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Leverkusens Kevin Volland : Wie „Kartoffelsack-Volland“ es seinen Kritikern zeigen will

  • -Aktualisiert am

Es ist zum Haareraufen: Auf internationaler Bühne will Bayer Leverkusens Kevin Volland nicht so recht in Schwung kommen. Bild: dpa

Egal wie gut er trifft, seine Kritiker konnte Kevin Volland in der Vergangenheit ebenso wenig von sich überzeugen wie Bundestrainer Löw. Das hat auch mit einer bestimmten Schwäche des Angreifers zu tun.

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          Irgendwann am Ende der vergangenen Bundesligasaison mochten einige Anhänger von Bayer Leverkusen das Ärgernis mit ihrem besten Stürmer nicht mehr einfach so hinnehmen. Kevin Volland hatte mit 14 Treffern und zwölf Vorlagen einen wichtigen Beitrag zur Champions-League-Qualifikation geleistet, hatte mehr Scorerpunkte gesammelt als der überschwänglich gefeierte Kai Havertz (siebzehn Tore, vier Vorlagen). Er ist im Kalenderjahr 2019 sogar der beste deutsche Scorer, nur der Pole Robert Lewandowski vom FC Bayern liegt in dieser Wertung vor dem Angreifer vom Rhein.

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          In den sozialen Medien wurde Volland dennoch mit Häme und Kritik überschüttet, sogar von einem Teil der eigenen Fans. Also drehte der Klub ein kleines Video, in dessen Verlauf eine digitale Sturmflut der Geringschätzung („Kartoffelsack-Volland“, „personifizierter Chancentod“) alle Netzwerke zum Absturz bringt und Volland selbstironisch fragt: „Wie lebt man mit dem Namen Kevin?“ Zum Kontrast folgen in dem Filmchen einige der besten Szenen des 27 Jahre alten Angreifers, der an diesem Mittwochabend mit Bayer Leverkusen in der Königsklasse auf Lokomotive Moskau (um 21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und auf DAZN sowie in der Sky-Konferenz) trifft. Aber das Problem bleibt: Irgendwie wird Vollands Klasse allenfalls beiläufig gewürdigt.

          Gerade erst hat Joachim Löw mit eher desinteressiertem Unterton erklärt, er habe schon zur Kenntnis genommen, was Volland könne, er wisse aber auch, was er nicht könne. Ins Nationalteam wollte der Bundestrainer den gebürtigen Allgäuer im September trotz des Ausfalls von Leroy Sané nicht einladen. Volland hat sich damit mittlerweile abgefunden. „Wenn ich dann bei der Nationalmannschaft nicht mehr dabei bin, dann ist das halt so“, sagte er unlängst dem „Kicker“. „Das muss man akzeptieren. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind andere Spielertypen gefragt.“ Nach nur elf Länderspielen hat der Leverkusener seinen Frieden gefunden mit der unvollendeten Karriere in der deutschen Elf: „Wir haben so viele Spiele mit dem Verein, dann nutze ich halt meine Länderspielpause anders“, erklärte Volland. Und es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, auf internationaler Bühne ins Rampenlicht zu treten.

          In der Champions League wurden dem Werksklub neben Lokomotive Moskau mit dem deutschen Weltmeister Benedikt Höwedes auch noch Juventus Turin und Atlético Madrid zugelost. Diese Klubs dürften den Bayer-Fußball vielleicht noch nicht so gut kennen wie die Bundesligavereine, die zuletzt probate Mittel fanden, um den Ballbesitzfußball von Trainer Peter Bosz zu bremsen. Im nationalen Wettbewerb ist der Motor des Teams nach zwei Siegen zu Saisonbeginn etwas ins Stocken geraten. Dem 0:0 gegen die TSG 1899 Hoffenheim folgte das 0:4 in Dortmund, das den Volland-Kritikern neue Argumente liefern könnte. Ein Klischee über den Stürmer lautet nämlich, dass er vorzugsweise gegen schwächere Gegner glänze, in den wirklich großen Spielen bleibe er hingegen wirkungslos. Das trifft zwar nicht auf jedes Topspiel zu. Aber in seinen elf bisherigen Europapokalspielen ist Volland bisher nur ein Tor gelungen, vorbereitet hat er keinen Treffer.

          Die Champions League bietet ihm nun die wunderbare Möglichkeit zu zeigen, dass er doch ein Mann für die leuchtenden internationalen Fußballnächte ist. Juventus Turin und Atlético Madrid treten mit Defensivkonstrukten an, die zum Besten zählen, was der Weltfußball zu bieten hat, Volland will sie knacken. „Die Champions League ist für einen Klub wie Leverkusen das Größte“, sagte er vor einiger Zeit. Und wenn er dort gute Spiele macht, werden womöglich sogar die Nörgler aus den sozialen Medien etwas genauer hinsehen.

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