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Nach Flugzeugunglück in Anden : Fußballteam soll Sonderrechte bekommen

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Der Absturz eines Charterflugzeugs in Kolumbien löscht fast eine ganze Mannschaft aus. Bild: dpa

Der brasilianische Klub Chapecoense steht mit der Tragödie in den kolumbianischen Anden vor dem Aus. Doch Erstligateams des Landes wollen dem Verein helfen und den Abstieg vermeiden.

          Nach dem Absturz des Flugzeugs mit der Fußballmannschaft AF Chapecoense wollen führende brasilianische Erstligateams Sonderrechte für den Club durchsetzen. Mehrere Traditionsclubs wie Corinthians, Meister Palmeiras und der frühere Pelé-Club Santos starteten eine Initiative, die das kostenlose Leihen von Spielern in der Saison 2017 vorsieht, zudem soll der Club drei Jahre lang nicht absteigen.

          Am kommenden Sonntag stünde der 38. und letzte Spieltag der Liga an – dieser soll auf den 11. Dezember verlegt werden, Palmeiras mit dem früheren Bayern-München-Spieler Zé Roberto steht vorzeitig als Meister fest. Wie es mit Chapecoense weitergehen soll, ist völlig unklar. Unter den 71 Toten bei dem Absturz in der Nähe von Medellín waren 19 Spieler – das Team war auf dem Weg zum Hinspiel im Finale um die Südamerikameisterschaft gegen Atlético Nacional Medellín.

          Zunächst waren die Behörden von 75 Toten ausgegangen, aber anders als geplant hatten vier Passagiere die Reise nicht angetreten. Sechs Passagiere überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder und ein Journalist. Auf Bildern ist zu sehen, wie Abwehrspieler Alan Ruschel auf einer Trage ins Krankenhaus San Juan de Dios in der Ortschaft La Ceja gebracht wird.

          „Das ist eine Riesenkatastrophe“

          Am Sonntag war Chapecoense noch Meistermacher in Brasilien: Der Club verlor gegen Palmeiras São Paulo mit 0:1, Palmeiras sicherte sich dadurch vorzeitig den ersten Meistertitel seit 22 Jahren. Und der frühere Bundesliga-Profi Zé Roberto krönte mit 42 Jahren seine Karriere mit einem weiteren Titel. Chapecoense gratulierte. Nun kondoliert alle Welt Chapecoense. Keiner weiß, wie es mit dem Club weitergehen wird. Das letzte Ligaspiel gegen Atlético Mineiro sollte am Sonntag stattfinden. „Der Verein ist ja jetzt praktisch ausgelöscht“, sagt der frühere Chapecoense-Spieler Rink.

          Der Account des Clubs auf Twitter zeigt statt des grünen Wappens ein schwarzgefärbtes. Brasiliens Präsident Michel Temer ordnet eine dreitägige Staatstrauer an, bis zu Bayern München und Real Madrid reicht die Anteilnahme. „Betet für @ChapecoenseReal und ihre Familien“, schreibt der frühere deutsche Nationalspieler Lukas Podolski. Ein Märchen endet tragisch. 2009 spielte Chapecoense noch in der vierten Liga, dann ging es immer weiter bergauf, bis nun zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte. 1995 spielte auch der spätere deutsche Nationalspieler Paulo Rink eine Saison lang für den Club.

          „Das ist eine Riesenkatastrophe“, sagte Rink der „Rheinischen Post“. Das Drama erinnert an die Katastrophe von Manchester United 1958: Auf dem Rückflug von einem Spiel bei Roter Stern Belgrad stürzte ebenfalls das Flugzeug ab. 23 Menschen sterben. 15 Insassen überlebten die Katastrophe, darunter Fußball-Legende Bobby Charlton.

          Treibstoffmangel mögliche Ursache

          Ein Charterflug direkt von Brasilien wurde nicht genehmigt, weshalb die Mannschaft von Chapecoense erst nach Santa Cruz in Bolivien flog, von dort startete der Unglücksflug nach Medellín.Das Flugzeug könnte wegen Treibstoffmangels abgestürzt sein. Das erklärte der Direktor der kolumbianischen Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Die Piloten hätten wegen Problemen Landepriorität beantragt. Die vierstrahlige RJ85 der bolivianischen Charterfluggesellschaft Lamia sei in Runden geflogen, obwohl Landeerlaubnis gewährt worden sei, sagte Bocanegra.

          Die Delegation des Clubs Chapecoense bestieg das Flugzeug im bolivianischen Santa Cruz de la Sierra, weil die brasilianischen Luftfahrtbehörden einen Charterflug der bolivianischen Airline direkt von Brasilien nach Kolumbien nicht zugelassen hatten. Das Fußballteam flog deshalb per Linienflug von São Paulo aus, wo es am Sonntag in einem Spiel der brasilianischen Liga gegen Palmeiras angetreten war, nach Santa  Cruz. Die Entfernung auf Luftlinie zwischen Santa Cruz und Medellín beträgt 3015 Kilometer. Die Reichweite der Maschinen vom Typ RJ85 liegt bei rund 3000 Kilometern.

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