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Chelsea gegen Barcelona : Wankende Säulen an der Stamford Bridge

  • Aktualisiert am

Nach Sperre wieder mit an Bord: Michael Ballack Bild: dpa

Es ist für viele Fußball-Fans das Traumduell schlechthin. Ballack-Klub Chelsea trifft an diesem Mittwoch in der Champions League auf Barcelona. Auf dem Platz stehen dann so viele Top-Stars wie im WM-Endspiel 2006 - sie sind nur besser eingespielt.

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          Die beiden führenden Fußballnationen haben in 76 Weltmeisterschaftsjahren ein einziges Mal gegeneinander gespielt: Brasilien gegen Deutschland, Finale 2002. Die beiden führenden Fußballklubs tun es binnen nicht mal zwei Jahren zum fünften Mal - und in zwei Wochen gleich noch einmal. Chelsea gegen Barcelona, das ist ein Beweis für den Erfolg der Champions League. Hier muß der Kunde auf den Vergleich der größten Künstler nicht vier Jahre warten, hier bekommt er ihn im Wochenrhythmus.

          Diesen Mittwoch an der Stamford Bridge (20.45 Uhr live im FAZ.NET-Liveticker) werden sich zehn der dreißig Spieler gegenüberstehen, aus denen der „Weltfußballer des Jahres 2006“ gewählt wird; und 16 der 50 von der Auswahlliste zu „Europas Fußballer des Jahres“. Es sind damit exakt so viele Top-Stars wie im WM-Endspiel 2006 - nur besser eingespielt. Keine WM-Partie 2006 kam von der Qualität etwa an den 4:2-Sieg von Chelsea gegen Barca im März 2005 heran. Die WM bleibt Maßstab dessen, was Fußball emotional erreichen kann. Für das, was er spielerisch schafft, ist es längst die Champions League.

          Klare Köpfe

          Nur zwei der Weltstars fehlen: Barcas Torjäger Samuel Eto'o hat eine Knieverletzung, Chelseas Torwart Peter Cech erlitt am Samstag einen Schädelbruch (Siehe auch: „Cech hat Glück, daß er noch lebt“). Der Tscheche ist nach einer Operation, bei der zwei Metallplatten eingesetzt wurden, bei Bewußtsein und auf dem Weg der Besserung. Es scheint, als habe sein schwerer Unfall dem sonst vor dem großen Duell üblichen Ballyhoo, dem Zirkus der verbalen Provokationen, die Basis genommen. Diesmal ist es, anders als in den beiden letzten Spielzeiten, kein K.-o.-Spiel - das und der schwere K.o. des Keepers haben die Köpfe klar gemacht.

          Zaubert Ronaldinho an der Stamford Bridge?
          Zaubert Ronaldinho an der Stamford Bridge? : Bild: dpa

          Die Ruhe wird auch durch eine politische Annäherung der beiden Meister aus Spanien und England gefördert. Laut einem Bericht des „Guardian“ sind Chelsea-Boss Peter Kenyon und Barca-Präsident Joan Laporta eine Allianz eingegangen, mit der die Großklubs unter dem Dach der Europäischen Fußball-Union in deren neuer Strategiekommission das Ruder übernehmen und letztlich die „G 14“, den bisherigen Zusammenschluß der großen Klubs, überflüssig machen könnten.

          Schützenhilfe für Werder?

          Noch vor 19 Monaten schien eine solche Liaison undenkbar. Chelseas Trainer Jose Mourinho griff nach dem 1:2 in Barcelona zur kalten Provokation, attackierte Schiedsrichter Frisk, der nach Todesdrohungen durch „Fans“ seine Karriere beendete, vergiftete die Atmosphäre - die Rechnung ging auf, Barca fehlte im Rückspiel der kühle Kopf. Ein Jahr später gelang den Spaniern die Revanche, ein 2:1 an der Stamford Bridge, wo Chelsea unter Mourinho in der Premier League in 42 Spielen noch nie verloren hat.

          Sollte der FC Barcelona das wiederholen, wäre Chelsea plötzlich wieder in Reichweite von Werder Bremen. Und Mourinho unter Druck, denn nach zwei Meistertiteln will der Millionenspender Roman Abramowitsch endlich den Champions-League-Sieg. Ausgerechnet jetzt scheint Ronaldinho, der im letzten Jahr mit seinem „Tipp-Kick-Treffer“ in London ein Tor mit Ewigkeitswert schoß, wieder in Form zu kommen: Er erzielte beim 3:1 gegen Sevilla am Sonntag zwei Tore.

          Die vier Säulen des Chelsea-Erfolges

          Cechs Ausfall (und der des Ersatzmannes Cudicini) verstärkt den Druck auf Mourinho. Der tschechische Torwart, der in der Meistersaison 2004/05 nur 15 Tore in 38 Spielen kassierte, ist eine der vier Säulen des Chelsea-Erfolges. Alle wanken derzeit. Frank Lampard hat seit Monaten eine Formkrise. Claude Makelele, bald 34, ist zwischen den Trainern Mourinho und Domenech in einen Streit über die Fortsetzung seiner Karriere im französischen Nationalteam geraten.

          Und Kapitän John Terry zeigte wie Lampard mit England eine schwache WM, nach der er die alte Dominanz im Strafraum noch nicht ganz zurückgewonnen hat. Hinzu kommt, daß die großen Einkäufe noch nicht überzeugen. Andrej Schewtschenko traf in zehn Spielen nur einmal. Michael Ballack war verletzt, dann gesperrt. Er bestreitet sein erstes Heimspiel seit der Roten Karte gegen Liverpool vor einem Monat.

          Abramowitsch sorgt für Schlagzeilen

          Nicht nur Mourinho steht unter Druck, auch Abramowitsch. Bald könnte ihm jemand sein Spielzeug wegnehmen. Oder zumindest die Hälfte davon. Am Montag sah sich der medienscheue Russe genötigt, Meldungen dementieren zu lassen, wonach seine Frau Irina die Scheidung anstrebe und mit ihr die höchste Scheidungsabfindung der Geschichte, nämlich die Hälfte an dem auf 16 Milliarden Euro geschätzten Vermögen. Also auch: die Hälfte am FC Chelsea.

          Wie der „Evening Standard“ meldete, habe die frühere Aeroflot-Stewardess, die Abramowitsch 1991 als erfolgloser Produzent von Plastikspielzeug heiratete, Londons führenden Scheidungsanwalt engagiert, Raymond Tooth, genannt „Jaws“ (Rachen). Vergeblich versuchte Abramowitsch einen Zeitungsbericht zu verhindern, wonach er oft mit der 23 Jahre alten Daria Schukowa auftauche, frühere Freundin des Tennisprofis Marat Safin. Zum ersten Mal wurden sie gemeinsam gesehen, als Barca im Februar an die Stamford Bridge kam. Mindestens so sehr wie auf seine Kicker wird man darauf achten, wen er diesmal mitbringt.

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