der Seitenlinie Klopp und Tuchel ihre Mannschaften dirigierten, saß Kai Havertz beim FC Chelsea lange auf der Bank. Er kam erst in der Nachspielzeit für Timo Werner. Antonio Rüdiger war bei den „Blues“ 90 Minuten lang ein starker Rückhalt in der Dreierabwehrkette. Werner zeigte auch eine gute Leistung, hatte aber einiges Pech, das sich einreiht in die lange Torlosigkeit des deutschen Nationalspielers. Nach gutem Beginn in London nach seinem Wechsel im Sommer aus Leipzig hatte er lange nicht getroffen. Erst Mitte Februar beendete er seine Durststrecke gegen Newcastle.

          In Liverpool war Werner vorderste Spitze im Chelsea-System und arbeitete viel für die Mannschaft. Bei einem Konter jagte er den Ball nach guter Annahme knapp über das Tor (11.), dann wollte er den in den Strafraum springenden Spielgerät frei über den Torwart heben, war jedoch viel zu lasch und schob ihn Alisson Becker in die Arme (16.). Danach lag der Ball sogar im Tor. Einen langen Ball legte er am herausstürzenden Alisson vorbei und schob ihn ein. Der Videoassistent sah ihn jedoch um Zentimeter im Abseits; der Treffer wurde nicht anerkannt (24.). Auch in der zweiten Halbzeit fehlte jeweils wenig, um einen hohen Ball zu verwerten (56.) und Alisson mit einem Tunnel zu bezwingen (77.). Lob gab es dennoch: „Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung“, sagte Tuchel.

          Und es reichte ja auch so zu drei Punkten für Chelsea. Klopp war einigermaßen bedient. „Das ist ein schwerer Schlag“, sagte der Liverpooler Trainer am späten Donnerstagabend beim TV-Sender Sky Sports. „Es ist noch nicht vorbei, aber wir müssen Fußballspiele gewinnen.“ Das tat seine Mannschaft in den vergangenen Wochen viel zu selten. „Wenn wir diese Spiele verlieren, haben wir nicht das Recht, in die Champions League einzuziehen. Wir müssen unsere Qualitäten in den entscheidenden Momenten zeigen“, sagte Klopp. „Leider tun wir das zu oft nicht.“ Es sei ärgerlich, immer wieder über die gleichen Dinge reden zu müssen. „Es ist hart. Wir müssen stur sein und uns durchkämpfen.“

          Eine Wende zum Besseren hätte es kurz nach der Pause geben können. Roberto Firminos Hereingabe blockte Chelsea-Spiele N’golo Kanté mit dem hochgehobenen Arm ab. Doch weder Schiedsrichter Martin Atkinson noch sein Videoassistent sahen einen Grund für einen Elfmeter. Klopp sprach nach dem Spiel diese Szene, über die man sich zurecht hätte echauffieren können, gar nicht mehr an. Zu tief sitzt offenbar der Frust über die verzwickte Lage. Schon am Sonntag kommt der FC Fulham nach Liverpool, dann wollen Klopp und Co. die miese Heimserie beenden. Danach geht es wieder nach Budapest, zum Champions-League-Rückspiel gegen Leipzig.

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