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Gegen Ajax in Champions League : Die Last der Bayern

  • -Aktualisiert am

Angreifer Robert Lewandowski ist derzeit nicht immer zufrieden mit den Leistungen in München. Bild: dpa

Der FC Bayern München ist von der Realität eingeholt worden. Trainer Niko Kovac agiert noch überzeugend – aber die Stimmung in der Mannschaft hat gelitten. Vor dem Spiel gegen Amsterdam ist der Druck auf das Team hoch.

          Wer als Trainer bei erfolgsverwöhnten Mannschaften arbeitet, lernt schnell, eine Fassade aufzubauen, um die eigenen Befindlichkeiten möglichst perfekt zu verbergen, vor allem an den nicht so guten Tagen, die auch Seriensiegern passieren. Niko Kovac hatte es in München bis vor kurzem nicht nötig, ein Pokerface aufzusetzen. Er war, wie er ist: ziemlich gelassen und fast immer gut aufgelegt. Allerdings gab es für den Trainer des FC Bayern bis zur vergangenen Woche auch nur gute, sehr gute Tage, keine schlechten.

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          Das hat sich nun geändert nach den Punktverlusten gegen den FC Augsburg und Hertha, aber Kovac ist sich treu geblieben damit, wie er sich nach außen gibt. Er sieht, wie er versichert, auch vor dem zweiten Champions-League-Spiel der Münchner an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei Sky und DAZN) gegen Ajax Amsterdam keinen Grund, nervös zu sein. „Wenn wir in beiden Spielen keine Chancen gehabt hätten, würde ich mir Sorgen machen“, sagte er. „So aber nicht.“

          Ein bisschen hat es etwas von einer „Guten-Laune-Fassade“, aber das ist ja keine schlechte. Denn der Rekordmeister ist bekannt dafür, dass es schnell vorbei ist mit der bayerischen Bierruhe im Verein und im Umfeld, wenn nur die Möglichkeit bestehen könnte, dass der Erfolg in Gefahr gerät. Vor einer Woche herrschte noch der Eindruck in der Liga, „dass wir unbesiegbar sind“, sagte Thomas Müller. „Jetzt hat uns die Realität eingeholt.“

          Kovac hat vieles richtig gemacht bis zur vergangenen Woche

          Die Münchner sind nach Punkten so gut wie im vergangenen Jahr nach sechs Bundesliga-Spieltagen, aber die Situation ist dennoch nicht mit jener unter Carlo Ancelotti zu vergleichen. Zum einen lagen die Bayern nicht nur einen Punkt in der Tabelle hinter Borussia Dortmund, sondern fünf, und zum anderen hatte davor der Trainer in den Augen der Spieler und der Verantwortlichen nicht alles richtig gemacht. Deshalb war damals die 0:3-Niederlage gegen Paris der Schlusspunkt für Ancelotti.

          Kovac hat vieles richtig gemacht bis zur vergangenen Woche. In den ersten knapp drei Monaten seiner Dienstzeit überzeugte er als Moderator und bewies ein gutes Händchen bei der Auswahl des Personals. Er half bei der Wiedereingliederung von Robert Lewandowski und sorgte für halbwegs Zufriedenheit bei Franck Ribéry und Arjen Robben, weil er es schaffte, sie gerade so oft auf die Bank zu setzen, dass sie damit klarkamen. Er hat erst einmal nichts zu befürchten, selbst dann nicht, wenn die Bayern einen Sieg gegen Ajax verpassen.

          Die Bayern-Spieler Renato Sanches, James und Javi Martinez (von links) beim Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Amsterdam

          Aber dann würde es unruhig werden im Verein. Nach der Niederlage in Berlin herrschte erst einmal nur im Umfeld Aufregung, und das kennt Kovac aus seiner aktiven Zeit beim FC Bayern. „Es war nicht alles eitel Sonnenschein nach sieben Siegen, und es wird nach zwei Spielen mit einem Punkt nicht alles so schlecht sein, dass man alles hinterfragen muss“, sagt er, weiß aber, dass doch einiges hinterfragt wird in diesen Tagen.

          Er hatte gegen den FC Augsburg ein paar überraschende Personalentscheidungen getroffen, die aber, so betont Kovac, auch den Ausfällen geschuldet sind. Die Münchner haben nach der Verletzung von Rafinha nur noch zwei Außenverteidiger im Kader, weshalb Leon Goretzka einmal auf ungewohnter Position aushelfen musste. Dass die Offensive zu viele Chancen auslässt, erklärt Kovac „mit Kleinigkeiten“. Man müsse noch häufiger aufs Tor schießen „und nicht noch mal zum Nebenmann, noch mal zum Nebenmann und versuchen, alle auszufummeln“, gab er seinem Team nun mit.

          Im Gegensatz zum Trainer reagierten die Spieler gereizt auf die Ereignisse der vergangenen Woche. „Ich glaube nicht, dass das alles Pech ist“, sagte Joshua Kimmich selbstkritisch: „Wir müssen es uns auch schon wieder erarbeiten, weil wir die Vielzahl an Chancen nicht nutzen und hinten die Fehler machen. Das hatten wir in der letzten Saison auch schon. Das ist dann einfach auch eine Sache von Qualität.“ Die Stimmung in der Mannschaft hat jedenfalls gelitten nach den jüngsten Punktverlusten. Aber die Münchner und Kovac verlassen sich darauf, dass auch dieses Mal passiert, was beinahe als feststehende Regel gilt beim Rekordmeister.

          „Die, die den FC Bayern kennen, wissen, dass wir uns das nicht gefallen lassen und wir alles tun werden, damit wir wieder erfolgreich sind“, sagte Kovac, der sich „eine Reaktion“ von seinem Team wünscht. „Wir sind in der Allianz Arena, wir sind der FC Bayern, wir möchten dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.“ Das Duell mit Ajax Amsterdam ist das, was man gerne als richtungsweisend bezeichnet. Für den FC Bayern in dieser Champions-League-Gruppe – und für Kovac.

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