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Liverpool, Arsenal und Co. : Warum England die Fußball-Welt dominiert

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Schoss Arsenal mit seinen Toren ins Finale der Europa League: Pierre-Emerick Aubameyang Bild: Reuters

Die spanischen Triumphjahre sind vorerst beendet. In Champions und Europa League gibt es dieses Jahr rein englische Endspiele. Diese Machtdemonstration hat mehrere Gründe.

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          Nach einer überragenden englischen Fußball-Woche klemmte sich Pierre-Emerick Aubameyang den Spielball unter die Arme und strahlte voller Stolz. Die drei Tore des Stürmers aus Gabun beim 4:2 (1:1) im Halbfinale von Valencia waren nicht nur ein Zeichen seiner Extraklasse, sondern auch ein Sinnbild für das aktuelle Kräfteverhältnis im europäischen Fußball: Nach harten Jahren für Nationalteam und Vereinsfußball erlebt der englische Fußball gerade eine Renaissance auf größtmöglicher Bühne – die Premier-League-Klubs werden die internationalen Titel diesmal unter sich ausspielen.

          Die Stadtrivalen Arsenal und Chelsea im Endspiel der Europa League, Jürgen Klopps FC Liverpool und Tottenham Hotspur im Königsklassen-Finale: Schon vor den größten Vereinsspielen des Jahres in Madrid und Baku steht fest, dass sich die Kräfteverhältnisse mächtig verschoben haben.

          „Vier englische Klubs in den Finalspielen zeigen natürlich die Stärke der Premier League“, sagte der Schweizer Granit Xhaka zu einer wahrlich turbulenten Europa-Saison. Neben den immens hohen TV-Geldern, die Manchester City, Liverpool und Co. in Top-Profis investieren, überzeugten die englischen Vertreter in dieser Spielzeit auch und vor allem mit großer Moral und Nervenstärke. Liverpool drehte das Gigantenduell gegen den FC Barcelona trotz einer 0:3-Hypothek im Hinspiel, Tottenham holte drei Tore auf und Chelsea bewies gegen das furios kämpfende Eintracht Frankfurt in der eigentlich deutschen Disziplin Elfmeterschießen Stärke.

          Die beiden deutschen Aushängeschilder FC Bayern und Dortmund waren von den Champions-League-Finalisten schon im Achtelfinale aus dem Wettbewerb geworfen worden, die über Wochen mit Spannung erwarteten deutsch-englischen Wochen endeten mit einem Fiasko für die Bundesliga. Und ausgerechnet teure Importe wie der frühere Dortmunder Aubameyang haben daran einen riesigen Anteil.

          63,75 Millionen Euro haben sich die Gunners ihren Eliteangreifer kosten lassen – in den entscheidenden Wochen der Saison macht sich die große Investition bezahlt. „Wir haben das gebraucht. Große Spieler sind oft gute Torjäger, aber wenn sie dazu noch mit so einem Engagement spielen, ist das einfach beeindruckend“, lobte Trainer Unai Emery, der nach drei Titeln mit dem FC Sevilla schon zum vierten Mal die Europa League gewinnen kann.

          Seinen Coach ließ der eiskalte Vollstrecker Aubameyang auf dem Ball unterschreiben, dann verließ der 29-Jährige mit großer Lockerheit die grell-orangen Katakomben des Mestalla in Valencia. „Wir haben aus dem Vorjahr gelernt und haben in dieser Saison nicht noch einmal die gleichen Fehler gemacht. Jetzt haben wir es ins Endspiel geschafft“, sagte Aubemeyang BT Sport, im Vorjahr hatte es noch einen K.o. im Halbfinale gegen Atlético Madrid gesetzt. Voller Vorfreude auf den 29. Mai rief er in die Kamera: „Danke für eure Unterstützung,  Arsenal-Fans. Wir sehen uns in Baku.“

          Für „Auba“ und den auch am Donnerstag schweigenden früheren Nationalspieler Mesut Özil wird die Reise nach Aserbaidschan via Charterflug kein großer Akt, die Fans aus London dürfen sich hingegen auf eine richtige Tortur gefasst machen. Direktflüge von der britischen Hauptstadt nach Baku sind in der Finalwoche ausgebucht, die Anhänger werden die 4000-Kilometer-Reise in den Kaukasus nur mit Umwegen, einigen Strapazen und viel Zeit auf sich nehmen können.

          Chelseas Stürmer Olivier Giroud konstatierte zur englischen Stärke in dieser Spielzeit: „Die Premier League ist sehr stark. Aber wir sind zuletzt manchmal müde geworden in der entscheidenden Phase, weil wir so viele Spiele spielen. Ich freue mich sehr, weil so etwas noch nie passiert ist. Das ist großartig für uns – und verdient.“

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