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Mario Götze : Mehr als große Momente

„Da wird man viel erwarten dürfen“: Mario Götze versucht, die Erwartungshaltung der Bayern zu erfüllen Bild: AFP

Mario Götze führt die Torjägerliste der Bundesliga an - doch im Klub verlangen sie mehr vom WM-Helden, vor allem in der Champions League. Auch am Abend gegen AS Rom (20.45 Uhr).

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          Es wäre falsch, Mario Götze als einzigen Nationalspieler zu bezeichnen, der noch in WM-Form spielt. Denn Götze spielt besser als bei der WM - jedenfalls dann, wenn man als Vergleich nicht nur die eine geniale Szene in der 113. Minute des Finals gegen Argentinien heranzieht. Wäre im Endspiel schon in der regulären Spielzeit ein Tor gefallen, Götze wäre wohl als großer WM-Verlierer heimgekehrt. Einer, der in den drei alles entscheidenden Partien vom Viertelfinale an nur sieben bedeutungslose Spielminuten bekommen hätte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Er hatte Glück und nutzte es zum Glücksmoment für die Fußballnation. So wurde er der Mann für den besonderen Moment - und will doch nun zeigen, dass er mehr ist, nämlich einer für eine ganze Spielzeit, eine ganze Vereinskarriere.

          Wenige, oft banale Aussagen

          „Ich wünsche mir eine lange Saison, eine gute Saison“, sagte er vor kurzem in einem Sponsorenfahrzeug während der Fahrt zum Privatflieger, der ihn zu einem Sponsorentermin beförderte. Während der knapp dreißig Minuten auf der Autobahn durfte ihm ein TV-Team Fragen für eine Dokumentation stellen, für die dann aber nur wenige, oft banale Aussagen von seinem Management für die Ausstrahlung genehmigt wurden.

          Es ist für die deutsche Öffentlichkeit immer noch nicht leicht, zu wissen, was sie von ihrem WM-Helden halten soll. „Mario wirkt manchmal etwas unnahbar“, räumte Sportvorstand Matthias Sammer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein. „Aber er tut das nicht, weil er anderen das Gefühl geben will, nicht wichtig zu sein. Sondern um sich zu schützen. Er ist ein hochsensibler, junger Mann, ein Kreativspieler, auch ein Feingeist in seinem Denken. Er ist kein grob gehobelter Klotz.“

          Begünstigt von Guardiolas Finesse

          Nahbar gibt sich Götze gern dadurch, dass er von der Wohngemeinschaft mit seinem Bruder erzählt, der in Unterhaching Drittligaprofi ist. Oder davon, dass er früher in FC-Bayern-Bettwäsche geschlafen habe.

          Der Rekordmeister bemüht sich spürbar, seinen schwierigsten Star aus der Image-Ecke des jungen Schnösels herauszuholen. Mehr als öffentliche Worte helfen dabei derzeit gute Leistungen. Beflügelt vom WM-Glück und begünstigt von der taktischen Finesse Pep Guardiolas, der die Lauf- und Passwege nun besser auf Götzes Stärken zugeschnitten hat, blüht der Jungstar auf.

          Nach den zwei Toren beim 6:0 gegen Werder Bremen führt er die Torjägerliste an, und seine Bilanz seit Anfang September spricht Bände: sieben Spiele, sieben Siege, sechs Tore, drei Assists.

          Dennoch überschütten sie ihn ganz auffällig eben nicht mit Lob, das gälte in seinem Fall als kontraproduktiv. „Er hat ja viel Geld gekostet, da wird man auch viel erwarten dürfen“, wiegelte etwa Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach zwei Götze-Treffern gegen Paderborn ab. Die stumme, aber hörbare Botschaft an den Jungstar: Nun, in der zweiten Saison, soll er auch mal bei den Bayern etwas zeigen, wenn es zählt. So wie im WM-Finale.

          Bisher hat er das noch nicht getan, da sind auch die bisherigen Saisonspiele nicht der Maßstab. Die Bundesliga ist für die Bayern, sollten sie nach den bereits weit abgehängten Rivalen der vergangenen Jahre (Dortmund, Schalke, Leverkusen) auch noch die Hürde am Sonntag in Mönchengladbach nehmen, bald nur noch eine Finger- und Fitnessübung für die Champions League - den einzigen Wettbewerb, der für sie aus einer Saison noch einen gefühlten Erfolg und nicht nur eine erfüllte Erwartung machen kann.

          Und gerade in der Champions League, in der man an diesem Dienstag bei AS Rom antritt (20:45 Uhr/ Sky und F.A.Z.-Liveticker), hat Götze einiges nachzuholen. In den sechs K.-o.-Spielen der vergangenen Saison blieb er bei sechs Einsätzen ohne jede Torbeteiligung. „Ich bin noch sehr, sehr jung. Ich bin erst 22 Jahre!“, so bat er vor einigen Tagen um Nachsicht. „Ich kann noch nicht alles richtig machen.“ Er tat das auf der Talkshow eines Sponsors.

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